"Wie ein verwundetes Tier": Titelverteidiger Chelsea vor dem Aus
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Vereinzelt und ganz leise hallte der Name des Heilsbringers bereits in den vergangenen Wochen durch die altehrwürdige Stamford Bridge. Nach dem Absturz in der Liga droht dem FC Chelsea in der UEFA Champions League am Mittwoch ein historisches Debakel. Sollte der Klub am Mittwoch als erster Titelverteidiger in der Gruppenphase der Königsklasse des Fussballs scheitern, dürften die Rufe nach einer Rückkehr von Startrainer José Mourinho lauter denn je werden.

Das britische Massenblatt Sun kann sich nicht daran erinnern, Chelsea jemals so schlecht gesehen zu haben wie in den trüben Tagen des Herbstes 2012. "Die Mannschaft ist nicht das gewöhnliche Chelsea der letzten Jahre. Das Team gleicht einem verwundeten Tier, und alle Gegner werden in den nächsten Monaten Blut riechen", heißt es vor dem letzten Gruppenspiel gegen die dänischen Nobodys vom FC Nordsjaelland. Die Chancen auf das Achtelfinale sind eher theoretischer Natur. Nur mit drei Punkten gegen die Dänen und einem gleichzeitigen Sieg der bereits für die nächste Runde qualifizierten Ukrainer von Schachtjor Donezk gegen Juventus Turin ist ein Weiterkommen möglich.

Keine Führungsspieler, kein Glaube an die eigene Stärke und kein Charakter: Nach dem peinlichen 1:3 am vergangenen Wochenende beim Aufsteiger West Ham United rechnete Interimstrainer Rafael Benítez schonungslos mit seiner Mannschaft ab und sprach den Millionären so ziemlich alles ab, was ein erfolgreiches Team ausmacht. "Das Chelsea von José Mourinho hatte eine Menge Charakter, aber jetzt ist eine andere Zeit", sagte Benítez konsterniert.

Obwohl er seine hochbezahlten Stars mit der furiosen Abrechnung in erster Linie aufrütteln wollte, sprach der erst vor zwei Wochen als Feuerwehrmann verpflichtete Spanier aus, was in London hinter vorgehaltener Hand schon länger getuschelt wird. Der Klub sehnt sich nach einem charismatischen Anführer, nach einem wie dem Portugiesen Mourinho, der in Madrid kurz vor dem Rauswurf steht.

"The Special One", der bereits zwischen 2004 und 2007 bei den Blues unter Vertrag stand, genießt in der englischen Hauptstadt einen Kultstatus. Mit sechs Titeln in drei Jahren ging er als erfolgreichster Trainer in die Klubgeschichte ein. In seiner Premierensaison führte Mourinho die Londoner mit einer Rekordpunktzahl nach 50 Jahren wieder zur Meisterschaft und wiederholte diesen Erfolg in der folgenden Spielzeit.

Ein halbes Jahr ist es gerade einmal her, da schwebten die Blues noch im siebten Himmel - ganz ohne Mourinho. Nach dem Champions-League-Triumph von München waren sie angekommen im Fussball-Olymp, wähnten sich unter dem beförderten Interimstrainer Roberto Di Matteo unschlagbar.

Doch als die Erfolge nach einem passablen Saisonstart zuletzt ausblieben, senkte der russische Milliardär und Chelsea-Eigner Roman Abramowitsch vor zwei Wochen mal wieder den Daumen, er feuerte Di Matteo - den achten Trainer seit seiner Übernahme des Klubs im Jahr 2003. Nach dem Rauswurf des Italo-Schweizers dauerte es nur wenige Stunden, bis Benítez, der 2005 mit dem FC Liverpool die Champions League gewonnen hatte, als Nachfolger feststand.

Doch auch die Arbeit von Abramowitschs Trainer Nummer neun steht unter keinem guten Stern. In drei Spielen holte Benítez bisher nur zwei Zähler. Die Meisterschaft dürfte angesichts von zehn Punkten Rückstand auf Spitzenreiter Manchester United nach 15 Spieltagen kaum zu realisieren sein.

Seine ersten drei Punkte als Teammanager der Blauen fuhr Benítez dann aber doch noch ein: Die Polizei stoppte ihn am Sonntagabend, als er mit 139 Meilen pro Stunde auf der Autobahn unterwegs war.