Schmidt: "Die Zeit für uns ist jetzt gekommen"
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Es gehört zu den Weisheiten des Lebens, dass das Beste an einer Talfahrt die Tatsache ist, dass es danach nur wieder aufwärts gehen kann. Vergleicht man die Gesichter der kanadischen Nationalspielerinnen von vor einem Jahr und heute, könnte diese Weisheit nicht besser unterstrichen werden.

Erstmals in der Geschichte des Olympischen Fussballturniers der Frauen haben die Ahornblätter das Halbfinale erreicht und liegen auf Medaillenkurs. Vor zwölf Monaten musste man bereits nach der Gruppenphase der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011™ die bittere Heimreise antreten. Nun sind die Nordamerikanerinnen nicht mehr wiederzuerkennen. Tiefe Enttäuschung ist purer Freude und großem Tatendrang gewichen.

"Wir fühlen uns wie in Ekstase", beschreibt Sophie Schmidt im Exklusiv-Gespräch mit FIFA.com. Dabei hat die 24-jährige Mittelfeldspielerin Kanadas dieses ganz besondere Funkeln in den Augen. "Auch wenn es komisch klingt, aber wir wussten, dass wir gegen Großbritannien gewinnen und ins Halbfinale einziehen würden. Das ist genau das Selbstvertrauen, das uns im Moment ausmacht."

Kanadas völlig neues Gesicht
Die blonde Nummer 13 der Kanadierinnen steht sinnbildlich für die neuen Qualitäten des Teams. Mit purem Siegeswillen liefert Schmidt im Schaltzentrum ein ums andere Mal beeindruckende Laufleistungen ab, gewinnt mit einer atemberaubenden Zweikampfstärke unzählige Bälle und leitet damit als Umschaltspielerin jede Menge Angriffe ein. Letztlich weiß sie aber dennoch, dass auch sie nur eines von elf Zahnrädern ist, die im Ensemble von Trainer John Herdman derzeit perfekt ineinandergreifen.

"Die Spielerinnen sind immer noch die gleichen wie vor einem Jahr. Aber John und sein Team haben uns im taktischen Bereich stärker gemacht. Wir fühlen uns besser vorbereitet als jemals zuvor", erklärt Schmidt. "Früher sind wir in engen Situationen in Panik verfallen, doch jetzt wissen wir genau, was wir auf dem Platz zu tun haben. Als Kollektiv sind wir jetzt so viel stärker."

Großes Lob vom Coach
Doch das ist noch lange nicht das einzige. "Wir haben Selbstvertrauen! Wir spielen jetzt gegen die besten Mannschaften der Welt, teilweise dominieren wir sie. Das hängt auch damit zusammen, dass wir einen Coach haben, bei dem wir spüren, dass er an uns glaubt. Für uns sind das gerade sehr aufregende Zeiten", fügt Schmidt im Hinblick auf Herdman, der im vergangenen September den Posten des Nationaltrainers übernahm, hinzu.

Herdman selbst ist voll des Lobes über Schmidt, wie er gegenüber FIFA.com erklärt: "Sophie gehört zu der Art von Spielerin, der man gerne zusieht. Sie schwebt förmlich über den Platz und scheint mehr Zeit als jede andere zu haben. Sie hat schon auf verschiedenen Positionen für Kanada gespielt, was ihr geholfen hat, sich zu verbessern. Sie ist eine wahre Antreiberin in unserem Mittelfeld und liefert in jedem Spiel immer wieder eine ehrliche Leistung ab."

Mit offenem Visier gegen die U.S.-Girls
Nun ist das Team um die beiden Top-Angreiferinnen Christine Sinclair und Melissa Tancredi, die zusammen bereits sieben Treffer in London 2012 erzielt haben, bereit für die ganz große Sensation. Am Montag wartet in Manchester Titelverteidiger USA, doch Schmidt ist gewarnt: "Die USA werden uns einen richtigen Fight liefern. Das machen sie immer gegen uns. Sie liefern immer gegen uns ihr bestes Spiel ab. Zudem haben sie einige der schnellsten Spielerinnen der Welt. Und auch einige der erfahrensten. Darauf müssen wir vorbereitet sein."

Angst kennt Schmidt, die die Sprache ihrer deutschen Vorfahren fließend beherrscht und deren großes Ziel es ist, einmal für einen deutschen Klub zu spielen, vor den großen Namen aus dem Nachbarland nicht. "Wir werden einen Weg finden, ihnen Paroli zu bieten. Wir werden das fortsetzen, was wir in den letzten beiden Partien gezeigt haben, und das ist für uns gut aufgegangen. Wir versuchen, ihnen unser Spiel aufzudrängen."

"Könnten in keiner besseren Position sein"
Aus ihr spricht die pure Überzeugung: "Es wäre unglaublich, sie zu schlagen. Mehr als je zuvor ist die Zeit für uns jetzt gekommen. Wir könnten in keiner besseren Position dafür sein." Dabei weiß Schmidt nur zu gut, dass ein Paukenschlag gegen die Führenden der FIFA-Frauenweltrangliste auch in anderer Hinsicht wichtig wäre.

"Unsere Fans wollen uns natürlich erfolgreich sehen. Nach der letzten WM waren sie verständlicherweise enttäuscht. Das ändert sich gerade. Es ist wundervoll, zu sehen, wie man uns unterstützt und mit uns fiebert. Je erfolgreicher wir hier sind, desto größer wird die Unterstützung und Begeisterung in drei Jahren sein." Dann nämlich findet die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft in Kanada statt. Und mit einer Medaille um den Hals ließe es sich für Schmidt und Co. mit noch mehr Ekstase in die Zukunft blicken.