Ich wünschte, niemand würde meinen Namen kennen.

Laura Bassett

Das klingt merkwürdig aus dem Mund einer Top-Fussballerin, doch Laura Bassett meinte es genau so, wie sie es sagte. Damals glaubte sie nämlich fest daran, dass ihr Name immer nur mit einem bestimmten unglückseligen Ereignis in Verbindung gebracht werden würde.

"Es wird immer heißen: '2015 ist England wegen Laura Bassetts Eigentor aus dem Rennen geworfen worden', also muss ich die Verantwortung dafür übernehmen", sagte sie. "Das wird immer mit mir, mit meinem Namen in Verbindung stehen."

Doch selbst direkt nach der bitteren, misslungenen Abwehraktion, durch die England verlor und Japan stattdessen ins Finale der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015™ einzog, sah Mark Sampson Bassetts Situation in einem ganz anderen Licht. "Wenn sie nach Hause kommt", so der Trainer des englischen Nationalteams, "wird sie eine Heldin sein."

Von den beiden Optionen schien Bassetts zunächst die wahrscheinlichere zu sein. Schließlich ging es hier um eine 31-jährige Abwehrspielerin, die vor dem Turnier relativ wenig Aufmerksamkeit erregt und nun die Chance auf eine erste Teilnahme Englands am Finale einer Frauen-WM zunichtegemacht hatte – auch wenn es nichts als Pech gewesen sein mag. Sampsons Worte sowie die tröstenden Gesten ihrer Teamkameraden und die Unterstützungsbotschaften in den sozialen Medien schienen eher auf dem Wunsch zu beruhen, die Spielerin aufzumuntern und würden vermutlich keine wirkliche Erlösung bringen.

Bassett konnte dem Trainer und ihren Teamkameradinnen jedenfalls kaum in die Augen schauen. "Ich wollte einfach nur weg", gibt sie zu. "Ich wollte heulen, allein sein und meinen Kopf in den Sand stecken. Und am schwierigsten fand ich es, andere Leute anzuschauen, die alles für dieses Team gegeben hatten. Zum ersten Mal seit langer Zeit hatten alle daran geglaubt, dass England es schaffen könnte."

Doch Sampsons Aussage basierte nicht nur auf einem Gefühl, wie sich herausstellen sollte. Er wusste, dass England zwar die WM nicht mehr gewinnen, aber dennoch etwas ganz Besonderes erreichen konnte. Schließlich hatten die Lionesses noch nie zuvor bei einer WM auf dem Treppchen gestanden, und um es dieses Mal zu schaffen, mussten sie Deutschland im Spiel um Platz drei schlagen. Ebene jene deutsche Mannschaft, gegen die sie seit 31 Jahren nicht gewonnen hatten.

Nun stellte sich folgende Frage: Würde Bassett, die nach eigenen Worten "untröstlich, am Boden zerstört, einfach unkontrollierbar" war, mental in der Lage sein, dem Angstgegner der Nation gegenüberzutreten? Kurzfristig wurde ein Treffen anberaumt, um genau darüber zu sprechen. Sampson legte seine Karten als erster auf den Tisch. "Mark stellte gleich klar, dass er wollte, dass ich spiele", meint Bassett rückblickend. "Als Spielerin wollte ich natürlich auch spielen, aber ich bin auch nur ein Mensch. Ich dachte: 'Und was ist, wenn mir dasselbe wieder passiert? Wenn ich meine Teamkameradinnen und mein Land enttäusche?' Aber als Spielerin hat es mir viel bedeutet, dass der Trainer gesagt hat, er wolle, dass ich spiele. Dadurch habe ich wieder mehr Selbstbewusstsein bekommen."

Und dann hat England gegen ein Team gewonnen, dass sich in 18 der insgesamt 20 vorherigen Begegnungen durchgesetzt und bei den restlichen beiden ein Unentschieden erreicht hatte. Aber das war noch nicht alles. Den Engländerinnen gelang es außerdem, ihren Kasten gegen den Angstgegner sauber zu halten. Bassett bot, genau wie im gesamten Turnierverlauf, eine herausragende Leistung. Das gilt umso mehr, wenn man berücksichtigt, welches Martyrium sie gerade hinter sich hatte und dass sie infolgedessen vielen prüfenden Blicken ausgesetzt war. Das Ergebnis war, dass sie, genau wie Sampson es prophezeit hatte, zu Hause als Heldin empfangen wurde. Und was noch besser war, dieser Empfang wurde ihr nicht etwa von einem mitfühlenden Publikum bereitet, sondern von einer Nation, die wirklich begeistert war.

"Wir bekamen Tweets in denen es hieß: 'Meine Tochter ist gerade zu ihrem ersten Training gegangen'. Ich bekam Nachrichten von Mädchen, die das Fussballspielen aufgegeben hatten und nun so begeistert waren, dass sie wieder anfangen wollten", so Bassett. "All diese Geschichten haben uns als Spielerinnen so viel bedeutet, weil wir eigentlich nie zuvor einen solchen Einfluss gehabt hatten. Wenn dieses Turnier etwas ausgelöst hat, dann sind gewisse Dinge vielleicht aus einem bestimmten Grund passiert und es sollte einfach so sein. [Meine Teamkameradin] Kaz Carney sagte: 'Das ist dir passiert, weil du stark genug bist, um mit so etwas fertig zu werden.' Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber es ist ein fantastisches Kompliment."

"Alle waren so hilfsbereit, das werde ich nie vergessen. Es gab nur einen Weg, ihnen allen etwas zurückzugeben, und das war eine gute Leistung [gegen Deutschland]. Wir hätten natürlich sehr gern das Finale bestritten. Aber mit einer Bronzemedaille nach Hause zu kommen und zu beweisen, dass wir ein Land sind, das man auf dem Zettel haben sollte, hat das Image dieser englischen Mannschaft sogar noch stärker verbessert."

Sampsons Team wusste zu beeindrucken und hat sich viel Bewunderung gesichert. Dasselbe gilt für Bassett. Wenn ihr Name in die Geschichte der Frauen-Weltmeisterschaft eingeht, dann sollte das nur positive Gründe haben.