Vier Siege in fünf Spielen und dazu ein Torverhältnis von 12:0 - das ist die Bilanz des englischen Frauen-Nachwuchses, der sich bei der UEFA U-19-Frauen-Europameisterschaft in Belarus letztlich verdient den Titel gesichert hat. Im Finale gegen Schweden reichte ein Doppelschlag innerhalb von vier Minuten von Toni Duggan (33.) und Jordan Nobbs (37.) für den ersten Titel der weiblichen Youngster von der Insel.

Von Beginn des Turniers an präsentierten sich die Engländerinnen als eine geschlossene Einheit und ließen in der Gruppenphase gegen Island (4:0) und den späteren Finalgegner Schweden (3:0) keinen Zweifel an ihrer Klasse aufkommen. Lediglich gegen Norwegen reichte es nur zu einem torlosen Unentschieden. Im Halbfinale waren die Schweizerinnen gegen das Team um Mannschaftsführerin Michelle Hinnigan beim 0:3 ohne Chance.

Für Rekordchampion Deutschland endete das Turnier überraschend nach der Gruppenphase. Nach Siegen gegen Frankreich (2:1) und dem Gastgeber sowie einer Niederlage gegen die Schweiz (0:3) musste der fünfmalige Europameister nur aufgrund des direkten Vergleiches vorzeitig die Koffer packen. Damit riss auch die Serie der Deutschen, die in den letzten fünf Endrunden stets ins Halbfinale kamen. Immerhin: Der 9:0-Kantersieg gegen Belarus war der höchste Erfolg in der Geschichte des Wettbewerbs.

England nicht zu stoppen
Auch für den Gastgeber war nach drei Niederlagen (1:16 Tore) in der Gruppe A Endstation, der damit als einziges Team des Turniers ohne Punktgewinn blieb. Doch dafür ist der Blick auf die Zuschauerzahlen mehr als positiv: Noch nie kamen so viele Menschen zu einer U-19-Endrunde für Frauen.

In der Gruppe B setzten sich England (7 Punkte) und Schweden (6) souverän durch und wiesen dabei Norwegen (2) und Island (1) in die Schranken. Island feierte bei der zweiten Turnier-Teilnahme seinen ersten Punktgewinn, nachdem man vor zwei Jahren noch ohne Zähler blieb. Das Ausscheiden der Norwegerinnen dagegen gehörte sicherlich zu den Überraschungen der Endrunde. Schließlich erreichte das Team von Trainer Jarl Torske in den vergangenen zwei Auflagen jeweils das Halbfinale (2007) bzw. das Finale (2008).

Während die Engländerinnen in der Runde der letzten Vier die Aufgabe Schweiz problemlos lösten, sah es lange Zeit nicht danach aus, dass Schweden im Duell mit Frankreich den weiblichen Three Lions ins Finale folgen sollte.

"Ein unglaubliches Gefühl"
Die Les Bleuettes schienen nach der 2:1-Führung durch Charlène Sasso (68. Minute) schon auf der Siegerstraße zu sein, doch ebenso wie in den letzten beiden Gruppenspielen kamen die Skandinavierinnen nach Rückständen zurück und gewannen am Ende. Sofia Jakobsson markierte vier Minuten vor Schluss nicht nur den Ausgleich, sondern war auch in der Verlängerung zweimal erfolgreich. 5:2 hieß es nach 120 Minuten. Erstmals seit dem Europameistertitel 1999 zog Schweden wieder in das Finale einer Frauen-U-19-EM ein.

Dort allerdings erwiesen sich die Engländerinnen als unüberwindbares Hindernis. "Das ist ein unglaubliches Gefühl. Jeder hat danach gestrebt, aber ich hätte nie gedacht, dass es diese englische Mannschaft schaffen würde. Es ist großartig und wird uns hoffentlich in der Zukunft inspirieren",  jubelte die englische Trainerin Mo Marley nach dem 2:0-Erfolg ihres Teams.

Der Trainer auf der Gegenseite, Calle Barrling, zeigte sich als fairer Verlierer. "Glückwunsch an England - das war nicht nur heute eine exzellente Leistung, sondern während des gesamten Turniers, und das ohne Gegentor und alles. Wir haben gegen eine bessere Mannschaft verloren."

Vorfreude auf 2010
Neben dem neuen U-19-Frauen-Europameister ist auch die Entscheidung über die fünf europäischen Teilnehmer an der FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft 2010 in Deutschland gefallen. Neben der gesetzten Auswahl des Deutschen Fussball-Bundes (DFB) haben sich dank ihrer Halbfinalteilnahme England, Frankreich, Schweden und die Schweiz für das Turnier im kommenden Jahr qualifiziert.

Außer den fünf europäischen Nationen wird das Starterfeld der U-20-WM durch drei Nationen aus Asien, zwei aus Afrika, drei aus Nord-, Mittelamerika und der Karibik sowie zwei aus Südamerika und eines aus Ozeanien komplettiert.