Chinas Trainer sieht rosige Zukunft
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Für Lu Yiliang könnte es keinen besseren Ort geben, China VR zur Goldmedaille beim Olympischen Juniorinnen-Fussballturnier 2014 geführt zu haben, als das vertraute Wutaishan Stadium von Nanjing. Dort hat der heute 43-Jährige einst zehn Jahre seiner aktiven Karriere als Mittelfeldspieler von Jiangsu Sainty verbracht. Nun ist es auch die Stätte seines ersten FIFA-Titels als Trainer der U-15-Auswahl seines Landes.

Unter Lius Ägide räumte die Mannschaft der Chinesinnen alle Gegner aus dem Weg. Auf zwei Siege in der Gruppenphase folgte im Halbfinale ein Erfolg im Elfmeterschießen über die Slowakei. Im mit großer Spannung erwarteten Endspiel gegen das hoch gehandelte Venezuela verblüfften die jungen Steel Roses dann mit einem deutlichen 5:0 gegen die Favoritinnen auf die Goldmedaille. Obendrein blieb es damit bei einer hundertprozentigen Siegesbilanz.

"Zwei Jahre hartes Training waren also nicht umsonst", erklärte der chinesische Cheftrainer im Gespräch mit FIFA.com nach der Medaillenverleihung. Seine sonst so ruhige Stimme verriet dabei mehr als nur den Anflug von Gefühlen. "Auch die Anstrengungen der Spielerinnen haben sich ausgezahlt. Dies ist ein erfreuliches Ergebnis."

Der Beginn von etwas ganz Großem
Lu Yiliang hatte die U-15 seines Landes übernommen, als der chinesische Frauenfussball gerade eine Talsohle durchschritt. Zum ersten Mal überhaupt hatten die Steel Roses die Qualifikation für eine FIFA Frauen-Weltmeisterschaft und das Olympische Fussballturnier der Frauen verpasst. Bei der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft und der FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft 2010 waren die Nachwuchsmannschaften ohne Tor geblieben.

Aus der ersten von Liu trainierten Mannschaft schafften sogleich mehrere Spielerinnen den Sprung in die U-17-Auswahl und hatten maßgeblichen Anteil an der Qualifikation für die FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft in Costa Rica im April dieses Jahres. Seitdem hat Liu längst wieder eine hoch veranlagte U-15 geformt – seine zweite in zwei Jahren auf dem Trainerposten. Nun gelang ihm mit der Mannschaft der Sprung ganz nach oben aufs Treppchen bei den Olympischen Jugendspielen. 

Wenn er an die Anfänge dieser Mannschaft zurückdenkt, wallen Gefühle in dem chinesischen Trainer auf. "An meinem ersten Arbeitstag habe ich den Spielerinnen gesagt, dass sie Ehrgeiz haben müssen", verrät Liu. "Ich habe zu ihnen gesagt: 'Wenn Ihr Fussball spielt, dann sollte der Weltmeistertitel Euer Ziel sein. Wenn Ihr Euch nicht solche Ziele setzt und nicht das entsprechende Selbstvertrauen habt, braucht ihr Euch keine Hoffnungen zu machen, Top-Spielerinnen zu werden, auch wenn Ihr eigentlich das Talent und die Technik dazu habt.'"

Doch im Gegensatz zu anderen Trainern, die ausschließlich auf das Einüben von Technik und Taktik setzen, legt Lu viel Wert auf die Stärkung des Charakters seiner Schützlinge. "Meine Trainingsphilosophie ist: Wer gut spielen will, muss zuerst lernen, ein guter Mensch zu sein", erläutert er. "Eine gute Spielerin muss in erster Linie ein guter Mensch sein. Entsprechend haben wir eine großartige Stimmung im Kader. Alle trainieren hart und helfen sich gegenseitig. Das ist für das Team enorm wichtig."

Fortschritte bei Spielerinnen und Trainer
Lu Yiliangs erster Gedanke nach dem Finalsieg gegen Venezuela galt seinen Spielerinnen, denen er dankte. "Ich weiß ihren Einsatz zu schätzen. In meinen zwei Jahren als Trainer dieser Mannschaft haben nicht nur die Spielerinnen große Fortschritte gemacht, auch ich habe viel gelernt. Ich bin den Spielerinnen dankbar, dass ich [als Trainer] so viel lernen durfte. Die Mannschaft hat ihre eigene Spielweise und ihr eigenes Spielsystem entwickelt. Durch internationale Wettbewerbe wie die Olympischen Jugendspiele wurde beides eingeübt und verfeinert. Die Spielerinnen haben eine große Zukunft vor sich."

Es versteht sich von selbst, dass die Gold-Mannschaft von Nanjing das Gerüst des Kaders stellen soll, wenn China im kommenden Jahr die AFC U-16-Meisterschaft im Frauenfussball in Angriff nimmt. "Wenn wir diese Entwicklung beibehalten können, sollten sie [die Spielerinnen] so weit sein, China bei einem U-16-Turnier vertreten zu können", glaubt Lu. "Aber ich habe sie gewarnt: Der heutige Triumph ist erst der Anfang. Der Weg zur Weltspitze ist noch immer sehr lang."

Zwar weiß Lu Yiliang nicht, was die Zukunft nach dem Olympia-Triumph für ihn und seine Spielerinnen bereithält, aber er fühlt sich dem Frauenfussball verbunden. "In den vergangenen Jahren habe ich nicht nur eine Beziehung zu den Spielerinnen aufgebaut und Erfahrungen als Trainer gesammelt, sondern auch das Vertrauen in meine Arbeit als Frauenfussball-Trainer ist gewachsen", so der chinesische Trainer, der jedoch beileibe nicht der Einzige ist, der stärker geworden ist. "Ich habe das untrügliche Gefühl, dass auf meine Spielerinnen und den chinesischen Frauenfussball Großes wartet!", zeigt sich Lu überzeugt.