Zwei Torhüterinnen werden zu Heldinnen
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Beim Olympischen Juniorinnen-Fussballturnier Nanjing 2014 gab es ein Novum: Beide Halbfinalspiele wurden erst im Elfmeterschießen entschieden. Dabei waren in erster Linie die Torhüterinnen für das Schicksal ihrer Teams verantwortlich. Die venezolanische Keeperin Nayluisa Caceres zeichnete sich durch Tapferkeit und Coolness aus, indem sie gegen Mexiko nicht nur trotz einer Verletzung herausragend spielte, sondern am Ende sogar den entscheidenden Elfmeter selbst verwandelte.

Auf Seiten von Gastgeber China VR wurde Reservetorhüterin Zheng Jie zur Heldin. Nach ihrer Einwechslung kurz vor dem Elfmeterschießen hielt sie zwei Schüsse der Slowakinnen und ebnete ihrem Team somit ebenfalls den Weg ins Finale.

Topleistung trotz Schmerzen
Venezuela hatte die Gruppenphase ohne große Probleme gemeistert, doch im Halbfinale gegen Mexiko wurde es dann deutlich schwerer. Die Südamerikanerinnen gingen zwar bereits nach zwei Minuten in Führung, als Stürmerin Argelis Campos einen Fehler der mexikanischen Defensive nutzen konnte, doch Mittelfeldspielerin Dayana Cazares erzielte schon sechs Minuten später den Ausgleich für die Tricolores. Danach hielten sich beide Teams über weite Strecken gegenseitig in Schach. Die Mexikanerinnen konnten zwei gute Chancen nicht nutzen, während Venezuelas Toptorjägerin Deyna Castellanos kurz vor Schluss ebenfalls glücklos blieb.

Und so kam es zum Elfmeterschießen, in dem Cacares die entscheidenden Beiträge leistete. Nachdem Venezuelas dritte Schützin Sandra Luzardo ihren Elfmeter verschossen hatte, patzte auch die Mexikanerin Daniela Garcia, deren Schuss nur die Latte traf. Dann hielt Caceres den Schuss von Montserrat Hernandez, bevor sie ihren eigenen Elfmeter verwandelte und die Partie damit für ihr Team entschied.

"Ich hatte eigentlich gar nicht mit einem Elfmeterschießen gerechnet", sagte Caceres noch ganz aufgeregt gegenüber FIFA.com, nachdem der Jubel über den Sieg verklungen war. "Und dass ich selbst auch noch einen Elfmeter schießen würde, hätte ich erst recht nicht gedacht. Aber ich freue mich natürlich riesig, dass ich den entscheidenden Treffer erzielt habe."

Während des Interviews füllten Tränen die Augen der venezolanischen Torhüterin, die im April bereits an der FIFA U-17-Frauen-WM in Costa Rica teilgenommen hatte. Caceres behauptete zwar, es wären "Tränen der Freude", doch der dicke Verband an ihrem Fuß ließ erkennen, dass sie die Partie nur mit Schmerzen hinter sich gebracht hatte.

"Ich habe mich in der zweiten Halbzeit verletzt", erzählte sie. "Eine Mexikanerin schoss aufs Tor, ich hechtete, um den Ball abzuwehren, und eine andere Mexikanerin landete nach einem Sprung genau auf meinem Fuß."

"Trotzdem kann ich das nächste Spiel bestreiten", so die tapfere Torhüterin, die das Finale fest im Blick hat, Verletzung hin oder her. "Das ist das wichtigste aller Spiele, und der Gegner ist China. Wir müssen den Gegner unter Druck setzen. Ich bin auf jeden Fall für dieses Spiel bereit."

Elfmeterspezialistin
Verglichen mit Caceres, war der Weg ins Finale für die chinesische Torhüterin Zheng Jie deutlich kürzer und auch weitaus weniger schmerzhaft. Die Reservetorhüterin der Chinesinnen wurde erst zwei Minuten vor Ablauf der regulären Spielzeit eingewechselt. Trainer Lu Yiliang brachte damit eine ausgewiesene Elfmeterspezialistin für die Entscheidung. Tatsächlich endete die Partie nach 80 Minuten mit 0:0, und Zheng Jie hielt gleich den ersten Schuss der slowakischen Spielführerin Martina Surnovska und dann auch noch den zweiten von Tamara Gmitterova. Die Asiatinnen hingegen verwandelten alle Schüsse und zogen mit 4:2 ins Finale ein.

Der Trainer der Gastgeberinnen meinte im Anschluss, er habe kein so anstrengendes Halbfinale erwartet: "Unsere Gegnerinnen haben einen großartigen Kampf geliefert", meinte er im Gespräch mit FIFA.com. "Das größte Problem war aber, dass unsere Spielerinnen etwas nervös waren. Wir haben eine ganze Reihe guter Chancen herausgespielt. Unter normalen Umständen hätten wir mindestens eine davon genutzt."

Auf die Frage nach der Einwechslung Zheng Jies antwortete der chinesische Coach mit einem geheimnisvollen Lächeln: "Wir haben sie speziell für das Elfmeterschießen gebracht, denn sie ist eine ausgewiesene Elfmeterspezialistin. Und das wurde sie nicht nur, weil sie es trainiert hat, sondern weil sie einfach ein Talent dafür hat. Hätte sie das nicht, hätte auch intensives Training nicht geholfen."

Zum Abschluss wollten wir noch wissen, ob sich Zheng Jie durch ihre Leistung nun für das Finale einen Platz in der Startformation verdient habe. Doch Lu Yiliang wollte sich nicht in die Karten schauen lassen: "Das weiß ich jetzt noch nicht. Alles hängt von den Umständen ab", antwortete er hintergründig.