China bejubelt Sieg im eigenen Land
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Nach 13 Tagen und elf hart umkämpften Spielen ist das Olympische Juniorinnen-Fussballturnier Nanjing 2014 zu Ende gegangen, womit die Positionen der sechs teilnehmenden Mannschaften nun feststehen. Nach dem Sieg der Chileninnen beim ersten Olympischen Juniorinnen-Fussballturnier vor vier Jahren in Singapur feierte China VR im Endspiel der Auflage 2014 einen Sieg über Venezuela und beendete somit die Hoffnung der Vinotinto auf einen zweiten südamerikanischen Triumph in Folge.

Denkwürdige Momente
Historischer Erfolg
Gastgeber China VR feierte im Endspiel einen ungefährdeten 5:0-Kantersieg über Venezuela. Die von Lu Yiliang trainierten jungen Steel Roses deklassierten die Elf von Kenneth Zseremeta, die vor dem Turnier als großer Favorit gehandelt worden war. Im Kader hatten nämlich nicht weniger als sechs Spielerinnen gestanden, die im April dieses Jahres bei der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft Costa Rica zum Einsatz gekommen waren. Was als ausgeglichene Partie angekündigt worden war, entpuppte sich als einseitige Angelegenheit, die mit einem historischen Sieg der Gastgeberinnen endete, die ihr bestes Ergebnis bei der Endrunde eines FIFA-Turniers verzeichneten. Obwohl es am Ende für die Venezolanerinnen nur für die Silbermedaille reichte, konnten auch die Südamerikanerinnen ihre beste Platzierung bei der Endrunde eines FIFA-Turniers erreichen.

Nachdem Trinidad und Tobago in Singapur den fünften Platz belegt hatte, konnte der diesjährige CONCACAF-Vertreter Mexiko diesen Erfolg in Nanjing übertrumpfen und sich dank eines 3:1-Erfolgs über die Slowakei die Bronzemedaille sichern. Daniela García erzielte in letzter Minute noch ein Kopfballtor. Unter der Leitung der ehemaligen Tricolores-Abwehrspielerin Monica Vergara hatten die talentierten und technisch beschlagenen Mexikanerinnen im Halbfinale ein 1:1-Unentschieden gegen Turnierfavorit Venezuela erreicht und sich erst im Elfmeterschießen geschlagen geben müssen.

Beeindruckende Heldentaten
Obwohl Papua-Neuguinea eine Medaille verpasste, konnten sich die Ozeanierinnen bei ihrem zweiten Olympischen Juniorinnen-Fussballturnier dennoch verbessern. Nachdem sie vor vier Jahren in Singapur mit drei Niederlagen und ohne Torerfolg sang- und klanglos ausgeschieden waren, starteten die Insulanerinnen diesmal mit elf Gegentreffern in zwei Gruppenspielen ähnlich schwach in das Turnier, konnten sich jedoch mit einer guten Leistung beim 3:2-Sieg über Namibia im Spiel um Platz fünf rehabilitieren. Die Afrikanerinnen, die selbst zwei wunderschöne Tore erzielten, ließen sich von dieser dritten Niederlage in Folge jedoch nicht entmutigen. Ebenfalls erwähnenswert ist die Slowakei, die sich bei ihrer erstmaligen Teilnahme an einem FIFA-Frauenturnier von ihrer besten Seite zeigte. Die Europäerinnen gewannen ein Spiel und erreichten gegen China ein Unentschieden, ehe sie sich schließlich im Elfmeterschießen geschlagen geben mussten.

Tapfere Torhüterinnen
Fussball ist der Sport der Tapferen, und dies war beim Olympischen Juniorinnen-Turnier auch anhand der mutigen Leistungen von drei Torhüterinnen zu sehen. Beim Aufwärmen vor dem zweiten Gruppenspiel von Papua-Neuguinea gegen die Slowakei verletzte sich die Kurakum-Torhüterin Eileen Daviaga am Mittelfinger, biss jedoch die Zähne zusammen und absolvierte die gesamten 80 Minuten. In der zweiten Halbzeit des hart umkämpften Halbfinals erlitt die venezolanische Torhüterin Nayluisa Cáceres bei einem Zusammenstoß mit einer mexikanischen Spielerin eine Knöchelverletzung. Trotz Schmerzen spielte die tapfere Nachwuchsspielerin nicht nur bis zum Ende weiter, sondern verwandelte auch den entscheidenden Strafstoß im anschließenden Elfmeterschießen. Als nicht minder furchtlos erwies sich die chinesische Torhüterin Zheng Jie, die zwar erst wenige Augenblicke vor dem Elfmeterschießen gegen die Slowakei eingewechselt wurde, sich jedoch sogleich mit zwei gehaltenen Versuchen auszeichnen konnte und ihre Mannschaft somit ins Endspiel brachte.

Tore am Fließband
Im von attraktivem Angriffsfussball geprägten Endspiel standen jedoch nicht die Torhüterinnen, sondern die Offensivreihen im Rampenlicht. Die Gewinnerin des Goldenen Schuhs bei der diesjährigen FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft, die venezolanische Stürmerin Deyna Castellanos, traf in den ersten beiden Partien in Nanjing nicht weniger als sieben Mal und legte damit den Grundstein für ihre zweite Torjägerkrone bei einem FIFA-Turnier. Unterdessen stellte China mit dem 10:0-Kantersieg über Namibia einen neuen Turnierrekord für den höchsten Sieg auf. Stürmerin Ma Xiaolan eroberte mit fünf Treffern den zweiten Platz in der Torschützenliste, unmittelbar vor der slowakischen Spielführerin Martina Surnovska, die über vier Tore jubeln konnte. Daniela García spielte im mexikanischen Dress ebenfalls groß auf und hatte mit drei Treffern und vier Torvorlagen maßgeblichen Anteil am Erfolg der Tricolores.

Stars und Überraschungen
Beim Olympischen Juniorinnen-Fussballturnier in Nanjing waren acht Teilnehmerinnen der diesjährigen U-17-Frauen-Weltmeisterschaft in Costa Rica im Einsatz, deren WM-Erfahrung von grundlegender Bedeutung für ihre Mannschaften war. Vinotinto-Stürmerin Castellanos konnte sich im Wutaishan Stadium in Nanjing am meisten ins Rampenlicht spielen, während die mexikanische Spielführerin Montserrat Hernández und ihre Mitspielerin Kimberly Rodríguez ebenfalls einen wichtigen Beitrag zum Gewinn der Bronzemedaille leisteten. Die chinesische Spielführerin Zhao Yujie und die Flügelspielerin Jin Kun konnten sich mit Fortdauer des Turniers immer mehr steigern und könnten in Zukunft wichtige Spielerinnen der A-Nationalmannschaft ihres Landes sein.

Nicht weniger beeindruckend war die slowakische offensive Mittelfeldspielerin Martina Surnovska, die ihr enormes Potenzial mit großartigen Leistungen untermauerte. Die klein gewachsene Stürmerin Bellinda Giada von Papua-Neuguinea erzielte trotz ihrer 1,55 Meter einen Doppelpack gegen Namibia und ist auf dem besten Weg, ein zukünftiger Star des ozeanischen Fussballs zu werden.

Zitat
"Wir waren zuversichtlich, den Gegner im Endspiel besiegen zu können, doch ich hätte nicht gedacht, dass es so einfach werden würde. Wir sind engagiert in das Spiel gegangen und haben es von der ersten bis zur letzten Minute kontrolliert. Im Laufe der Vorbereitungen und des Turniers haben wir unsere eigene Spielweise entwickelt, und diese Spielerinnen haben sehr viel Potenzial. Die nächste Herausforderung ist nun die Qualifikation für die FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft, und ich hoffe, dass wir uns weiterhin so gut entwickeln werden."
Liu Yiliang (Trainer, China VR)

Teilnehmer:
China VR, Mexiko, Namibia, Papua-Neuguinea, Slowakei, Venezuela

Die Abschlusstabelle:
1. China VR
2. Venezuela
3. Mexiko
4. Slowakei
5. Papua-Neuguinea
6. Namibia

Stadien und Spielorte:
Wutaishan Stadium (Nanjing), Jiangning Sports Centre Stadium (Nanjing)

Tore insgesamt:
56 (Durchschnitt pro Spiel: 5,09)

Beste Torschützinnen:
1. Deyna Castellanos (VEN) – 7 Tore und 1 Vorlage
2. Ma Xiaolan (CHN) – 5 Tore und 1 Vorlage
3. Martina Surnovska (SVK) – 4 Tore, keine Vorlage

FIFA Fairplay-Preis:
Mexiko

Zuschauerzahl:
67.190 (Durchschnitt pro Spiel: 6108)