Juan Jesus will mit Inter glänzen
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Nach den äußerst erfolgreichen Jahren 2004 bis 2011 steckt Inter Mailand derzeit mitten in einer Phase des Umbruchs. Altgediente Kräfte wie Schlussmann Julio Cesar, Verteidiger Lucio und Rechtsaußen Maicon haben den Verein im Zuge der Neuausrichtung bereits verlassen. Das bedeutet aber nicht, dass die Fans zukünftig auf die Unterstützung brasilianischer Akteure verzichten müssen.

Nach dem Weggang jener Spieler, die ihm die Eingewöhnung an das neue Land und die neue Kultur erleichtert haben, liegt es nun am talentierten Juan Jesus, die Arbeit seiner erfolgreichen Landsleute fortzusetzen und Inter wieder an die Spitze zu führen.

"Hier sind ihnen alle sehr dankbar, doch leider haben sie jetzt den Verein verlassen. Ich war etwas traurig, da wir noch einige Zeit hätten zusammenspielen können. Aber manchmal ist die Zeit für eine Luftveränderung und neue Herausforderung halt gekommen", so der 21-jährige Abwehrspieler gegenüber FIFA.com.

"Sie haben mir aber die Eingewöhnung sehr erleichtert und mich Schritt für Schritt an die Mannschaft herangeführt. Jetzt kann ich meine Qualitäten zunehmend unter Beweis stellen und erhalte auch die entsprechende Wertschätzung."

Es fällt keinem Verein leicht, nach langen Jahren des Erfolgs einen Umbruch zu vollziehen. Die Anerkennung für die Helden vergangener Tage muss dabei mit der Einsicht einhergehen, dass der Kader zwangsläufig irgendwann erneuert werden muss. "Jede Mannschaft, auch Inter, das so ziemlich alles gewonnen hatte, muss irgendwann einen Umbruch vollziehen. Das verleiht dem Team frisches Blut. Es kommen neue Akteure, die sich beweisen wollen", urteilt Juan.

Im Gegensatz zu den anderen Neuverpflichtungen stieß der Verteidiger allerdings zusammen mit Guarin bereits im Januar zum Verein und hatte folglich die gesamte Rückrunde Zeit, um sich mit seinem neuen Arbeitsumfeld vertraut zu machen. Später folgten unter anderem die Uruguayer Walter Gargano und Alvaro Pereira, der slowenische Schlussmann Samir Handanovic, der Argentinier Rodrigo Palacio und der Routinier Antonio Cassano.

Für viele steckt der Verein unter der Führung von Trainer Andrea Stramaccioni noch immer in einem tiefen Umbruch. Das bedeutet aber noch lange nicht, dass es der Mannschaft an der nötigen Schlagkraft mangelt, wovon beispielsweise der 3:1-Sieg gegen Juventus Turin vom 3. November zeugt, mit dem der historischen Erfolgsserie Juves ein Ende gesetzt wurde - und dazu noch in Turin.

Dennoch durchlebt die Mannschaft weiterhin viele Höhen und Tiefen. An den zwei folgenden Spieltagen gab es eine Niederlage und ein Unentschieden, was jedoch die Zuversicht der Akteure keineswegs schmälert. "Der Sieg hat uns für die anstehenden Aufgaben Selbstvertrauen verliehen. Es hat gut getan, Juve endlich mal eine Niederlage beizubringen", so der Brasilianer.

"Zu Beginn der Saison hat keiner an uns geglaubt. So deutlich zu gewinnen - und das auch noch auswärts - war folglich extrem wichtig. Wir haben aber noch einen langen Weg vor uns, und es werden noch weitere Niederlagen dazukommen. Wir spielen zwar oben mit, aber Juve steht noch vor uns."

Aus persönlicher Sicht muss sich Juan derzeit nur darum Sorgen machen, was auf dem Platz passiert. Der Wechsel zu Inter im Januar war für den Verteidiger mit einer ausgedehnten Saisonvorbereitung verbunden, die es ihm ermöglichte, abseits des Platzes seine Sprachkenntnisse zu vertiefen und sich mit der Stadt vertraut zu machen.

Die alteingesessenen Kräfte waren unabhängig davon, ob sie auch aus Brasilien stammten, sehr wichtig bei diesem Prozess. "In der Mannschaft hat mir jeder geholfen, sogar die Argentinier. Es heißt ja immer, die würden nicht mit Brasilianern reden, aber das stimmt überhaupt nicht. Javier Zanetti ist ein wahrer Kapitän. Er redet eigentlich die ganze Zeit. Es ist sehr schön, solche Leute an seiner Seite zu haben", so Juan, der sich zumindest mit Außenverteidiger Jonathan und dem offensiven Mittelfeldspieler Philippe Coutinho in seiner Muttersprache unterhalten kann.

Italienisch lernt Juan auf zwei unterschiedliche Weisen: Zum einen in langen Unterredungen mit seiner Frau, die diese Sprache studiert. Zum anderen, indem er ins Kino geht und damit eine alte Gewohnheit aus Porto Alegre fortsetzt. "Ich würde auch gehen, wenn ich nichts verstehen würde", betont er.

"Immer wenn ich etwas Zeit habe, gehe ich ins Kino. An machen Wochen gehen wir sogar zwei Mal. Ich mag einfach alles: Horror, Komödien, Liebesfilme. Der letzte 007 hat mir sehr gefallen. Da habe ich eine Menge gelernt. Jetzt komme ich gut zurecht und kann durch die ganze Stadt fahren, ohne dauernd auf das Navi schauen zu müssen."

Notfalls muss er eben seine Italienischkenntnisse bemühen, um nach dem Weg zu fragen. Mitunter kommt er allerdings nicht um einen kurzen Plausch herum, zumal er im Verkehr immer öfter erkannt wird.

"Sie nennen mich in der Regel Jesus, da die Verwendung des Nachnamens hier geläufiger ist. Der Kontakt ist intensiver geworden. Es ist aber nicht mit Neymar vergleichbar. Noch kann ich ungestört meine Runden drehen", so Juan. Im Vergleich zu Neymar, der das Trikot von Inter im Gegensatz zu Julio Cesar, Lucio und Maicon nie getragen hat, bleibt Juan noch genügend Zeit, um an die Erfolge dieser Routiniers anzuknüpfen.