• Die ehemalige deutsche Stürmerin analysiert die aktuelle Situation der deutschen Nationalmannschaft
  • Šašić gehört zu den FIFA-Legenden
  • Šašić: "Es gibt keine kleinen Mannschaften mehr"
Célia Šašić entschloss sich im Alter von 27 Jahren auf dem Höhepunkt ihrer Karriere, die Fussballschuhe an den Nagel zu hängen. Dabei haben nicht etwa körperliche Probleme ein vorzeitiges Karriereende der Stürmerin mit der hervorragenden Bilanz und einer vielversprechenden Zukunft erzwungen.

Zwei Jahre später bereut Šašić ihre Entscheidung nicht. "Mein Leben nach dem Fussball ist ganz anders, aber sehr schön. Ich habe eine kleine Tochter, und meine Tage sind sehr ausgefüllt."

Šašić gehört zu den FIFA-Legenden und war aktiv an der letzten Denkfabrik in London beteiligt, die im Vorfeld der Zeremonie The Best FIFA Football Awards stattfand.  "Ich mag den Fussball sehr. Ich schaue mir so viele Spiele wie möglich an. Partien mit Beteiligung von Spielerinnen, mit denen ich früher zusammengespielt habe, sind für mich eine besonders emotionale Angelegenheit. Da bin ich mit noch mehr Leidenschaft dabei. Aber ich habe nicht mehr den Stress, den man hat, wenn man selbst auf dem Platz steht. Ich kann das jetzt mehr genießen."

Bei der Analyse der letzten Auftritte Deutschlands, die sie als Fan verfolgt hat, bleibt sie gelassen: "Das Ausscheiden im Viertelfinale der EURO [gegen Dänemark] war schon für alle enttäuschend. Es tut schon weh, wenn du einen großen Namen und Ziele hast und dann deine eigenen Erwartungen nicht erfüllst."

"Aber diese deutsche Mannschaft ist noch sehr jung und hat noch nicht viel Erfahrung. Das gilt sowohl für die Spielerinnen als auch für die technische Abteilung. Und Erfahrung kann man nicht kaufen. Man erwirbt sie mit der Zeit, diesen Prozess kannst du nicht beschleunigen. Du musst Geduld haben, und dann passieren Dinge – auch weniger schöne und enttäuschende – die dir helfen, dich weiterzuentwickeln. Auf diesem Weg wird die deutsche Mannschaft das Niveau erreichen, das alle von ihr erwarten."

Célia Šašić

  • U-19-Weltmeisterin 2014 in Thailand
  • Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking
  • Europameisterin 2009 und 2013
  • Auszeichnung mit dem Goldenen Schuh von adidas bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Kanada 2015™
  • Dreimalige Algarve-Cup-Siegerin
  • Gewinnerin der UEFA Women's Champions League 2015
Die deutsche Nationalmannschaft kämpft derzeit um die Qualifikation für die nächste FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™, die 2019 in Frankreich stattfindet. Im Augenblick ist das Team Spitzenreiter in Gruppe 5, hat jedoch eine von fünf Partien verloren, nämlich das Heimspiel gegen Island.

Šašić hat Vertrauen zu ihren Nachfolgerinnen und auch einen guten Rat: "Sie sollten sich auf ihr Ziel konzentrieren und die Kritik, die von außen herangetragen wird, gar nicht beachten. Wenn sie in der deutschen Nationalmannschaft spielen, dann haben sie auch das erforderliche Potenzial und genügend Talent. Nur so werden sie das maximale Niveau erreichen. Außerdem ist ein starker Teamgeist wichtig. Auch wenn du mal ein schlechtes Spiel machst, musst du darauf vertrauen, dass du als Team alle Hindernisse überwinden kannst."

Doch es gab weitere Faktoren, die dazu beigetragen haben, dass die Vormachtstellung Deutschlands im europäischen Wettbewerb nach 22 Jahren zu Ende gegangen ist. "Für mich kamen die Erfolge der Niederlande und Dänemarks nicht überraschend. Wer ihre Entwicklung verfolgt hat weiß, dass das Erreichen dieses Niveaus nur logisch ist. Es gibt keine kleinen Mannschaften mehr, alle europäischen Teams haben ein unglaubliches Wachstum zu verzeichnen."

Abschließend offenbart Šašić uns noch, dass sie nicht versucht ist, ihr Karriereende rückgängig zu machen und selbst wieder auf dem Platz zu stehen – obwohl sie bereits von vielen darum gebeten wurde. "Ja, viele Leute sagen, ich solle weitermachen, weil ich noch jung bin und ein Comeback schaffen kann. Aber ich bin sehr zufrieden mit meiner Entscheidung. Ich mag mein jetziges Leben. Den Fussball mag ich natürlich auch, aber meine Profikarriere als Spielerin ist beendet."