Nürnberg sucht den Hecking-Nachfolger
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Der erste Schock hatte sich schon gelegt, als Martin Bader nach Norddeutschland fuhr. Vom Abschied seines Erfolgstrainers Dieter Hecking wollte sich der Sportdirektor des 1. FC Nürnberg keinesfalls das Weihnachtsfest verderben lassen, und so machte er sich auf, mit seiner Tochter zu feiern. Doch: Nicht nur beim Club ist in diesem Jahr vieles anders. "Alle Verwandten bekommen nur Gutscheine", sagte Bader im SID-Interview am Sonntag, "sagen wir mal so: Es hat sich sehr viel Arbeit aufgestaut."

Wenn er sonst vielleicht Parfums und Bücher kaufte, muss der 44-Jährige diesmal Last-Minute-Shopping der besonderen Art betreiben. Ein neuer Trainer wird gesucht, nachdem er seinen überraschend an den VfL Wolfsburg verloren hat, einen Konkurrenten im Abstiegskampf der Bundesliga. Mühsam verkniff sich Martin Bader Kritik am Gebaren der Wolfsburger, die gerade erst Geschäftsführer Klaus Allofs bei Werder Bremen abgeworben hatten. "Wir werden keine moralische Keule schwingen. Man lernt im Fussball nie aus", sagt Bader.

Die Stilfrage stellt sich automatisch, wenn der Tabellen-15. in der Winterpause den Trainer des Tabellen-14. aus einem laufenden Vertrag kauft. Bader beantwortete sie zwischen den Zeilen und halbwegs beherrscht. "Ich bin froh, dass wir schon 20 Punkte haben und eine intakte Mannschaft. Ich hätte mir gewünscht, dass wir das ein bisschen eleganter hinkriegen", betonte er. Dieter Hecking "auch emotional zu packen", sei ihm in den vergangenen Tagen das größte Anliegen gewesen. Auch eine Vertragsverlängerung mit Gehaltserhöhung bot er an, "aber ich habe schnell gemerkt, dass das keinen Sinn hat".

Bis zum Trainingsstart am 3. Januar will Bader seinen neuen Mann präsentieren, zwei Tage später geht es ins Trainingslager nach Mijas in Spanien. Gut möglich, dass Michael Wiesinger dann bereits vom U-23-Trainer zum Chef befördert ist. Nicht nur Martin Bader lobte die Qualitäten des ehemaligen FCN-Profis ausführlich - Wiesinger tat es auch gleich selbst. "Ich würde es mir zutrauen", sagte Wiesinger dem TV-Sender Sky Sport News HD, "ich kenne den Club in- und auswendig."

Bader, der sich jetzt so richtig beweisen muss als starker Mann der Nürnberger, wand sich dagegen und hielt sich alle Türen offen. "Wir wären schlechte Verantwortliche, wenn wir uns keine Gedanken machen würden. Aber das ist noch nicht abgeschlossen", sagte er Sport1. Wiesinger sei zumindest "eine sehr gute Alternative, sonst würde er nicht bei uns im Verein arbeiten".

Allerdings ließ der Sportdirektor durchblicken, wie sehr auch ihn der schnelle Abschied Heckings überrascht hat. "Er ist seit Samstag nicht mehr Trainer des 1. FC Nürnberg, ich muss das alles erst mal sacken lassen."

Doch dafür ist kaum Zeit. Bader, der erst am Donnerstag von der Kontaktaufnahme seitens Allofs erfahren hat, blickt deswegen auch einigermaßen ungern zurück. Er bezeichnete den Zeitpunkt des Wechsels als "nicht glücklich", ja, er sei doch ziemlich enttäuscht, "aber nicht verbittert". Hecking habe "es nicht so gesehen, dass es etwas Besonderes ist, für den Club zu arbeiten".

Im manchmal so pessimistisch eingestellten Frankenland wurde die solide Arbeit des Duos hoch geschätzt, stets zuversichtlich zeigten sich Hecking und Bader, auch wenn mal wieder ein Leistungsträger verkauft werden musste. Ilkay Gündogan, Philipp Wollscheid, Julian Schieber, Mehmet Ekici, auch Daniel Didavi - alle zog es früher oder später zur finanziell besser gepolsterten Konkurrenz.

Und jetzt ist auch der Trainer weg. Laut Bild-Zeitung zahlt Wolfsburg 750.000 Euro, damit kommt man nicht weit, auch wenn Martin Bader versichert, "der Wert Heckings für den 1. FC Nürnberg" spiegele sich gut in dieser Summe. Dennoch wird der kommende Trainer des Clubs wohl keine Ausstiegsklausel mehr erhalten.