• Der französische Frauenfussball feiert am 30. September 2017 seinen 100. Geburtstag
  • Am 30. September 1917 fand in Paris das erste Spiel im Frauenfussball statt
  • Marinette Pichon: "Ein sehr langer Weg liegt hinter uns"

Für den Frauenfussball gibt es im September 2017 einiges zu feiern. Knapp zehn Tage nach dem offiziellen Startschuss des Countdowns zur FIFA Frauen-Weltmeisterschaft in Frankreich im Pariser Musée de l'Homme steht am 30. September 2017 gleich die nächste große Feier im Land an: die zum einhundertsten Geburtstag des Frauenfussballs. Am 30. September 1917 fand in Paris nämlich das erste Frauenfussballspiel statt.

Mitten im Ersten Weltkrieg standen sich damals zwei Mannschaften des Club Fémina aus Paris gegenüber, angeführt von Thérèse Brulé und Suzanne Liébrard. Damals berichtete die Tageszeitung "L’Auto" darüber. Über den Endstand und den Spielverlauf ist heute nichts mehr bekannt, aber das Datum ist als die Geburtsstunde des Frauenfussballs in Frankreich in die Geschichte eingegangen.

"Ein sehr langer Weg liegt hinter uns", sagt die heutige französische Frauenfussball-Legende Marinette Pichon im Gespräch mit FIFA.com. "Ich würde sagen, heute verfügen wir über die nötige Infrastruktur und die finanziellen Mittel. Die französische Nationalmannschaft ist stark, die französischen Klubs sind stark, die nationalen und internationalen Wettbewerbe sind spannend. Es geht spektakulär zu. Es ist schön zu sehen, dass der Frauenfussball ein so hohes Niveau erreicht hat."

Wendepunkt 1970
Heute ist der Frauenfussball stark im Kommen. Es hat sich so viel verändert und verbessert, dass man die beiden Epochen kaum noch vergleichen kann. Dabei gibt es Frauenfussball in Frankreich noch gar nicht so lange. Er begann erst ab 1970, sich nachhaltig zu entwickeln. Damals erkannte der französische Fussballverband FFF die Sportart an. Gerade einmal 2000 Spielerinnen gab es seinerzeit offiziell. Bald darauf bestritten die Bleues dann auch ihr erstes von der FIFA anerkanntes Länderspiel. Am 17. April 1971 schlugen sie die Niederlande mit 4:0.

Seitdem eilen die Frankreichs Fussballerinnen von Erfolg zu Erfolg. Immer wieder bringen sie echte Weltstars hervor: Pichon, Corinne Diacre, später Sandrine Soubeyrand, Louisa Nécib und zuletzt etwa Eugénie Le Sommer. Frankreichs Vereinsmannschaften, allen voran Olympique Lyon als vierfacher Gewinner der UEFA Champions League (2011, 2012, 2016 und 2017), gehören zu Europas Spitze. Auch die Stadien werden immer voller ... und dürften zur FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2019 sicher so manches Mal ausverkauft sein.

"Wir müssen uns bewusst sein, was geht und was nicht geht. Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Der Frauenfussball kann sich nicht mit dem Männerfussball vergleichen. Meiner Meinung nach hat der Frauenfussball noch viel Spielraum nach oben", betont Pichon. "Den wird er auch nutzen", ist sie zugleich überzeugt. "Aber man darf die Bodenhaftung nicht verlieren und nichts überstürzen. Das ist ein langer Prozess." Ein Prozess, der vor genau 100 Jahren eingeleitet wurde.