Dortmund feiert sein Traumpaar Reus/Götze
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Seinen letzten Spurt in Richtung Ball zog Marco Reus direkt nach dem Schlusspfiff an. Blitzartig schnappte sich der Nationalspieler seine Trophäe als Erinnerung an einen spektakulären Fussballabend. Reus setzte mit drei Traumtoren die Highlights bei der 3:0-Gala von Borussia Dortmund gegen Eintracht Frankfurt, mit seinem nicht minder überragenden "Zulieferer" Mario Götze bildet er für die berauschten Fans das neue Traumpaar.

"Ich freue mich über meine Tore, aber noch mehr über den Sieg. Er war sehr wichtig. Den Ball wollte ich unbedingt - als Erinnerung", berichtete Reus nach seinen Saisontoren neun bis elf (8., 10. und 64.). Zweimal hatte Götze maßgerecht aufgelegt und damit das blinde Verständnis mit seinem Kumpel eindrucksvoll demonstriert. "Es macht einfach Spaß, mit ihm zusammen zu spielen. Wie abgezockt er das macht, das ist richtig gut", sagte Götze.

Trainer Jürgen Klopp konnte sich an den Zeitlupen der Tore gar nicht sattsehen. "Das erste war überragend, das zweite sensationell und das dritte großartig", schwärmte der 45-Jährige. Spielfreude, Raffinesse und Entschlossenheit seiner Musterschüler begeisterten auch die 80.500 Zuschauer.

Wie wichtig das Duo für den BVB ist, der mit dem Dreier im Verfolgerduell seinen Tabellenplatz zwei verteidigte, bestätigt die Statistik. Reus erzielte in den Pflichtspielen der laufenden Saison bereits zum elften Mal das wichtige 1:0 und bislang 15 Treffer. Sein Freund Götze war in den letzten 14 Begegnungen an 18 Toren beteiligt und dazu selbst insgesamt zehnmal erfolgreich.

Doch noch wichtiger war Klopp die Erkenntnis, dass sich seine Mannschaft drei Tage nach dem kraftraubenden Auftritt in der UEFA Champions League bei Schachtjor Donetsk (2:2) für die 1:4-Heimpleite am Samstag zuvor gegen den Hamburger SV rehabilitiert hat. Auch die alte Stabilität in der Abwehr ist wieder da. "Gegen den HSV haben wir auch mit Leidenschaft gespielt, doch heute waren wir taktisch dramatisch besser", sagte Klopp.

Den Unterschied machten vor allem Reus und Götze. "Was die beiden Jungs am Ball können, da muss man auch als Trainer des Gegners zugeben: Es hat Spaß gemacht zuzuschauen", sagte Eintracht-Coach Armin Veh, dessen Mannschaft mit der Schnelligkeit und Dynamik des BVB-Spiels völlig überfordert gewesen war. "Mit den beiden schnellen Toren haben sie uns den Zahn gezogen", erklärte der Ex-Profi. "Gegen solch eine Klassemannschaft verliert man auch, wenn die nur mit zehn Mann spielt."

Denn bei den Dortmundern gab es trotz aller Begeisterung und Lobeshymnen einen Verlierer: Julian Schieber. Der Ex-Stuttgarter stand als Vertreter des rotgesperrten Robert Lewandowski zum zweiten Mal in der Anfangself - für 31 Minuten, dann sah er wegen wiederholten Foulspiels Gelb-Rot. "Das war wieder eine Kann-Entscheidung gegen uns. Das ist hart für den Jungen", sagte Klopp und haderte mit Schiedsrichter Felix Brych (München), der den dritten Platzverweis des BVB in den letzten vier Heimspielen besiegelt hatte.

Zuvor hatten Marcel Schmelzer (2:3 gegen Wolfsburg) und Lewandowski (1:4 gegen Hamburg) ebenfalls nach etwa einer halben Stunde Rot gesehen - beide Spiele gingen verloren. Besonders die zweite Gelbe Karte nach einem angeblichen Ellbogenschlag von Schieber beim Kopfball-Duell kritisierte Klopp: "Das war eine typische Sprung- und Schwungbewegung. Wir sollten damit entspannter umgehen. So springt der Mensch nun mal, und man sollte nicht immer davon ausgehen, dass er dem anderen wehtun will. Aber es ist für den Schiedsrichter schwer zu sehen."

Fest steht: Klopp hat nun ein Stürmerproblem. Doch der BVB-Coach sieht keinen Grund zur Panik angesichts der bestechenden Form seines Traumduos. Für Reus steht am kommenden Sonntag das Wiedersehen mit den alten Teamkollegen in Mönchengladbach auf dem Programm.