TAGESRÜCKBLICK – Für abergläubische Zeitgenossen in vielen Ländern rund um die Welt gilt die 7 als Glückszahl und die 13 als Unglückszahl. Am siebten Spieltag der Olympischen Fussballturniere von Rio 2016, der Viertelfinalrunde bei den Frauen, schienen beide am Werk. Zwei der spannenden Partien wurden erst im Elfmeterschießen entschieden.

Die Stars and Stripes schieden in Brasília gegen die Schwedinnen aus, wobei Alex Morgan, die Nummer 13 der USA, eine entscheidende Rolle spielte. Mit ihrem 13. Länderspieltor des Jahres 2016 glich sie in der 77. Minute, also genau 13 Minuten vor Schluss, die zuvor durch Stina Blackstenius erzielte schwedische Führung aus. Dann allerdings schlug das Unglück zu, als Morgan im Elfmeterschießen den ersten Schuss vergab. Am Ende verwandelte Lisa Dahlkvist (mit der Rückennummer 7) den entscheidenden Elfmeter. Damit ist im Nationalstadion Mané Garrincha in Brasília nach Mexiko bei den Männern am Mittwoch nun auch der zweite Goldmedaillengewinner von London 2012 ausgeschieden.

Melanie Behringer, die deutsche Nummer 7, musste sich im Viertelfinale gegen die VR China nicht auf das Glück verlassen, sondern zeigte bei ihrem Gewaltschuss zum entscheidenden Treffer einfach ihr ganzes Können. Die Asiatinnen wiederum hatten Pech, als Wang Shuang kurz vor Schluss einen Elfmeter nicht nutzen konnte, um die Verlängerung zu erzwingen. Ihr Schuss prallte vom Pfosten zurück ins Spielfeld.

Für Kanada wiederum erwies sich die 13 als Glückszahl: Sophie Schmidt war im richtigen Moment zur Stelle und erzielte das einzige Tor der Partie gegen Frankreich. Vier Jahre zuvor in London hatten sich die Kanadierinnen im Spiel um die Bronzemedaille schon einmal mit dem gleichen Ergebnis gegen die Französinnen durchgesetzt.

Im letzten Spiel des Tages wurden die Nerven der Brasilianerinnen und ihrer Fans noch einmal bis zum Schluss strapaziert. Nach 120 torlosen Minuten setzten sich die Gastgeberinnen schließlich im Elfmeterschießen gegen Australien durch und feierten damit eine gelungene Revanche für das Ausscheiden gegen die Matildas bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft im vergangenen Jahr. Tamires verwandelte den siebten Elfmeter für Brasilien. Es war insgesamt der 13. Schuss, der in diesem Elfmeterschießen den Weg in die Maschen fand. Anschließend scheiterte Alanna Kennedy an Brasiliens Torhüterin Barbara.

Die Ergebnisse
Viertelfinale
USA – Schweden 1:1 (3:4 i.E.)
China VR – Deutschland 0:1
Kanada – Frankreich 1:0
Brasilien – Australien 0:0 (7:6 i.E.)

Das Tor des Tages
China VR – Deutschland 0:1, Melanie Behringer (76.)
Die Schützlinge von Silvia Neid rannten in ihrem Viertelfinale in Salvador wieder und wieder erfolglos gegen die scheinbar unüberwindliche chinesische Mauer an. Erst in der 76. Minute gelang der deutschen Spielerin mit der Rückennummer 7 mit einem fulminanten Distanzschuss der entscheidende Treffer, der letztlich den Sieg bedeutete. Anja Mittag legte eine Flanke von links mit viel Übersicht zurück auf Behringer,  die sofort abzog und den Ball an der machtlosen chinesischen Torhüterin Zhao Lina vorbei in die Maschen setzte.

Besondere Momente
Dahlkvist mit Nerven wie Drahtseile
Lisa Dahlkvist hatte das alles schon einmal erlebt. Bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2011™ war sie im Gruppenspiel gegen die USA zum Elfmeter gegen Hope Solo angetreten  und hatte ihn verwandelt. Dieses Mal musste Dahlkvist vor ihrem Schuss noch warten, denn Solo musste vor dem Elfmeter noch ihre Handschuhe tauschen, nachdem bei einem "der Klettverschluss abgerissen war", wie die Torhüterin erläuterte. Dahlkvist ließ sich davon allerdings nicht beirren  und jagte den Ball in die Maschen. Schweden steht damit im Halbfinale von Rio 2016, während die USA erstmals bei einem Olympischen Fussballturnier der Frauen ohne Medaille bleiben werden.

Schult tröstet Shuang, Cristiane tröstet Williams
In Salvador steuerten die Deutschen nach dem Hammertor von Behringer auf den Sieg und den Halbfinaleinzug zu. Dann allerdings verursachte Leonie Maier einen Foulelfmeter an Wang Shuang und verschaffte den Asiatinnen damit die Riesenchance zum Ausgleich. Doch die chinesische Stürmerin setzte den Ball an den Pfosten. Als der Ball wenige Sekunden später aus dem Spiel war, spendete die deutsche Torhüterin Almuth Schult der gescheiterten Schützin mit einer bewegenden Geste etwas Trost. Später gab es in Belo Horizonte ganz ähnliche Bilder. Bei der australischen Torhüterin Lydia Williams, die während der Partie mit einer Glanztat das Unentschieden festgehalten hatte, flossen nach dem verlorenen Elfmeterschießen die Tränen. Da kam Cristiane, ihre frühere Teamkameradin bei den Chicago Red Stars, zu ihr und versuchte, ihr trotz des Ausscheidens etwas Trost zu spenden.

Historische Spielerinnenwechsel bei USA gegen Schweden
Als sich Mallory Pugh in der Verlängerung verletzte, konnte die U.S.-amerikanische Trainerin Jill Ellis von einem Beschluss des IFAB vor fünf Monaten in Cardiff profitieren. Damals war eine zweijährige Testphase für eine vierte Auswechslung in der Verlängerung verabschiedet worden. In Rio gilt diese Regelung nun erstmals bei einem großen internationalen Turnier. Und so konnte Lindsey Horan als vierte Ersatzspielerin auf Seiten der USA für Pugh eingewechselt werden. Nach diesem siebten Wechsel kam eine Minute vor Schluss der Verlängerung bei Schweden noch Emma Berglund für Jessica Samuelsson, so dass es in dieser Partie erstmals bei einem Turnier im A-Bereich insgesamt acht Einwechslungen gab.

Das Zitat
"Zunächst einmal hätte es gar nicht zum Elfmeterschießen kommen müssen. Aber ich war trotzdem noch sehr zuversichtlich, was Hope [Solo] und die Schützinnen anging. Leider habe ich dann meinen Schuss nicht verwandelt, dabei ist der erste Schuss für das Selbstvertrauen des Teams sehr wichtig. Dabei habe ich heute leider versagt."
Alex Morgan, USA

Der Spielplan des Halbfinales
Dienstag, 16. August
Halbfinale
Brasilien – Schweden, Rio de Janeiro, Maracanã-Stadion, 13:00 Uhr
Kanada – Deutschland, Belo Horizonte, Estadio Mineirao, 16:00 Uhr

(Alle Zeitangaben in Ortszeit)