Obwohl Abby Wambach (29) bereits heute eine Legende und Werbeikone des U.S.-amerikanischen Frauenfussballs ist, hat sie ihr größtes Ziel noch vor Augen: den WM-Titel. Bei den vergangenen Weltmeisterschaften 2003 und 2007 musste sie sich jeweils mit Platz drei zufrieden geben. Der größte Erfolg ihrer Karriere bleibt die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen von Athen 2004.

Für Wambach, die mit 100 Toren in 130 Länderspiele zum Kreis der fünf erfolgreichsten Stürmerinnen in der Geschichte der USA gehört, gilt das Freundschaftsspiel gegen Welt- und Europameister Deutschland am 29. Oktober in Augsburg als Vorgeschmack auf die "Mission WM-Titel 2011".

Im Anschluss an einem Lehrgang mit ihrer Nationalmannschaft im kalifornischen Carson sprach Wambach über den Klassiker gegen die DFB-Auswahl am 29. Oktober in Augsburg und ihren WM-Traum.

Was unterscheidet die Entwicklung des Frauenfussballs der vergangenen Jahre in den USA und Deutschland?
Wir durften 2003 zum zweiten Mal die Frauen-WM ausrichten, was uns in der Entwicklung des Frauenfussballs in den USA enorm geholfen hat. Dazu kam die Profi-Liga WUSA, aber eigentlich nur für eine kurze Periode. Für Deutschland ging es ab 2003 mit dem ersten WM-Titel ständig aufwärts. Man könnte schon sagen, sie haben uns überholt.

Sie haben ihr erstes Länderspiel im September 2001 gegen die deutsche Mannschaft absolviert. Zudem haben Sie gute Bekannte in Deutschland, darunter Steffi Jones. Was bedeuten Ihnen die Spiele gegen das DFB-Team?
Für mich ist das Spiel in Augsburg etwas ganz besonderes, zumal ich zum ersten Mal gegen Deutschland auf deutschem Boden spielen werde. Wir respektieren uns gegenseitig. Für beide Mannschaften ist die WM 2011 das große Ziel. Die Partie gegen Deutschland bietet uns einen Vorgeschmack auf 2011, gerade weil wir in einem ausverkauften WM-Stadion spielen werden.

Die U.S.-Amerikanerinnen sind das einzige Team mit einer positiven Bilanz gegen Deutschland. Sie haben 16 der 25 Begegnungen gegen die DFB-Auswahl gewonnnen. Wie lautet Ihr Rezept?
Ganz einfach. Um die deutsche Mannschaft zu schlagen, muss man eine perfekte Leistung abrufen. Deutschland hat hervorragende Spielerinnen, wie zum Beispiel Birgit Prinz, die jederzeit ein Spiel entscheiden können. Kerstin Garefrakes finde ich auch sehr stark. Ich erinnere mich noch an das Kopfballtor, das uns Garefrakes im Halbfinale der WM 2003 erzielte. Sie war in diesem Spiel überall präsent und hat uns nach einer Ecke überrascht.

Sind Sie erleichtert, dass Sie diesmal nicht gegen Steffi Jones antreten müssen?
Ich glaube, für keine Stürmerin der Welt war es ein Vergnügen, gegen Steffi zu spielen. Wenn ich mich nicht täusche, habe ich nie ein Tor gegen Steffis Mannschaften geschossen. Das waren schon harte Duellen, aber ich muss sagen, sie war immer fair. Da haben wir uns immer nach einem Zusammenprall gefragt, ob alles ok ist. Es hat mich richtig gefreut, als Steffi meine Teamkollegin bei Washington Freedom wurde. Sie hat das Team mit ihrer Leidenschaft geprägt. Im vergangenen Sommer habe ich sie in Washington zum ersten Mal in ihrer Funktion als OK-Präsidentin getroffen. Ich habe sofort bemerkt, dass Sie den Job mit der gleichen Leidenschaft und Sympathie ihrer aktiven Zeit als Spielerin angeht.

Wer sind Ihre Favoriten für die Frauen-WM 2011?
Die USA, Deutschland und Brasilien werden um den Titel kämpfen. Zudem muss man mit Japan rechnen. Unsere Trainerin, Pia Sundhage, hat die EURO in Finnland verfolgt und war von den Fortschritten einiger Mannschaften begeistert. 2011 wird eine sehr spannende WM.

Wie stellen Sie sich die WM vor?
Die WM wird vom hohen Stellenwert des Frauenfussballs in Deutschland profitieren. Ich finde sehr interessant, wie die deutschen eine Leidenschaft für den Frauenfußball entwickelt haben. Der Frauenfussball hat in Deutschland sein eigenes Publikum, was in den USA nicht der Fall ist. Wir haben ein Event-Publikum. Es macht schon einen Unterschied, wenn man vor einem Frauenfussballpublikum spielt. Die WM in Deutschland ist unser großes Ziel und unsere Arbeit im Verein und der Nationalmannschaft ist nach 2011 ausgerichtet. Wir wollen in Topform antreten.

Was kann man vom U.S.-Team erwarten?
Für Pia Sundhage gilt immer das gegnerische Tor als Ziel. Sie will, dass wir immer nach vorne spielen, obwohl wir uns auch manchmal gedulden müssen, um die richtige Lücke zu finden. Wir sind eine offensive Mannschaft mit dem richtigen Mix aus Erfahrung und Jugend.