Am Freitagabend feierten die deutschen Fussballfrauen einen historischen Sieg. Zum ersten Mal in der Geschichte des DFB gewannen sie Olympisches Gold, nachdem sie zuvor dreimal mit Bronze (Sydney 2000, Athen 2004 und Peking 2008) im Gepäck nach Hause kamen. Gleichzeitig ging an diesem Abend auch eine beeindruckende Ära zu Ende. Für Silvia Neid war das Finale gegen Schweden ihr letztes Spiel als Nationaltrainerin.

Ganz eng ist der Erfolg der deutschen Fussballerinnen ist mit ihrem Namen verknüpft und ihre Biographie liest sich wie eine scheinbar endlose Folge von Triumphen. Neid war als Spielerin, Co-Trainerin an der Seite von Tina Theune und Trainern an jedem der acht EM- und zwei WM-Titeln der DFB-Frauen beteiligt. Mit der Goldmedaille krönte die 52-Jährige, die das Zepter nach den Olympischen Spielen in Rio an die ehemaligen Nationalspielerin Steffi Jones übergibt, ihre Zeit an der Seitenlinie.

FIFA.com sprach nach dem Triumph im Maracanã-Stadion von Rio de Janeiro exklusiv mit Neid über diesen Moment und was ihr während ihrer Zeit als Trainerin besonders wichtig war. 

Gibt es ein schöneres Ende für Ihre Zeit als Bundestrainerin?
Für mich ist es das berühmte i-Tüpfelchen auf Allem. Ich habe eine Riesenkarriere gehabt, habe so viele Titel gewonnen. Dass die deutsche Nationalmannschaft jetzt zum ersten Mal die Goldmedaille gewonnen hat, das toppt alles. Ich bin so froh und happy und auch so stolz auf die Mannschaft und das Team Drumherum. Denn alleine wäre ich ja gar nix.

Hatten Sie zwischendurch Mal das Gefühl, dass es mit dem Titel nicht klappen könnte?
Klar. In der Vorrunde haben wir bombastisch gegen Simbabwe gespielt. Hatten dann aber mit Simone Laudehr gleich eine Schwerverletzte. Im zweiten Spiel gegen Australien haben wir aufgrund unserer guten Moral 2:2 gespielt. Im letzten Spiel wussten wir dann nicht so genau, ob wir Zweiter oder Erster werden. Das war irgendwie ein ganz seltsames Spiel. Wir mussten viele Spielerinnen aufgrund von Angeschlagenheit und Müdigkeit schonen.

Wie bewerten Sie die Leistung Ihres Teams in der K.o.-Phase?
Ich finde, dass wir ab dem Viertelfinale einfach da waren. Das war für mich dann wirklich entscheidend. Da war dann so eine Phase, in der ich gedacht haben: Oh, oh. Wir brauchen ein bisschen, um ins Turnier zu finden. Aber ab dem Viertelfinale gegen China war es einfach offensichtlich: Die Mannschaft ist da und die will es auch. Die wollten es unbedingt. Ich habe auch gemerkt, dass wir hier nicht schlechter sind als andere Nationen, im Gegenteil. Wir haben uns gut vorbereitet, die Spielerinnen waren super fit und wir haben erkannt, dass dieses Mal etwas möglich ist.

Sie haben einmal in einem Interview mit FIFA.com gesagt, dass Sie sehr viel von Ihren ehemaligen Trainern gelernt haben. Unter anderem auch von Tina Theune. Was geben Sie Ihrer Nachfolgerin Steffi Jones mit auf den Weg?
Das Wichtigste ist, dass man sich als Trainer selbst findet. Das man weiß, was man möchte und was für eine Philosophie man hat. An dieser Philosophie muss man arbeiten. Es kommen dann natürlich auch Trends und Entwicklungen hinzu. Das Allerwichtigste ist, dass man sich nicht verstellt und irgendjemand sein will, sondern dass man authentisch ist.

Und was war Ihnen in Ihrer langen und erfolgreichen Laufbahn als Trainerin am wichtigsten?
Ich aus meiner Erfahrung kann sagen, dass ich immer gut damit gefahren bin, total ehrlich zu sein. Ich war zu meinen Spielerinnen immer ehrlich, was für diese sicher nicht immer einfach war, da Ehrlichkeit manchmal auch weh tut. Aber auf lange Sicht gesehen, war es für alle immer das Beste. Als Trainerin sehe ich Ehrlichkeit als am wichtigsten an.