Bony: Treffsicher und mannschaftsdienlich
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Dass Wilfried Bony ein riesiges Potenzial hat, wussten viele spätestens seit der vergangenen Saison. Schließlich trifft er für Vitesse Arnheim in der Eredivisie, wie er will. Doch inzwischen hat der Ivorer auch den Durchbruch in der Nationalmannschaft geschafft. Bei FIFA.com erklärt der Stürmer das Geheimnis seines Erfolgs.

Die Grundtugenden des Fussballs muss ihm niemand erklären. "Ich schiebe im Training Sonderschichten", verrät Wilfried Bony, der beste Torschütze der Eredivisie bei FIFA.com. "Besonders Torabschluss. Aber man braucht neben der richtigen Motivation immer auch Glück." Motivation, Glück und Fleiß – das also sind die Geheimnisse des Erfolgs. Bony jedenfalls bestätigt seit vier Monaten, dass seine Leistung in der vergangenen Saison (17 Tore in 32 Spielen) keine Eintagsfliege war. Im Gegenteil: Unter Fred Rutten, dem ehemaligen Trainer des PSV Eindhoven, steht Bonys Verein Vitesse Arnheim völlig unerwartet punktgleich mit Twente Enschede an der Tabellenspitze.

"Für einen Stürmer gibt es immer Phasen, in denen alles klappt", sagt der Mann, der im Januar 2011 für vier Millionen Euro von Sparta Prag geholt wurde. "Das muss man ausnutzen." Eine solche Phase hatte Bony, der in wenigen Tagen 22 wird, dann wohl zwischen dem 6. Oktober und dem 25. November: Zwölf Mal traf er in dieser Zeit, darunter ein Dreierpack gegen den SC Heerenveen, ein Doppelpack gegen Ajax Amsterdam und der Siegtreffer bei PSV Eindhoven. "Wenn man gegen große Mannschaften trifft, steigt automatisch die mediale und öffentliche Aufmerksamkeit. Dann steht einem auch im Spiel immer gleich ein Abwehrspieler auf den Füßen. Bei mir sind es inzwischen meist zwei oder sogar drei. Darauf muss ich mich einstellen, einfacher und direkter spielen", hat der in Bingerville geborene Bony bereits erkannt.

Europadebüt in der dritten Liga
Beim jüngsten Erfolg von Vitesse (3:0 zu Hause gegen Roda JC Kerkrade) legte der stets umgängliche und höfliche Bony immerhin einen Treffer auf. Weil er inzwischen kein Unbekannter mehr ist und auch seine Mannschaft längst keinen Außenseiterstatus mehr genießt, hat der Stürmer sein Spiel mit erstaunlicher Nüchternheit umgestellt. "Als Reaktion auf die Manndeckung arbeite ich jetzt eben an meinem Passspiel. Alle wollen verhindern, dass ich Tore schieße, deshalb muss ich mannschaftsdienlich denken und Vorlagen geben, wenn ich selbst nicht zum Abschluss kommen kann", so Bony vor dem Auswärtsspiel bei VVV Venlo. Seine Devise: "Immer nach vorne schauen". Dieser Leitsatz passt bestens zum ehemaligen Schüler der Fussballakademie von Cyril Domoraud.

Bony, in einem sozialen Brennpunkt von Abidjan aufgewachsen, lernte den Umgang mit dem Ball auf der Straße. Durch Schul- und Stadtturniere reifte bei Bony der Entschluss, Profi zu werden. Er kehrte nach Bingerville zurück und meldete sich in der Fussballschule des ehemaligen Innenverteidigers von Olympique Marseille an. Nach drei Jahren bei Domoraud unternahm Bony 2007 einen ersten Anlauf in Europa, doch das Vorspielen beim FC Liverpool geriet zur Enttäuschung. Zwei irische Erstligisten lehnten es ebenfalls ab, ihn unter Vertrag zu nehmen. Also ging Bony notgedrungen in die dritte tschechische Liga.

Nach zwei Jahren bei Issia Wazi lieh ihn Sparta Prag aus – für die Reserve. Mit dieser wurde der junge Ivorer böhmischer Fussballmeister, was ihm eine Vertragsverlängerung in der tschechischen Hauptstadt einbrachte. Er blieb insgesamt zweieinhalb Spielzeiten, in denen er 22 Tore in 59 Partien schoss. Schließlich verpflichtete ihn Vitesse. Arnheim griff tief in die Tasche, um das Talent zum Gelredome zu holen. In der ultramodernen Heimstätte seines neuen Vereins schoss Bony schon am 20. Februar sein erstes Tor in der Eredivisie. Es war der Beginn einer Bilderbuchgeschichte. Sie ging mit der Verpflichtung von Fred Rutten als Trainer einer gewachsenen Mannschaft weiter.

"Wissen, woher man kommt"
"Wir haben keine Angst vor einem Absturz. Vitesse ist nicht automatisch Favorit, wie die großen Mannschaften in den Niederlanden. Wir haben nichts zu fürchten", sagt der Angreifer der Elfenbeinküste, der beim letzten CAF Afrikanischen Nationen-Pokal im Finale gegen Sambia eingewechselt wurde. "Wir müssen klaren Kopf behalten und dürfen nicht vergessen, wo wir herkommen und wohin es uns führt. In der zweiten Saisonhälfte wird uns niemand mehr unterschätzen", warnt der Bewunderer von Didier Drogba. "Deshalb müssen wir jetzt so viele Punkte wie möglich holen und dürfen uns keine Blöße geben!" Dass Vitesse aktuell punktgleich mit Twente an der Tabellenspitze steht, liegt laut Bony an der von der Vereinsführung im Sommer verordneten Kontinuität. "Wir haben uns nur punktuell verstärkt, der Kern der Mannschaft ist zusammen geblieben. Diese Form der Stabilität gibt Fussballern Sicherheit", so Bony.

Am 5. Januar geht es für Wilfried Bony zur Vorbereitung auf den Afrikanischen Nationen-Pokal. Auch dort will er Sicherheit und Selbstvertrauen beweisen. "Gesund bleiben und weiter hart arbeiten", gibt er als Maxime aus. "Dann kann ich noch lange weiter auf diesem Niveau spielen", fügt er in aller Bescheidenheit an. Sein stetiger Aufstieg spricht dafür. Das Abenteuer in Südafrika unter dem neuen ivorischen Nationaltrainer Sabri Lamouchi könnte Bony künftig noch bekannter machen.