Hege Riise: Norwegens legendäre Spielmacherin

Sie ging als die Frau mit den "sechs Augenpaaren" in die Geschichte ein: Hege Riise konnte das Spiel in ihrer Zeit wie kaum eine andere lesen und avancierte auch dank dieser Qualität zu einer der erfolgreichsten Fussballerinnen der Welt. Die heute 41-jährge Norwegerin gewann in ihrer glanzvollen Karriere sowohl die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft als auch die UEFA Frauen-Europameisterschaft und die Olympische Goldmedaille.

Die begnadete Mittelfeldspielerin setzte Maßstäbe. "Das Spiel läuft in gewisser Weise wie in Zeitlupe, und noch bevor ich den Ball bekomme, kann ich erkennen, wie sich Spielzüge entwickeln", so die eigentlich eher schüchterne Riise über ihre außergewöhnlichen Fähigkeiten. "Ich bin nicht so schnell, also muss ich schneller denken. Das ist eine meiner Stärken. Ich kann das Spiel frühzeitig lesen und dann Entscheidungen treffen."

"Clever, flexibel und kreativ"
Ihre ehemalige Trainerin von Carolina Courage, Marcia McDermott, sagte einmal über sie: "Hege ist so gut, dass jedes gegnerische Team versucht, sie aus dem Spiel zu nehmen - aber immer vergeblich. Will man sie in Manndeckung nehmen, schwebt sie förmlich um ihre Gegenspielerin herum und nimmt den Ball an. Sie ist clever, flexibel und kreativ." Man kann bei Riise also durchaus davon sprechen, dass sie eine der ersten echten "Zehner" des Frauenfussballs war.

Geboren wurde sie in einer Kleinstadt bei Oslo namens Lorenskog. Obwohl Riise sich auch für Skilanglauf und Handball interessierte, lag ihre Zukunft eindeutig im Fussball. Da Lorenskog jedoch kein Frauenfussball-Team hatte, spielte sie schon als Sechsjährige vor und nach der Schule mit den Jungen. "Als einziges Mädchen in der Mannschaft musste ich lernen, kreativ mit dem Ball umzugehen. Ich habe viel Spaß dabei gehabt, aber um mit den Jungs mithalten zu können, musste ich beständig stärker und schneller werden."

Triumphe und Rekorde
Gegen Ende ihrer Teenager-Zeit erfuhr die Nachwuchsfussballerin erstmals, dass es eine norwegische Frauenfussball-Nationalmannschaft gibt. Im Alter von 20 Jahren war es dann soweit: Riise debütierte 1990 im Nationalteam - und Norwegens Aufstieg zur Weltmacht im Frauenfussball sollte beginnen. "Mit meiner Karriere war es wie mit einem guten Rotwein", so Riise heute: "Sie wurde mit dem Alter immer besser."

1993 gewann sie mit Norwegen den EM-Titel, um zwei Jahre später gar die WM-Trophäe in die Höhe stemmen zu dürfen. Beim globalen Showdown in Schweden erhielt Riise auch den Goldenen Ball von adidas als beste Spielerin des Turniers. Doch die Erfolgsstory der Mittelfeldregisseurin war noch lange nicht zu Ende, denn im Jahr 2000 gewann sie mit ihrem Heimatland in Sydney auch noch das Olympische Fussballturnier der Frauen. Als Riise im September 2004 ihre Länderspielkarriere beendete, standen 188 Einsätze und 58 Tore zu Buche.

Neue Ziele als Trainerin
Natürlich hinterließ sie auch auf Vereinsebene ihre Spuren. Gleich auf drei Kontinenten werden Triumphe mit ihrem Namen verbunden. In ihrer Heimat gewann Riise mit Setskog-Holand (1992) und Asker FK (2000) jeweils den Pokalwettbewerb, dazwischen feierte sie in Japan mit Nikko Securities eine nationale Meisterschaft sowie zwei Cup-Triumphe (1996 und 1997). Anschließend führte sie Carolina Courage in den USA zum Titel im WUSA Founders Cup (2002).

Nach dem Ende ihrer aktiven Laufbahn im Jahr 2006 begann Riise, als Trainerin erste Erfahrungen zu sammeln. Zwischen 2009 und 2011 war sie an der  Seite von Cheftrainerin Pia Sundhage als Assistenzcoach bei der U.S.-amerikanischen Frauen-Nationalmannschaft tätig. Seit 2013 fungiert sie als Co-Trainerin der norwegischen Frauennationalmannschaft an der Seite von Even Pellerud.

Fans und Experten haben keinerlei Zweifel, dass es zahlreiche Fähigkeiten gibt, die die aktuellen Stars des Frauenfussballs von Riise lernen können.