Die siebte FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ in Kanada war zweifelsohne eine rekordverdächtige - und das nicht nur wegen der Tatsache, dass mit 24 Teams das größte Teilnehmerfeld der Fussballgeschichte antrat, um die neue "Königin des Fusballs" zu krönen. Die größte Bestmarke setzte der Weltmeister aus den USA höchstselbst, der mit drei Triumphen nun alleiniger Rekordweltmeister ist und sich mit 112 Toren, bisher Deutschland (111), zum torgefährlichsten Team der Frauen-WM-Historie aufschwang.

In einem spektakulären Finale überrollten die Stars and Stripes Titelverteidiger Japan mit 5:2 – bereits nach 16 Minuten stand es 4:0. Carli Lloyd avancierte mit ihrem Dreierpack zur Matchwinnerin. Ironie des Schicksals: Vor vier Jahren verschoss sie noch einen Elfer im Finale gegen die Asiatinnen. 14 U.S.-Spielerinnen von 2011 nahmen nun in Nordamerika erfolgreich Revanche.

Lloyd, die als beste Spielerin des Turniers mit dem Goldenen Ball von adidas ausgezeichnet wurde, sprach anschließend von einer legendären Leistung, Torhüterin Hope Solo vom schönsten Moment ihrer Karriere. Kein Wunder: Noch nie hat es in einem WM-Finale mehr als vier Tore gegeben und nun waren es gleich sieben. Auch U.S.-Präsident Barack Obama gratulierte via Twitter: "Welch ein Sieg für das Team USA! Große Leistung, Carli Lloyd! Ihr Land ist so stolz auf Sie. Kommen Sie bald mit dem Weltpokal ins Weiße Haus."

Sawa, Formiga und Marta mit Rekordmarken
Der entthronte Champion aus Japan sollte sich trotz der Endspielpleite nicht grämen. Allein die Finalteilnahme müsse man als Erfolg ansehen, erklärte Trainer Norio Sasaki anschließend. Bis auf Weiteres nicht mehr zu nehmen ist seinem Superstar Homare Sawa der Titel der Frauen-WM-Rekordhalterin. Sechs WM-Teilnahmen bedeuten eine neue Bestmarke, auch wenn sich die ehemalige FIFA Weltfussballerin diese mit der Brasilianerin Formiga teilen muss, die darüber hinaus zur ältesten Torschützin beim globalen Kräftemessen aufgestiegen ist.

Teamkollegin Marta hingegen darf sich seit diesem Sommer Rekordtorschützin (15 Treffer) dieser Turnierserie nennen. Dank ihres Treffers gegen Korea Republik in der Gruppenphase zog sie an Birgit Prinz (14) vorbei. Das Ausscheiden der Seleção im Achtelfinale (0:1 gegen Australien) konnten die beiden dennoch nicht verhindern. Und das obwohl die Südamerikanerinnen neben der Nadeshiko als einziges Team die Vorrunde mit drei Siegen aus drei Spielen abschlossen.

Bronze sicherte sich das Team aus England, das damit die beste Platzierung überhaupt schaffte und im Spiel um Platz drei gegen Deutschland (1:0 n.V.) eine schwarze Serie von zuvor 20 Spielen ohne Sieg gegen die DFB-Auswahl beendete (18 Niederlagen, zwei Unentschieden). Auf dem Weg aufs Treppchen besiegten die Three Lionesses im Viertelfinale den Gastgeber, der erst zum zweiten Mal die Gruppenphase überstand und den Zuschauern, insgesamt über 1,3 Millionen, viel Freude bereitete.

Deutschland dagegen verpasste nach dem Aus im Viertelfinale bei der Heim-WM 2011 erneut einen Platz auf den vorderen Plätzen und steht nun vor einem kleinen Umbruch. Unter anderem hat Torhüterin Nadine Angerer ihre Karriere im Nationaldress beendet, Bundestrainerin Silvia Neid wird das Zepter Ende 2016 an Steffi Jones abgeben. Angesichts zahlreicher junger Gesichter, die in Kanada vielversprechende Leistungen ablieferten, ist mit Schwarz-Rot-Gold in Zukunft definitiv zu rechnen. Ähnliches gilt für den Gewinner des Fairplay-Preises aus Frankreich, der im Viertelfinale zwar unglücklich im Elfmeterschießen an den Deutschen scheiterte, aber mit Eugenie le Sommer, Louisa Necib oder Camille Abily in Zukunft aus dem Vollem schöpfen kann.

Von Ozean zu Ozean
Mit etwas bescheideneren Hoffnungen, dennoch ganz nach dem Turnier-Slogan "To a Greater Goal™" ("Ein großes Ziel vor Augen"), waren die acht Debütanten aus der Elfenbeinküste, Costa Rica, Ecuador, Spanien, Thailand, den Niederlanden, der Schweiz und Kamerun in ihr erstes Abenteuer auf der Weltbühne gestartet und fielen überwiegend positiv auf. Die drei Letztgenannten schafften sogar den Sprung ins Achtelfinale. Aber auch die anderen Neulinge brachten mit vielversprechenden Spielerinnen wie Asisat Oshoala (Nigeria), Verónica Boquete (Spanien) oder Shirley Cruz (Costa Rica) frischen Wind hinein und zeigten, dass der Frauenfussball in allen Ecken der Welt auf dem Vormarsch ist.

Das kanadische Nationalmotto lautet A Mari Usque Ad Mare (Von Ozean zu Ozean), was sich zweifelsohne auch bei dieser Frauen-WM gezeigt hat. Insgesamt fünf verschiedene Zeitzonen mussten zwischen Moncton im Osten und Vancouver im Westen überwunden werden - einzigartig in der Geschichte des Fussballs. "Diese WM muss allen Verbänden als Inspiration dienen", erklärte Lydia Nsekera, Vorsitzende des Ausschusses für Frauenfussball und der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ bei der Abschlusspressekonferenz und rief dazu auf, sich nicht auf den Lorbeeren auszuruhen. Eine Aussage, die den Teams zweifelsohne als Ansporn dienen wird.

Und so ist die siebte Auflage der FIFA Frauen-WM nach vier Wochen spannender Duelle, großartiger Tore sowie jeder Menge Jubel und Trauer beendet, die nächste ist am Horizont bereits zu erkennen: Goodbye Kanada 2015, Salut Frankreich 2019!

Teilnehmer
Australien, Brasilien, China VR, Costa Rica, Deutschland, Ecuador, Elfenbeinküste, England, Japan, Kamerun, Kanada, Kolumbien, Korea Republik, Frankreich, Mexiko, Neuseeland, Niederlande, Nigeria, Norwegen, Thailand, Schweden, Schweiz, Spanien, USA

Abschlusstabelle
1. USA
2. Japan
3. England
4. Deutschland

Austragungsorte
Edmonton, Moncton, Montréal, Ottawa, Vancouver, Winnipeg

Anzahl der Tore
146 (durchschnittlich 2,8 pro Spiel)

Auszeichnungen
Goldener Ball von adidas: Carli Lloyd (USA)
Silberner Ball von adidas: Amandine Henry (Frankreich)
Bronzener Ball von adidas: Aya Miyama (Japan)

Goldener Schuh von adidas: Celia Sasic (6 Tore, 1 Vorlage)
Silberner Schuh von adidas: Carli Lloyd (6 Tore, 1 Vorlagen)
Bronzener Schuh von adidas: Anja Mittag (5 Tore, 2 Vorlagen)

Goldener Handschuh von adidas: Hope Solo (USA)

Hyundai "Beste Junge Spielerin": Kadeisha Buchanan (Kanada)

FIFA Fairplay-Preis: Frankreich