TAGESRÜCKBLICK – Die Halbfinalpartien des Olympischen Fussballturniers der Frauen Rio 2016 waren Neuauflagen von Spielen der Gruppenphase. Daher waren sie zum Teil auch von Déjà-vu-Situationen und Revanche geprägt. Am Ende zogen Schweden und Deutschland ins Finale ein und sicherten sich damit auf jeden Fall eine Medaille. Das Endspiel findet am Freitag statt.

Die Schwedinnen erreichten exakt das gleiche Ergebnis wie im Viertelfinale gegen die USA, nachdem sie Brasilien nach 120 torlosen Minuten ins Elfmeterschießen gezwungen hatten. Schweden bot eine hervorragende Defensivleistung und war weit von der bitteren 1:5-Niederlage entfernt, die das Team vor gerade einmal zehn Tagen in Gruppe E gegen Brasilien erlitten hatte. Das Elfmeterschießen bot dann einige Momente, die den Zuschauern irgendwie bekannt vorkamen. Barbara hielt nach dem Fehlversuch einer Stürmerikone einen Elfer, und Cristiane vergab ihren Strafstoß, nachdem Marta im Viertelfinale dasselbe passiert war. Dieses Mal hatten allerdings die Schwedinnen das bessere Ende für sich, denn es gelang ihnen, eine exakte Kopie ihres Viertelfinalsieges hinzulegen. Lisa Dahlkvist verwandelte einmal mehr den entscheidenden Elfmeter zum 4:3-Endstand – genau wie gegen die USA.

In der anderen Partie dürfte Melanie Behringer in Erinnerungen an ihren in der Gruppenphase gegen Kanada verwandelten Elfmeter geschwelgt haben, als Kadeisha Buchanan die deutsche Angreiferin Alexandra Popp im kanadischen Strafraum unsanft von den Beinen holte. Behringer ließ auch dieses Mal nichts anbrennen und donnerte das Leder erneut sicher an Stephanie Labbé vorbei in die Maschen. Es war der erste Treffer der Partie, genau wie vor exakt einer Woche im Spiel der Gruppe F gegen Kanada. Allerdings hatten die Deutschen das Gruppenspiel noch verloren, und nun gelang ihnen die Revanche. Mit Sara Däbritz' Treffer im zweiten Durchgang sicherte sich das Team den Sieg und eine Medaille.

Die Ergebnisse
Halbfinale
Brasilien – Schweden 0:0 n.V. (3:4 i.E.)
Kanada – Deutschland 0:2

Das Tor des Tages
Kanada – Deutschland 0:2, Sara Däbritz (59.)
Anja Mittag nahm den Ball mit dem Rücken zum Tor an, drehte sich und fand die Spielerin mit der Rückennummer 13, die heranstürmte, um sich der Offensive anzuschließen. Däbritz zog mit einer schönen Finte nach innen, ließ Buchanan stehen, legte sich den Ball auf den rechten Fuß und jagte ihn an der chancenlosen Labbé vorbei mit einem präzisen Schuss ins Netz.

Besondere Momente
Brasilien-Fans sehen Gold im Maracanã
Als die Fans des Heimteams gespannt die Partie verfolgten in der Hoffnung, dass ihre Idole am Freitag an gleicher Stelle um die Goldmedaille spielen würden, erhaschten sie auf den Rängen einen flüchtigen Blick auf eine Frau, die weiß, was es heißt, Olympiasiegerin zu werden. Rafaela Silva, Goldmedaillengewinnerin im Judo, sah sich das Halbfinale der Seleção live im Stadion an, und die Zuschauer wurden in der Nachspielzeit, kurz vor dem entscheidenden Elfmeterschießen, auf sie aufmerksam. Sogleich stimmten sie für sie den traditionellen brasilianischen Siegergesang "É campeão!" an. Sie trug die Goldmedaille, die zum Zeitpunkt ihres Finales die erste war, die ihr Land in Rio gewann. Allerdings sollte sich das Ganze nicht als positives Omen für die Gastgeberinnen erweisen.

Dahlkvist hat es wieder getan
Lisa Dahlkvist gehört zweifellos zu den Spielerinnen, die man in der amerikanischen Sportwelt häufig als "Clutch Player" bezeichnet. Gemeint ist eine Spielerin, die fest auf ihre Fähigkeiten vertraut und in den entscheidenden Momenten in der Lage ist, eine Schlüsselrolle zu übernehmen und ihrem Team den Sieg zu bringen. Als sie im Viertelfinale des Olympischen Fussballturniers im Elfmeterschießen Hope Solo gegenüberstand, einer Torfrau, die ihren Kasten auf internationaler Ebene über 100 Mal sauber gehalten hat, versenkte sie den Ball mit einem wuchtigen Schuss sicher in den Maschen – und das nach einer Wartezeit, die manch andere Spielerin aus der Konzentration gebracht hätte. Als Pia Sundhage nun entscheiden musste, welche Schützin im Halbfinale den fünften Elfmeter gegen die Gastgeberinnen ausführen sollte, musste sie nicht lange überlegen. Eine Laune des Schicksals bot der schwedischen Nummer sieben die Möglichkeit, genau dasselbe wie im Viertelfinale noch einmal zu vollbringen – das Elfmeterschießen mit 4:3 zu gewinnen. Sie ließ nichts anbrennen und knallte die Kugel an Barbara vorbei in die Maschen, schoss ihr Team damit ins Finale und sicherte ihrem Land eine Medaille.

Däbritz macht sich verdient
Sara Däbritz hat mit Fug und Recht den Sprung in die deutsche A-Nationalmannschaft geschafft, nachdem sie zuvor bereits eine Hauptrolle in zahlreichen Juniorinnenteams gespielt hatte. Bei ihrem ersten Auftritt auf der Weltbühne, bei der FIFA U-17-Frauen-Weltmeisterschaft 2012 erzielte sie drei Tore und belegte mit ihrem Team am Ende den vierten Platz. Dann leistete sie mit fünf Toren in sechs Spielen einen entscheidenden Beitrag zum Titelgewinn Deutschlands bei der FIFA U-20-Frauen-Weltmeisterschaft 2014. Bei ihrem WM-Debüt auf A-Nationalmannschaftsebene erzielte sie im letzten Sommer zwei weitere Treffer, es reichte jedoch wieder nur zum vierten Platz. Im Halbfinale gegen die gefährlichen Kanadierinnen brauchte Deutschland nun dringend ein Polster, und die 21-Jährige erzielte den entscheidenden zweiten Treffer. Damit hat sie ihrem Ruf als ausgezeichnete Turnierspielerin erneut alle Ehre gemacht. Die deutschen Fans werden hoffen, dass Däbritz am Freitag ein Déjà-vu hat und dem vierten Platz ein weiteres Mal einen Titelgewinn folgen lassen kann.

Das Zitat des Tages
"Glückwunsche an Pia und die schwedische Mannschaft zum Finaleinzug. Es ist egal, wie man etwas erreicht, solange man es erreicht. #respect"
Abby Wambach (ehemalige U.S.-Nationalspielerin und Goldmedaillengewinnerin der Jahre 2004 und 2012)

So geht es weiter
Freitag, 19. August 
Spiel um die Bronzemedaille
Brasilien – Kanada, São Paulo, Arena Corinthians, 13:00 Uhr 

Spiel um die Goldmedaille
Schweden – Deutschland, Rio de Janeiro, Maracanã, 17:30 Uhr 

(Alle Zeitangaben in Ortszeit)