Namibia nimmt Rekordniederlagen philosophisch
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Die Rekordsiege beim Olympischen Juniorinnen-Fussballturnier Nanjing 2014 fallen immer höher aus. Namibia kassierte zum Auftakt neun Gegentore durch Mexiko und verlor das zweite Spiel gegen Gastgeber China VR sogar mit 0:10.

Hohe Niederlagen in zwei aufeinander folgenden Partien sind für jedes Team eine bittere Pille. Doch für das Land im Süden Afrikas mit gerade einmal 2,1 Millionen Einwohnern geht die Bedeutung dieser Spiele weit über die Ergebnisse hinaus. Denn schließlich ist es die erste Teilnahme eines Teams aus Namibia an der Endrunde eines FIFA-Turniers. Entsprechend geht es für die Mannschaft nur darum, internationale Erfahrung zu sammeln und Fortschritte einzuleiten.

"Im Auftaktspiel [gegen Mexiko] waren die Spielerinnen zu nervös", meinte Cheftrainer Mervin Mbakera gegenüber FIFA.com. "Sie haben zu viele Fehler gemacht und den Ball zu schnell verloren. Im zweiten Spiel gegen China waren die Spielerinnen deutlich ruhiger und konnten öfter ihr normales Spiel zeigen. Allerdings haben wir aufgrund der hohen Überlegenheit des Gegners trotzdem wieder verloren. Aber das ist bei einem Jugendturnier auf diesem Niveau wohl normal."

Doch ein Sprichwort sagt "Ohne Fleiß kein Preis", und entsprechend macht Namibia in Nanjing große Fortschritte. "Die Spielerinnen haben trotz der Niederlagen wertvolle Erfahrung gesammelt", so der Trainer weiter. "Sie wissen, welche Erwartungen auf ihnen ruhen, und sie haben das Niveau dieses internationalen Wettbewerbs erfahren. Bei einem Turnier wie diesem können sie große Fortschritte machen. Wenn sie sich weiterentwickeln, dann ist es durchaus denkbar, dass viele von ihnen in den kommenden vier, fünf Jahren in die nächsten Auswahlmannschaften wechseln und vielleicht sogar den Sprung ins A-Nationalteam schaffen."

Ein großes Jahr für Namibias Frauenfussball
Für den Frauenfussball Namibias ist 2014 ein überaus wichtiges Jahr. Während die U-15-Auswahl beim Olympischen Juniorinnen-Fussballturnier ihr Debüt feiert, ist die A-Nationalmannschaft mit dem Spitznamen Tapfere Gladiatorinnen im Oktober Gastgeber der 11. CAF Afrikanischen Frauen-Meisterschaft. Die besten drei Teams dieses Turniers qualifizieren sich für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015™. Der Frauenfussball in Namibia entwickelt sich unterdessen zusehends weiter.

"Vor einigen Jahren wurde die Super League der Frauen gegründet, in der Erwachsenen-Altersklasse", so Mbakera weiter. "Vor zwei Jahren haben wir dann die U-15-Mädchenliga mit dem Namen Galz & Goals ins Leben gerufen. Die meisten Spielerinnen unseres Kaders kommen aus dieser Liga, die eine sehr wichtige Rolle bei der Förderung unserer jungen Spielerinnen spielt."

Jacqueline Shipanga, die Trainerin der A-Nationalmannschaft, spielt für die Entwicklung des Frauenfussballs in Namibia eine Schlüsselrolle, so ihr Kollege von der U-15-Auswahl: "Sie ist eine der Pionierinnen des Frauenfussballs in unserem Land", so Mbakera. "Sie leitet nicht nur die Nationalmannschaft, sondern sie hat auch die Jacqueline-Shipanga-Akademie aufgebaut, deren Team die erste Saison der Super League der Frauen gewonnen hat. Als ich das Team für die Olympischen Jugendspiele zusammengestellt habe, hat sie mir mit vielen wertvollen Ratschlägen geholfen. Und nach der ersten Niederlage hat sie uns Mut zugesprochen und uns wieder aufgebaut."

Aufgehende Stars
Die jungen Namibianerinnen haben im Spiel um Platz fünf noch eine Chance, ihr Können zu zeigen. Gegner am Montag ist das Team von Papua-Neuguinea, das bereits über Erfahrung bei Olympischen Jugendspielen verfügt: "Papua-Neuguinea ist schon zum zweiten Mal bei Olympischen Jugendspielen dabei", erläutert Mbakera. "Das Team hat also bereits Erfahrung und wird ein entsprechend schwerer Gegner sein. Aber nach unseren bisherigen Erfahrungen werden wir unser Bestes geben und alles versuchen, um einen Sieg einzufahren."

Unabhängig vom Ausgang der Partie ist Mbakera überzeugt, dass seine Schützlinge nunmehr für den nächsten Schritt bereit sind.

"In der Heimat werden diese Spielerinnen sehr gute Entwicklungsmöglichkeiten haben", so der Trainer Namibias zum Abschluss, "denn sie haben ihr Land bei einem globalen Turnier vertreten. Sie werden in einem anderen Licht gesehen und werden weitere Fortschritte machen. Mit genug Zeit werden sie dann zu unseren Stars."