Die FIFA-Frauenfussball-Weltmeisterschaft USA 2003 ist zu Ende und die Fans des Frauenfussballs wenden ihre Aufmerksamkeit bereits dem nächsten globalen Großereignis im Jahre 2007 zu.

Nachdem wir eines der spannendsten Frauenturniere überhaupt verfolgen konnten, wird China als Gastgeber 2007 sicherlich alles daran setzen, den Erfolg des diesjährigen Fussballfestes zu wiederholen.

Eine unerwartete Herausforderung

Am 17. Juli 2003, bei der Gruppenauslosung im Home Depot Center von Carson übergab der chinesische Nationaltrainer Ma Liangxing in einer symbolischen Geste den FIFA WM-Pokal an April Heinrichs,

Nationaltrainerin des neuen Gastgeberlandes USA. Die FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft 2003 würde stattfinden, wenn auch in einem anderen Kontinent als ursprünglich geplant.

Das Turnier geriet mehr und mehr in den Blickpunkt der Öffentlichkeit. Der plötzliche Aufstieg neuer Herausforderer, in der Mehrzahl europäische Mannschaften, und die traditionellen Favoriten wie China und USA, ließen das Interesse am Wettbewerb steigen.

Frühes Aus für Favoriten

Doch China war eine derjenigen, die es kalt erwischte. Im Viertelfinale musste sich das Team gegen Kanada geschlagen geben. Die stark verjüngte nordamerikanische Mannschaft kam zu einem für China schockierenden 1:0-Erfolg, nachdem die Bilanz der vorangegangenen Begegnungen mit 11:0 ganz eindeutig für China sprach.

Auch Norwegen gehörte zu den fest etablierten Elitemannschaften, die eine unliebsame Überraschung erleben mussten. Die ehemaligen Weltmeister wurden von einem jungen brasilianischen Team vernichtend mit 4:1 geschlagen und mussten sich schließlich nach dem Viertelfinale aus dem Turnier verabschieden, nachdem sie gegen den Gastgeber verloren hatten.

Noch überraschender war Deutschlands 3:0-Halbfinalerfolg über die favorisierten Amerikanerinnen. Dieses Spiel brachte das Aus für das bis dahin ungeschlagene Team der USA.

Der steile Aufstieg der Europäerinnen

Im Finale standen sich mit Schweden und Deutschland zwei europäische Mannschaften gegenüber, die sich ein packendes, interessantes und vor allem hochklassiges Endspiel lieferten. Deutschland war am Ende der glückliche Sieger durch ein Golden Goal von Nia Künzer in der achten Minute der Verlängerung. Zum ersten Mal hat eine deutsche Mannschaft die Weltmeisterschaft gewonnen.

Tatsächlich haben vier der fünf für die Endrunde qualifizierten europäischen Mannschaften den Sprung von der Gruppenphase ins Viertelfinale geschafft, nur Frankreich musste nach der Vorrunde nach Hause reisen. Russland und Norwegen schieden zwar im Viertelfinale aus, liefen aber dennoch Asienmeister Nordkorea und dem afrikanischen Titelgewinner Nigeria den Rang ab. Diese mussten bereits nach der Gruppenphase die Koffer packen. Insgesamt gesehen war 2003 also ein ganz entscheidendes Jahr für die europäischen Mannschaften.

Der diesjährige europäische Erfolg ist außerdem alles andere als bloßer Zufall. Alle vier Mannschaften des alten Kontinents haben sich im Vergleich zur letzten Weltmeisterschaft in technischer und fussballerischer Hinsicht erheblich gesteigert. Da sie außerdem rein körperlich im Vorteil sind, konnten die in bezug auf ihre kleinere Körpergröße benachteiligten Mannschaften nicht mehr mithalten.

Der Erfolg der europäischen Mannschaften hat den anderen Nationen Stoff zum Nachdenken gegeben. Liu Ailing, die ehemalige Spielführerin der chinesischen Elf sagt dazu: "China muss lernen, den Ball so nach vorn zu spielen wie Deutschland. Daran muss man arbeiten. Vor vier Jahren hatte ein so technikbetontes Team wie China vielleicht eine Chance. Jetzt, da sich viele der anderen Mannschaft so enorm verbessert haben, müssen die Spielerinnen härter daran arbeiten, alle Aspekte des Spiels weiterzuentwickeln."

"Sieben Wunder"

Erfahrenere Spielerinnen wie die 31-jährige Mia Hamm und die 30-jährige Sun Wen standen zwar auch dieses Jahr noch im Rampenlicht, aber auch der Nachwuchs hinterließ einen starken Eindruck. Die 23-jährige Amerikanerin Abby Wambach stahl mit ihrer exakten, gut umgesetzten Technik den anderen die Show. Ihre körperliche Stärke und unermüdlichen Balleroberungen machten sie zur gefürchtetsten Mittelstürmerin des US-Teams.

Ein weiterer aufgehender Stern am Fussballhimmel ist die 16-jährige Kanadierin Kara Lang, die mit ihrem außerordentlichen Können und ihrer Wachsamkeit beeindruckte. Die 17-jährige Brasilianerin Marta hat ebenfalls einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ihre hervorragende Ballkontrolle und ihr Stellungsspiel brachten ihr folgendes Lob des chinesischen Cheftrainers Ma Lianxing ein: "Ihre Spielweise ist richtungsweisend für den Fussball."

Mit 24 Jahren machte sich auch die deutsche Spielerin Kerstin Garefrekes einen Namen, indem sie ganze vier Tore einfuhr, während die 20-jährige Schwedin Josefine Oeqvist im Spiel gegen Kanada ein Schlüsseltor erzielte. Die Nordkoreanerin Jin Pyol-Hui (23) hat ebenfalls eine gute Leistung gezeigt, genauso wie die Russin Elena Danilova, die jüngste des Turniers. Ihr gelang mit einer hervorragenden Einzelleistung sogar ein Treffer gegen Deutschland.

Die "sieben Wunder", wie diese jungen Spielerinnen mit einem Durchschnittsalter von 19 Jahren von einigen Journalisten bezeichnet werden, dürften bei der nächsten Weltmeisterschaft im Jahre 2007 zweifellos wichtige Rollen spielen.