Louisa Cadamuro war an diesem 13. August die Letzte, die die Arena Corinthians von São Paulo verließ. Als ob sie ihre letzten Momente als Fussballerin noch ein wenig verlängern wollte. Man wird sie nicht wieder im französischen Nationaltrikot sehen. Auch nicht in den Farben von Olympique Lyonnais. Sie gehörte seit fast zehn Jahren zu den herausragenden Akteurinnen des französischen Frauenfussballs. Die Spielerin, die aufgrund ihrer algerischen Herkunft, der Kindheit in Marseille, ihrer Position auf dem Feld und nicht zuletzt ihrer außergewöhnlichen Qualitäten am Ball so oft mit Zinédine Zidane verglichen worden ist, beendet nach 148 Länderspielen und 38 Toren ihre Karriere. Aber nicht mit einem Kopfstoß.

"Ich habe diese Entscheidung getroffen, als mir klar wurde, dass ich mein privates und mein Leben als Sportlerin nicht vereinen kann", erklärte sie der Zeitung L’Equipe kurz vor Beginn des Olympischen Fussballturniers der Frauen. "Wenn ich die Wahl zwischen meiner Karriere, die sehr schön gewesen ist, und meinem Ehemann treffen muss, fällt mir die Entscheidung leicht. Viele Menschen leben in einer Fernbeziehung und sind glücklich damit. Aber das ist nicht meine Lebensauffassung", ergänzte sie.

Louisa mag unter dem Namen Nécib berühmt geworden sein, aber auch der, der in Rio 2016 zum ersten Mal auf ihrem Trikot zu lesen war, ist in der Fussballwelt nicht ganz unbekannt. Die Spielerin hat im Juni 2016 den algerischen Nationalspieler Liassine Cadamuro geheiratet und dessen Namen angenommen. Letzterer wurde erst kürzlich von Milovan Rajevac in den Kader der algerischen Auswahl für den sechsten Spieltag in der Qualifikation zum CAF Afrika-Cup 2017, der Anfang September stattfindet, berufen.

"Sie wird uns fehlen, das ist sicher. In persönlicher Hinsicht, weil sie jemand ist, den ich sehr gern habe. Und spielerisch ist sie eine Fussballerin, die ich bewundere. Es ist unglaublich, zu was sie mit dem Ball in der Lage ist. Sie ist eine der besten Spielerinnen der Welt", sagte Wendie Renard im Gespräch mit FIFA.com. Die französische Kapitänin spielte seit 2007 auch bei OL mit Cadamuro zusammen. "Sie hat beschlossen, aufzuhören, und wir können ihr für ihr neues Leben nur viel Glück wünschen. Sie hat eine Entscheidung getroffen, das ist ihr gutes Recht. Aber wie sie uns außerdem erklärt hat, durfte sie Welt- und Europameisterschaften sowie Olympische Turniere erleben. Und mit Lyon hat sie absolut alles gewonnen!"

Tatsächlich kann Cadamuro auf eine im französischen Fussball seltene Erfolgsliste zurückblicken. Mit OL hat sie seit 2007 drei Mal die UEFA Women’s Champions League und nicht weniger als neun Mal die französische Meisterschaft gewonnen. Mit Les Bleues hingegen fiel die Ausbeute etwas magerer aus. Bis auf zwei Triumphe beim Turnier in Zypern blieben ihr größere Titel verwehrt. "Es ist schade, dass sie nach einer solchen Niederlage aufhört. Sie ist eine Gewinnerin. Wir hätten ihr so viel lieber eine Medaille geschenkt", räumt Elise Bussaglia gegenüber FIFA.com ein. Ihre Teamkameradin Griedge Mbock Bathy pflichtet ihr bei: "Sie ist eine sehr große Spielerin. Wir werden sie in Lyon und der Nationalmannschaft vermissen. Wir werden Gewissensbisse haben, weil wir es nicht geschafft haben, ihr einen standesgemäßen Abschied mit einer Medaille zu bieten."

"Glück im Spiel ..."
In der Partie gegen Kanada hatte Nationalcoach überraschend entschieden, Louisa Cadamuro zunächst auf der Bank zu lassen. Dabei war sie in der Gruppenphase eine der besten Spielerinnen des Teams gewesen. "Ich wollte rotieren. Ich muss in körperlicher Hinsicht auf die Organismen achten und habe entschieden, ohne Louisa anzufangen und sie in der zweiten Halbzeit zu bringen", erklärt Bergeroo, der die Akteurin in der 62. Minute einwechselte. "Ich bedaure das Ausscheiden für sie und für alle anderen. Dabei hatten wir einen guten Start in das Turnier erwischt. Wir haben Kolumbien 4:0 geschlagen, gegen die USA trotz der Niederlage ein gutes Spiel gemacht und gegen Neuseeland 3:0 gewonnen."

Mehr als die abschließende Partie gegen Kanada, die bei Cadamuro, Les Bleues und ihren Fans zwangsläufig ein Gefühl der Bitterkeit hinterlassen muss, wird das Spiel gegen die Football Ferns als der letzte große Moment der Nummer 14 in Erinnerung bleiben. Bereits in der Auftaktbegegnung gegen Kolumbien hatte sie mit einer starken Leistung brilliert, die sie gegen Neuseeland mit einem glänzenden Auftritt und einem Doppelpack krönte. "Wenn sie auf diesem Niveau spielt, sagt das alles über die Lücke aus, die sie hinterlassen wird", sagte Camille Abily nach der Partie. "Solche Spielerinnen gibt es nicht viele. Wir werden ohne sie mehr machen müssen. Es wird schwer, aber es wird uns gelingen", sagte wiederum Sakina Karchaoui.

Mit ihrem Talent hat Cadamuro den französischen Frauenfussball für immer geprägt. Ob das umgekehrt genauso gilt, ist nicht ganz sicher: "Im Moment ist die schönste Erinnerung in meiner Karriere meine Ehe! In Lyon habe ich das schönste Ende erleben dürfen, das man sich wünschen kann. Höchstens durch eine Medaille bei den Spielen könnte es noch besser werden", hatte Cadamuro vor den Olympischen Spielen gesagt. Zweifellos wird sie sich mit ihrem neuen Familienleben zu trösten wissen. Denn wie sagt das Sprichwort: "Pech im Spiel, Glück in der Liebe."