Alessandrini auf den Spuren Ribérys
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Nachdem Stade Rennes vergangene Woche den Einzug ins Endspiel des französischen Ligapokals perfekt gemacht und sich am Sonntag in der Meisterschaft in Bastia durchgesetzt hat, empfängt der Tabellenfünfte der französischen Ligue 1 mit einer Mischung aus Vorfreude und Respekt an diesem Sonntag den Tabellendritten Olympique Marseille. Unabhängig vom Spielausgang fiebert kaum jemand dieser Begegnung am 22. Spieltag so entgegen wie Romain Alessandrini.

Für den Spieler aus Rennes hat die Begegnung gegen die Stadt, in der er geboren wurde und zahlreiche Nachwuchsmannschaften durchlief, zwangsläufig eine besondere und bis dato beispiellose Bedeutung, da der 23-jährige Mittelfeldakteur, der seit Monaten förmlich aufblüht, erst in der laufenden Saison sein Debüt in der höchsten französischen Spielklasse feierte.

"Ich wünsche mir, ein besseres Spiel zu zeigen als in der Hinrunde, als ich meine ersten Begegnungen in der Startelf bestritt", so Alessandrini gegenüber FIFA.com in Bezug auf die 1:3-Niederlage in Marseille vom vergangenen 2. September. "Es war trotzdem ein besonderes Erlebnis für mich, den Rasen des Stade Vélodrome zu betreten, da ich als kleiner Junge damals alle Spiele verfolgt habe", fährt er fort.

Die Rückkehr zu den eigenen Wurzeln verlief umso emotionaler, da der Spieler bis dahin eine lange Reise hinter sich hatte. Seine Profikarriere begann 2008 in der dritten französischen Liga beim FC Gueugnon. Nach einer Verletzung, die ihn fast eine gesamte Saison lang außer Gefecht setzte, heuerte er für zwei Jahre bei Clermont Foot in der zweiten Liga an. Dort nahm der steile Aufstieg Alessandrinis, der zwei Mal in die beste Mannschaft der Saison gewählt wurde, seinen Lauf: "Das hat mir viel Selbstvertrauen gegeben. Es ist immer schön, wenn die eigene Arbeit anerkannt wird, und ich war sehr stolz, dazuzugehören."

Diese Anerkennung war das ideale Sprungbrett für die französische Eliteliga. Nach seinem Wechsel im vergangenen Sommer in die Bretagne benötigte Alessandrini nur eine kurze Anlaufzeit, um sich einen Stammplatz zu erkämpfen: "Ich war entschlossen, allen zu zeigen, was ich auf dem Platz draufhabe. Nach meinem ersten Jahr in Clermont-Ferrand hätte ich bereits in die erste Liga wechseln können. Ich denke aber, dass ich nicht die gleiche Leistung abgerufen hätte, wenn ich diesen Schritt schon damals gemacht hätte. Dieses zweite Jahr in der zweiten Liga hat mir sehr gut getan. Ich denke, dass das auch dazu beigetragen hat, dass ich diese Saison freier aufgespielt habe."

Der stets unberechenbare und frech aufspielende Linksfuß führt derzeit zusammen mit Julien Féret mit acht Toren die vereinsinterne Torjägerliste an und konnte sich sogar den Luxus erlauben, einige wirklich sehenswerte Treffer zu erzielen, wie den fulminanten Rechtsschuss in der Begegnung gegen OSC Lille, die direkte Volleyabnahme gegen AS Nancy oder den Führungstreffer gegen Paris Saint-Germain beim historischen Sieg der Bretonen im Prinzenpark am 17. November.

Auch wenn sich Alessandrini inzwischen unter seinem Trainer Frédéric Antonetti an die Disziplin der ersten Liga gewöhnt hat, wartet er doch immer wieder mit Überraschungsmomenten auf: "Meine Spontaneität war schon immer eine meiner größten Stärken. Der Trainer hat mir viel über das Stellungsspiel beigebracht und ich spüre, dass ich hier zunehmend Fortschritte mache. Ich versuche dennoch meine Spielweise beizubehalten und auf den letzten 30 Metern - mal mit mehr, mal mit etwas weniger Erfolg - meine Stärken auszuspielen. Momentan läuft das ja ganz gut… (lacht).

Die Tatsache, dass sich seine Torquote nach dem Wechsel in die erste Liga deutlich verbessert hat, führt er auch auf seine Kameraden im Angriff zurück: "Wenn man mit Julien Féré, Mevlüt Erding oder Jonathan Pitroipa zusammenspielt, ergeben sich zwangsläufig mehr Chancen."

Seine Mitspieler profitieren aber gleichermaßen von der Laufbereitschaft des neuen Akteurs, da seine überzeugenden Auftritte stets von einem gewaltigen Kraftaufwand begleitet werden: "Das ist halt meine Spielweise: permanentes Pressing, hohes Laufpensum und auch im Training 200 Prozent geben. Ich lasse mich nie hängen. Und genau das macht mich als Spieler aus. Ohne diese Eigenschaften wäre ich nur ein durchschnittlicher Spieler. Ich brauche diese Energie, um der Mannschaft zu helfen."

Diese Großzügigkeit auf dem Platz, die offensiven Eingebungen und der kometenhafte Aufstieg in der Eliteliga erinnern zwangläufig an zwei französische Auswahlspieler, die auf der gleichen Position wie Alessandrini zuhause sind: Franck Ribéry und Mathieu Valbuena.

Auch Alessandrini ist sich dieser Ähnlichkeit bewusst: "Das sind zwei Spieler, die ich genau verfolge, da beide genauso wie ich aus der dritten Liga gekommen sind. Folglich schaue ich mir an, was sie in meinem Alter geleistet haben und versuche, mich inspirieren zu lassen, denn das sind wirklich zwei großartige Akteure. Sie haben bewiesen, dass im Fussball alles möglich ist, und ihr Beispiel spornt mich an, alles zu geben, um am Ende nichts bedauern zu müssen."