Tapfere Daviaga stiehlt allen die Show
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Falls Mut eine grundlegende Eigenschaft in einem Fussballspiel ist, dann zählt Papua-Neuguineas Torhüterin Eileen Daviaga sicherlich zu den herausragenden Akteuren beim diesjährigen Olympischen Juniorinnen-Fussballturnier.

Am Mittwoch erreichte die Slowakei durch ein überzeugend herausgespieltes 4:0 im letzten Spiel in Gruppe A gegen Papua-Neuguinea das Halbfinale. Während die Mitteleuropäerinnen den Zuschauern Angriffsfussball der Extraklasse boten, verdiente sich die tapfere Torhüterin des Teams aus Ozeanien mit ihren spektakulären Paraden immer wieder Szenenapplaus.

Das Ergebnis wäre mit Sicherheit noch deutlicher ausgefallen, hätte die heldenhaft parierende Torhüterin der Inselnation nicht immer wieder Welle um Welle der slowakischen Angriffe abgewehrt. Und der Applaus für Daviagas Leistungen wäre bestimmt noch lauter ausgefallen, hätten die Zuschauer gewusst, dass sich die Torhüterin beim Aufwärmen vor dem Spiel eine Verletzung am Mittelfinger zugezogen hatte. Die junge Spielerin ließ sich kurz vom Mannschaftsarzt behandeln, streifte dann die Handschuhe über, biss die Zähne zusammen und ging auf den Platz, um das Spiel ihres Lebens zu bestreiten.

"Ich glaube, das ist die beste Partie, die ich je gespielt habe", erklärte Daviaga gegenüber FIFA.com, noch ganz aufgeregt nach dem Spiel, das sie mit einem Tapeverband überstand. "Ich war zwar verletzt, aber das hat meine Leistung überhaupt nicht beeinträchtigt."

Als wir sie über ihr Missgeschick befragten, sagte sie, ohne die Miene zu verziehen: "Es ist nichts Ernstes. Der Arzt meint, dass in zwei oder drei Tagen wieder alles in Ordnung ist".

Die kleinste Torhüterin im Turnier
Mit gerade einmal 1,58 Metern ist Eileen Daviaga gemeinsam mit der Mexikanerin Paulina Gutierrez die kleinste Torhüterin im Turnier. Doch während die Nordamerikanerin noch auf ihren ersten Einsatz wartet, stand Daviaga bereits in zwei Partien in der Anfangsformation und ist mittlerweile ein wichtiger Pfeiler in der Defensive der Mannschaft von der Pazifikinsel. Wie hat es die kleine Daviaga geschafft, sich gegen die anderen durchzusetzen und zu Papua-Neuguineas erster Torhüterin im Turnier zu werden?

"Als ich vor fünf Jahren in der Schule mit dem Fussball begann, habe ich festgestellt, dass ich sehr hoch springen kann", erinnert sie sich lächelnd. "Also habe ich hart trainiert, um Torhüterin zu werden. Als unser Team für die Olympischen Jugendspiele zusammengestellt wurde, gab es zunächst drei Torhüterinnen. Die anderen beiden waren zwar größer, aber am Ende habe ich den Sprung in den 18er-Kader geschafft."

Zu ihren besonderen Fähigkeiten befragt, sagt Daviaga: "Ich glaube, dass ich vor allem sehr sprungstark bei meinen Paraden bin. Außerdem bin ich auch sehr reaktionsschnell. Ich bin zuversichtlich, dass ich gute Leistungen zeigen kann. In der Regel bin ich im Spiel noch stärker als im Training."

Viele der Spielerinnen, die Papua-Neuguinea vor vier Jahren beim ersten Olympischen Jugend-Fussballturnier in Singapur vertraten, wurden später in die Nachwuchsmannschaften ihres Landes und auch in die A-Nationalmannschaft berufen. Nach ihren herausragenden Leistungen in Nanjing ist Daviaga noch entschlossener, in die Fußstapfen ihrer Vorgängerinnen zu treten.

"Wenn ich wieder zu Hause bin, möchte ich mich weiterentwickeln. Ich hoffe, dass ich den Sprung in die Nachwuchsauswahl und dann in die A-Nationalmannschaft schaffe, so wie die anderen auch", sagte sie.

Obwohl Papua-Neuguinea 2010 mit drei torlosen Niederlagen ausschied und auch in Nanjing bislang zwei Mal den Kürzeren zog, hofft Eileen Daviaga, mit ihrer Leistung zwischen den Pfosten dazu beitragen zu können, dass ihr Team eine gute Chance auf einen historischen ersten Sieg hat.

"Meine Verletzung wird sehr bald verheilt sein, so dass ich für das nächste Spiel wieder fit bin", versicherte die mutige Torhüterin, die darauf brennt, ihr Können erneut unter Beweis zu stellen.