Inter beendet "Juve"-Nimbus - Trainer Stramaccioni gefeiert
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Juventus Turin hat in der Serie A den Nimbus der Unbesiegbarkeit verloren. Im Spitzenspiel der 11. Runde unterlag der italienische Rekordmeister nach 49 Spielen ohne Niederlage dem direkten Verfolger Inter Mailand mit 1:3 (1:0). Durch die erste Pleite in der Liga seit dem 15. Mai 2011 schmolz der Vorsprung der Alten Dame auf die Nerazzurri auf einen Punkt. Die Rekordmarke von Ex-Meister AC Mailand, der zwischen 1991 und 1993 58-mal in Serie nicht verloren hatte, bleibt damit bestehen.

Zumindest Lazio Rom nutzte ohne den gelbgesperrten Miroslav Klose den Patzer des Spitzenreiters nicht. Die Römer erlebten eine Woche vor dem Derby gegen Stadtrivale AS, der US Palermo mit 4:1 (2:0) bezwang, mit dem 0:4 (0:3) bei Catania Calcio einen weiteren herben Rückschlag und haben als Tabellenfünfter nach dem dritten Spiel in Folge ohne Sieg weiter neun Punkte Rückstand zur Spitze. Auch der SSC Neapel (23) verschenkte bei der Aufholjagd durch ein 1:1 (1:0) gegen den FC Turin zwei Punkte, während der AC Florenz (21) mit einem 4:1 (2:1) gegen Cagliari Calcio viel Boden auf Juventus gutmachte.

"Inter hat Juventus mit der Kaltblütigkeit einer großartigen Mannschaften gewonnen. Juve weiß jetzt, gegen wen es um den Meisterschaftstitel zu kämpfen hat", schrieb die Gazzetta dello Sport am Sonntag. Der Angriff bleibt die Problemzone von Juventus, das nie wirklich gefährlich geworden ist. "Die Alte Dame hat eine Nervenkrise erlitten", urteilte die Gazzetta.

Dabei war der Spitzenreiter im Derby d'Italia bereits wenige Sekunden nach dem Anpfiff durch den ehemaligen Leverkusener Arturo Vidal (1.), der nach seiner Gelbsperre wieder mitwirken durfte, in Führung gegangen. Nach einer kurzen Schockphase fingen sich die Gäste jedoch, und es entwickelte sich ein offenes Spiel.

Diego Milito (59.) erzielte mit einem Strafstoß den Ausgleich - und legte wenig später mit dem Führungstreffer nach einem Konter (75.) nach. Mitten in der Schlussoffensive der Bianconeri sorgte Rodrigo Palacio (89.) für die Entscheidung zugunsten der Gäste.

Der Sieg gegen den Tabellenführer ist ein Meilenstein in der erst kurzen Karriere des 36 Jahre alten Inter-Coaches Andrea Stramaccioni. Der "Mister Nobody", der im vergangenen März überraschend zum Nachfolger des gefeuerten Coachs Claudio Ranieri auf der Inter-Bank aufgerückt war, hat eine kränkelnde Mannschaft wieder aufgebaut und personell gewaltig umgekrempelt.

Dabei hatte außer Klubboss Massimo Moratti kaum jemand viel von dem Römer gehalten, der lediglich mit Inters Nachwuchsmannschaft Erfahrung gesammelt hatte. Inzwischen feiern die italienischen Medien den versierten "Strama" als "jungen José Mourinho".

Sieben Erfolge in Serie schaffte der Coach in dieser Meisterschaft. "Wir haben den Sieg im Auswärtsspiel gegen eine Mannschaft, die seit zwei Jahren in der Serie A dominiert, voll verdient", resümierte Stramaccioni. "Alle Spieler verdienen einen großen Lob, doch dies ist vor allem der Sieg unseres Trainers", betonte Präsident Massimo Moratti. Stramaccionis Entscheidung, auf die "drei Tenöre" - die Stars Diego Milito, Antonio Cassano und Rodrigo Palacio - zu setzen, habe sich als Volltreffer erwiesen, betonte Moratti.

Vor Inters Überlegenheit verbeugte sich auch Juve-Kapitän Gianluigi Buffon. "Inter hat den Sieg verdient. Unsere Gegner haben mit großer Überzeugung gespielt. Die Mannschaft ist gefährlich und der Trainer wirklich sehr gut. Man spürt, dass er das vollste Vertrauen seiner Spieler genießt", sagte der Keeper.