Sissi: Die Erfinderin des Frauenfussballs in Brasilien

Der Höhenflug des brasilianischen Frauenfussballs mag zwar erst in den letzten Jahren unter der Führung des Ausnahmetalents Marta begonnen haben, aber all die Erfolge basieren auf einem soliden Fundament, das von der vorherigen Spielerinnengeneration gelegt wurde. Auch diese Generation konnte mit einer Führungsspielerin aufwarten, die auf der Position der Nummer zehn Meisterleistungen vollbrachte: Sisleide Lima do Amor, besser bekannt unter dem Namen "Sissi".

Sissi ließ sich von Vorurteilen nicht beeindrucken und begann bereits früh, gemeinsam mit den Jungs auf der Straße Fussball zu spielen. "Wir haben improvisiert und als Ball war uns fast alles recht: eine Apfelsine, eingerollte Socken, ich habe sogar den Puppen die Köpfe abgerissen, um Fussball spielen zu können", berichtet die talentierte Mittelfeldspielerin, die mit gerade einmal 14 Jahren ihr Zuhause verließ, um ins Fussballinternat einer Profimannschaft zu ziehen.

Glanzmomente in den USA
Diese Entscheidung sollte sich als goldrichtig erweisen. Seit mehr als 25 Jahren ist der Fussball Sissis Hauptlebensinhalt - und mehr noch: Unter ihrer Führung entwickelte sich Brasilien im Frauenfussball von einer unbekannten Größe zu einer hervorragenden Mannschaft, die bei allen großen Turnieren zu überzeugen wusste. Ein Paradebeispiel dafür ist die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 1999 in den USA, bei der sie in der Seleção eine Führungsrolle übernahm und mit dem Team schließlich den dritten Platz belegte.

Außerdem wurde sie gemeinsam mit der Chinesin Sun Wen als beste Torschützin des Turniers mit dem Goldenen Schuh von adidas ausgezeichnet. Bei den Olympischen Spielen von Sydney konnte die Mannschaft ihren Aufschwung bestätigen und zog erneut ins Halbfinale ein. Allerdings unterlag man im Spiel um die Bronzemedaille der deutschen Mannschaft mit 0:2 und ging daher leer aus.

"Eine große Inspiration"
Aber Sissi war nicht nur wegen der Erfolge so wichtig für die brasilianische Mannschaft, sondern sie legte vor allem den Grundstein für die nachfolgende Generation. Diese sollte nämlich bei den Olympischen Spielen 2004 in Athen und 2008 in Peking jeweils die Silbermedaille gewinnen und belegte bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2007 in China ebenfalls den zweiten Platz. "Sissi war ohne Zweifel eine große Inspiration für viele brasilianische Nachwuchsspielerinnen", erklärte René Simões, der die Seleção bei den Olympischen Spielen in Athen trainierte.

Nach drei FIFA Frauen-Weltmeisterschaften (1991, 1995 und 1999) sowie zwei Olympiateilnahmen (1996 und 2000) erklärte Sissi ihre Karriere keinesfalls als beendet: 2001 wechselte sie in die USA, wo sie einerseits in ihrer üblichen Rolle als Mittelfeldstar glänzte und andererseits bereits zum Trainerstab der Nachwuchsmannschaften der Klubs gehörte, die sie durchlief. 2009, im Alter von 42 Jahren, war sie noch für den FC Gold Pride aktiv und wurde dort später für eine Saison Assistenztrainerin. "Der Fussball hat mir so viel gegeben. Nun hoffe ich, etwas zurückgeben zu können. Ich kann mir ein Leben abseits dieser Sportart einfach nicht vorstellen."