"Wiedersehen bei Freunden - Welcome back"
Geschichte und Chronologie der erfolgreichen WM-Bewerbung 2011
Der entscheidende Anstoß kam von höchster Regierungsstelle. "Die Bundeskanzlerin hat uns in unserer Absicht bestärkt, erstmals auch eine Frauenfussball-Weltmeisterschaft in Deutschland auszurichten. Das gab die Sicherheit, uns hierfür definitiv bei der FIFA zu bewerben", erklärte Dr. Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fussball-Bundes (DFB). Im Frühjahr 2006 war das, wenige Wochen vor Beginn der WM-Endrunde der Männer in Deutschland.
Knapp anderthalb Jahre später hatte Angela Merkels Anschubhilfe dem DFB mit verholfen zum souveränen Sieg. 15:12 Uhr war es genau am 30. Oktober 2007, als FIFA-Präsident Joseph S. Blatter in Zürich verkündete, dass die 6. FIFA Frauen-WM im Sommer 2011 in Deutschland veranstaltet wird. Mit einer relativ kurzen, aber sehr intensiven Bewerbungskampagne hatte der DFB sein Ziel erreicht.
Nach der WM ist vor der WM. Unter diesem Motto zog der DFB am 1. März 2007 den Schlussstrich unter die Organisation der FIFA WM 2006 und gab zugleich den Startschuss für die Bewerbung um die Frauen-WM 2011. In Berlin standen exakt 235 Tage nach dem WM-Finale zwischen Italien und Frankreich an gleicher Stelle die Abschlussbilanz des Sommermärchens 2006 und die Präsentation der WM-Bewerbung 2011 auf dem Programm.
"Nach der fantastischen WM der Männer ist es unser großes Ziel , ein ebenso beeindruckendes Turnier der Frauen für die Fans aus aller Welt anzubieten. Deutschland ist das Land des Frauenfussballs", sagte Dr. Theo Zwanziger. In einer Videobotschaft sicherte die Bundeskanzlerin die volle Unterstützung der Bundesregierung zu und erklärte: "Wir hoffen gemeinsam, dass es gelingt, wieder Millionen Fans nach Deutschland zu holen, die sich an gutem Fussball der Frauen erfreuen können."
Zudem wurden bei dieser Auftaktveranstaltung der Slogan, "Wiedersehen bei Freunden - Welcome back", sowie das Logo für die Bewerbung präsentiert. Dieses Emblem sollte als "Arena Deutschland", aus der eine Spielerin den Ball in die Welt schießt, und als Ausdruck für die weltweite Bedeutung der Frauen-WM verstanden werden.
Gleichzeitig stellte der heutige DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach das von DFB-Präsident Dr. Zwanziger angeführte Bewerbungskomitee vor, dem Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), DFB-Vizepräsident Engelbert Nelle, DFB-Vorstandsmitglied Hannelore Ratzeburg und die DFB-Abteilungsleiterin Frauenfussball, Heike Ullrich, angehörten.
Zu jenem Zeitpunkt hatten bereits 24 deutsche Kommunen ihr Interesse bekundet, Spielort der FIFA Frauen-WM 2011 zu werden. An insgesamt 36 Bewerberstädte verschickte der DFB am 22. März 2007 die entsprechenden Ausschreibungsunterlagen. Bei Einsendeschluss am 31. April 2007 lagen die offiziellen Bewerbungsunterlagen von 23 Städten vor.
Nach einer Sitzung des DFB-Präsidiums wurden am 11. Mai 2007 die Namen der zwölf offiziellen Bewerberspielorte bekannt gegeben, obwohl von der FIFA nur vier bis sechs Stadien gefordert wurden: Neben den beiden WM 2006-Städten Berlin und Frankfurt sind dies Mönchengladbach, Augsburg, Bielefeld, Bochum, Dresden, Essen, Leverkusen, Magdeburg, Sinsheim und Wolfsburg.
Damit wollte der DFB zum einen dokumentieren, dass er auch für den Fall einer damals zur Diskussion gestandenen Aufstockung der Frauen-WM auf 24 beziehungsweise 20 Teilnehmerteams gerüstet sei, und zum anderen eine über ganz Deutschland vorzunehmende Verteilung der Spielorte zum Ausdruck bringen.
Mit Frankreich, der Schweiz, Kanada, Peru und Australien waren zunächst fünf Mitbewerber an den Start gegangen. Die Entscheidung über den WM-Gastgeber 2011 wollte das FIFA-Exekutivkomitee ursprünglich am 31. August 2007 treffen, vertagte seinen Entschluss aber auf den 30. Oktober 2007, weil erst der Verlauf der 5. FIFA Frauen-WM vom 10. bis 30. September in der VR China abgewartet werden sollte.
Nachdem die Schweiz schon frühzeitig auf eine Kandidatur verzichtet hatte, fiel am 27. August 2007 eine Vorentscheidung: Auch Frankreich, mit dessen Fussball-Verband der DFB eine umfangreichen Kooperationsvereinbarung verabredet hatte (und beim DFB-Bundestag am 25. Oktober 2007 in Mainz mit den Unterschriften der beiden Verbandspräsidenten Jean-Pierre Escalettes und Dr. Zwanziger offiziell ratifizierte) zog seine Bewerbung zurück. Der DFB war somit der einzige europäische Kandidat und hatte fortan die einmütige Unterstützung der UEFA-Vertreter im FIFA-Exekutivkomitee, darunter auch Franz Beckenbauer als Wahllokomotive für die DFB-Bewerbung.
Bis zum 15. Oktober 2007 mussten laut Ausschreibung die Bewerbungsdossiers mit allen Unterlagen und Regierungsgarantien bei der FIFA vorliegen. Bereits am 12. Oktober 2007 gab der DFB sein umfangreiches Dossier ab, in dem auf 1212 Seiten dargelegt ist, warum die Frauen-WM 2011 in Deutschland bestens aufgehoben sei.
Nach dem Rückzug von Peru und Australien war Kanada der letzte übrig gebliebene Kandidat, als es am 30. Oktober 2007 zum abschließenden Bewerbungsduell mit den Nordamerikanern kam. Beflügelt vom Gewinn des WM-Titels seiner Frauen-Nationalmannschaft vier Wochen zuvor in der VR China, präsentierte sich der DFB mit einer abgerundeten, gleichermaßen faktenreichen wie emotionalen Präsentation.
Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen verstärkte die DFB-Delegation in Zürich ebenso wie die dreimalige "Weltfussballerin des Jahres", Birgit Prinz, und deren 19 Jahre alte Nationalmannschaftskollegin Fatmire Bajramaj. Die Mittelfeldspielerin erzählte von ihrer Flucht zusammen mit ihren Eltern aus dem Kosovo im Alter von vier Jahren und verdeutlichte vor der FIFA-Exekutive beispielhaft, wie integrationsstiftend der Mädchenfussball in Deutschland sein kann.
Ganz am Ende der Präsentation stand die Bundeskanzlerin abermals dem DFB hilfreich zur Seite. Zwar konnte Angela Merkel, weil auf Staatsbesuch in Indien, nicht persönlich dabei sein. Per Videobotschaft rief sie jedoch den FIFA-Präsidenten und sein Wahlgremium auf, "uns Ihr Vertrauen zu schenken, wir werden Sie nicht enttäuschen".
Wenig später tröstete DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger zunächst als guter Gewinner die unterlegenen Kanadier und konnte dann voller Stolz und Dankbarkeit feststellen: "Es ist eine ganz große Ehre für uns, diese WM auszurichten". Erstmals wird 2011 die Frauenfussball-Weltmeisterschaft in Deutschland angekommen sein. Im Land des Frauenfussballs, wo rund eine Million Frauen und Mädchen unter der Obhut des DFB Fussball spielen und sich die Zahl der Mädchenmannschaften seit 2001 auf 6.300 Teams fast verdoppelt hat.



