NÄCHSTER SCHRITT: FRANKREICH 2019

Gladys Lengwe setzt sich durch

(FIFA.com)
Referee Gladys Lengwe gestures during the FIFA Women's World Cup Canada 2015
© Getty Images
  • ​Lengwe hofft auf zweite Frauen-WM-Nominierung
  • Sie leitet als erste Frau in Afrika Spiele in der höchsten Liga
  • 2012 wurde Lengwe in Sambia zur Schiedsrichterin des Jahres gekürt

"This is a man's world, this is a man's world. But it wouldn't be nothing, nothing without a woman or a girl."

So heißt es in einem Song vom legendären James Brown. Ein Lied, das perfekt auf die heutige Generation von Schiedsrichterinnen zu passen scheint, da immer mehr Frauen im Männerfussball eingesetzt werden. Die FIFA U-17-Fussball-Weltmeisterschaft war zum Beispiel das erste FIFA-Männerturnier, bei dem auch weibliche Offizielle zum Zug kamen.

Eine von ihnen war Gladys Lengwe, die seit 2002 Spiele auf internationaler Ebene leitet. Im Gruppenspiel Deutschland gegen Costa Rica wurde sie als vierte Offizielle eingesetzt und bewies, dass die Zeit für Spitzenschiedsrichterinnen reif ist, um auch bei den Männern an der Seite ihrer Kollegen Spiele zu leiten.

Dass ihre Karriere einmal diese Richtung einschlagen würde, hätte die gebürtige Sambierin sicherlich nicht erahnen können, denn ihre Beweggründe, Schiedsrichterin zu werden, waren zunächst völlig anderer Natur. 

"Ich habe im Alter von 17 Jahren mit dem schiedsrichten angefangen. Zu dieser Zeit haben Schiedsrichter in meiner Region Tickets bekommen, um kostenlos Spiele schauen zu können. Als ich davon erfuhr, dachte ich mir: 'Warum schließe ich mich ihnen nicht an und bekomme Eintrittskarten?'“, erzählt sie lachend im Interview mit FIFA.com. "Am Anfang war es nur zum Spaß. Zu dieser Zeit war mein Fokus nicht wirklich Schiedsrichterin zu werden. Ich habe nur Männer bei den Spielen gesehen und keine Schiedsrichterinnen. Es gab also nicht wirklich viel, um mich zu motivieren - mein Interesse war wirklich nur die Karten zu bekommen“, führt Lengwe weiter aus.

Dass sich ihre Einstellung änderte, hat sie auch ihren männlichen Kollegen zu verdanken, die sie ermutigten und Potenzial in ihr sahen. "2002 habe ich angefangen in den unteren Ligen zu pfeifen - fast zehn Jahre lang. Es war schon damals nicht einfach, eine Frau als Schiedsrichterin in einem männerdominierten Sport zu akzeptieren. Aber nach Tagen, Monaten, Jahren begannen sie mich zu akzeptieren, besonders meine Entscheidungen. Sie begannen sich wohler zu fühlen, weil sie sahen, dass ich einen guten Job mache“, beschreibt Lengwe ihre Anfänge im Männerfussball.

"2011 haben sich die Dinge dann geändert. Zu dieser Zeit hat die FIFA regionale Büros und Schiedsrichter-Manager eingeführt. Dieser kam zu mir und sagte: 'Ich denke, dass du mit der Super League (erste Liga in Sambia, Anm. d. R. ) umgehen kannst.' Zuerst konnte ich es nicht glauben: 'Was? Ich?' In der Tat hatte er mehr Vertrauen in meine Fähigkeiten, als ich selbst. Er gab mir die letzten beiden Spiele der Saison. Das war mein Beginn in der ersten Liga. Im Jahr darauf wurde ich nicht mehr in eine niedrigere Liga geschickt und leite bis heute nur Spiele in der Super League.“

Der Erfolg gibt der 40-Jährigen recht: Sie avancierte zur ersten Frau in Afrika, die Spiele in der höchsten Spielklasse leitete und wurde 2012 in ihrer Heimat zur Schiedsrichterin des Jahres gekürt. Auch international zeigte Lengwe ihr Können. So wurde sie als eine von drei afrikanischen Schiedsrichterinnen für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015 in Kanada nominiert und leitete dort das Gruppenspiel zwischen Deutschland und WM-Neuling Thailand. Auch beim Olympischen Fussballturnier der Frauen 2016 in Rio kam Lengwe zum Einsatz. Ein Turnier, das sie nie vergessen wird.

"Natürlich habe ich gute Erinnerungen, aber ich würde gerne über ein anderes Spiel sprechen. Es war das erste Mal, dass ich mich schlecht gefühlt habe und es brauchte viel Mut, um da wieder rauszukommen. Es war das Spiel Kolumbien gegen Neuseeland. Ich freute mich auf das Turnier. Ich habe mich gut darauf vorbereitet und wollte es gut machen“, erzählt Lengwe. Doch dann kam die 88. Minute, in der sie Abby Erceg nach einem Foul die Rote Karte zeigte und diese den Platz verlassen musste.

"Später bekam ich die Info von meiner vierten Offiziellen: 'Bist du sicher?’' Ich sagte 'Was??` 'Sie hat den Ball gespielt.' Ich hätte diese Information vorher haben müssen. Dann hätte ich mich daran erinnert, dass sie vor dem Foul zuerst den Ball erwischt hat. Ich hatte das Spiel schon wieder angepfiffen, konnte meine Entscheidung also nicht ändern. Ich musste mich dann wieder auf das Spiel konzentrieren und machte einen weiteren Fehler, weil ich diesen nicht vergessen konnte. Nach dem Spiel konnte ich nicht schlafen. Ich war die ganze Nacht nicht ich selbst und bin immer wieder aufgestanden. Ich wollte wirklich eine gute Leistung zeigen und jetzt das“, beschreibt die sympathische Sambierin.

Eine Erinnerung, die beweist, dass auch Schiedsrichter nur Menschen sind. Und wie schrieb die U.S.-amerikanische Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin Pearl S. Buck einst: "Die großen Tugenden machen einen Menschen bewundernswert, die kleinen Fehler machen ihn liebenswert."

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