Rückrundenstart: Bayern mit breiter Brust - Bundesliga boomt weltweit
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Die Fans in 200 von insgesamt 209 FIFA-Mitgliedsländern schauen zu, wenn die Bundesliga in ihrer 50. Saison in die Rückrunde startet. Im Fokus der ersten TV-Liveübertragung des Jahres steht die Partie am Freitag zwischen Schalke 04 und Hannover 96. Das Interesse an der deutschen Eliteklasse unterstreicht ihre Entwicklung. "Die Bundesliga steht glänzend da. Sie hat eine große Akzeptanz und braucht sich vor keiner Liga in der Welt zu verstecken", bestätigte Liga-Boss Reinhard Rauball voller Vorfreude.

In Personalunion zugleich Präsident von Titelverteidiger Borussia Dortmund, prophezeit der 66-Jährige trotz des Neun-Punkte-Vorsprungs von Bayern München auf den Tabellenzweiten Bayer Leverkusen spannende 17 Spieltage. Denn auf den Plätzen hinter dem Rekordmeister herrsche "großes Gedränge", zudem sei im Kampf "um die Fleischtöpfe viel Konkurrenz da", ergänzte Rauball und blickte ans Tabellenende. "Wer glaubt, dass er vor dem Abstieg sicher ist, sollte sich die Historie der Liga angucken. Da ist überhaupt noch nichts entschieden."

Zumindest an der Spitze spricht die Statistik für die Bayern. In bislang 32 von 49 Spielzeiten konnte der Herbstmeister am Ende auch die "Salatschüssel" in seine Vitrine stellen. Nur die Bayern selbst trauen dem Braten offenbar noch nicht. "Wir haben noch nichts gewonnen", warnte Nationalspieler Bastian Schweinsteiger." Besonders Sportvorstand Matthias Sammer lässt keine Gelegenheit aus, die Euphoriebremse zu treten. "Wir müssen zu dem, was wir in der ersten Halbserie gespielt haben, in aller Konsequenz zurückkehren. Das muss die Orientierung sein", so der Ex-Nationalspieler.

Wenn die Bayern am Samstag (15:30 Uhr) gegen Neuling SpVgg Greuther Fürth in die Rückrunde starten, dürfen sich die blamablen Geschichten der letzten beiden titellosen Jahre unter keinen Umständen wiederholen.

Zur Erinnerung: Nach der Rückrunde der letzten Spielzeit wurden sie mit drei Punkten Vorsprung vor dem BVB Herbstmeister, beendete die Saison jedoch mit acht Zählern hinter den Dortmundern. Diesmal fühlen sich die Bayern mental gewappnet und wollen sich auch durch die Diskussionen um die Zukunft von Trainer Jupp Heynckes und dessen möglichen Nachfolger Pep Guardiola nicht von ihrem Weg abbringen lassen.

"Zwölf Punkte sind sehr viel. Leverkusen ist näher dran. Wir sind, realistisch betrachtet, nicht einmal mehr Jäger, sondern Beobachter", meinte BVB-Chef Hans-Joachim Watzke, der am vergangenen Freitag den wohl spektakulärsten Transfer der 34-tägigen Bundesliga-Winterpause präsentierte. Mit Heimkehrer Nuri Sahin von Real Madrid (zuletzt ausgeliehen an den FC Liverpool) wollen die Borussen zumindest Platz zwei sichern - und in der UEFA Champions League weiter für Furore sorgen.

Das möchte auch Revier-Nachbar Schalke 04. Auf Platz sieben abgestürzt, kämpfen die Königsblauen mit Jens Keller als Nachfolger von Trainer Huub Stevens derzeit ausschließlich um einen Ausweg aus der Krise. Der Rückrunden-Auftakt gegen Hannover dürfte richtungweisend sein - für S04 und für Keller.

Einen Neustart und Neuaufbau versucht der VfL Wolfsburg mit Sportdirektor Klaus Allofs und dem neuen Trainer Dieter Hecking. Sieben Punkte trennen den Tabellen-15. aus Niedersachsen von den ursprünglich anvisierten Europacup-Rängen. Sieben Zähler Abstand beträgt hingegen der Abstand des Tabellen-Nachbarn 1899 Hoffenheim (16.) zum rettenden Ufer. Der neue Trainer Marco Kurz als Nachfolger von Markus Babbel soll den müden Kraichgauern im Abstiegskampf Beine machen. Als neues Trainergespann beim 1. FC Nürnberg nach dem Wechsel von Hecking nach Wolfsburg amtieren Michael Wiesinger und Armin Reutershahn.

Mit den schlechtesten Karten starten Aufsteiger und Schlusslicht SpVgg Greuther Fürth und FC Augsburg (beide 9 Punkte) mit Ex-Nationalspieler Stefan Reuter als neuem Sportdirektor das Unternehmen Klassenerhalt. Dennoch ist DFL-Chef Christian Seifert überzeugt: "Ich denke, dass die Rückrunde national noch mehr Überraschungen birgt, als es nach der Hinrunde den Anschein hatte. Ich bin gespannt."

International bleibt die Bundesliga weiter auf dem Vormarsch, nicht nur als Profiliga mit dem weltweit zweithöchsten Zuschauerschnitt hinter der NFL (National Football League) in den USA. "Gerade die Leistungen in der Champions League haben auch im Ausland großes Medieninteresse erregt", sagte Rauball mit dem Hinweis auf weiterhin sieben Bundesligisten in den beiden europäischen Klub-Wettbewerben, womit sich für die DFL weitere exzellente Vermarktungschancen eröffnen.