
Wenn Christine Sinclair und Melissa Tancredi so richtig in Fahrt kommen, wird es für jede Abwehr dieser Welt schwer. Die Erleichterung im Lager Kanadas ist groß, denn an diesem Samstag hat es das Torjägerinnenduo beim Olympischen Fussballturnier der Frauen 2012 erstmals so richtig krachen lassen.
Zunächst legte Flügelstürmerin Tancredi in Coventry vor, dann machte Topstar Christine Sinclair mit einem Doppelpack den 3:0-Sieg gegen Südafrika und die damit geglückte Wiedergutmachung nach der 1:2-Auftaktniederlage gegen Weltmeister Japan in der Gruppe F perfekt. Für die beiden bejubelten Heldinnen steht fest, dass dies nach der aus ihrer Sicht enttäuschend verlaufenen FIFA Frauen-WM 2011 der Startschuss für ein neues Kapitel ist.
Explosion bei Olympia
"Es fühlt sich gut an, wieder im Rennen zu sein", erklärte Tancredi nach der Partie im FIFA.com-Gespräch mit einem breiten Grinsen und spürbarer Erleichterung. "Hier ist nun der richtige Zeitpunkt für mich gekommen, um zu zeigen, was ich kann. Ich blicke langsam dem Ende meiner Karriere entgegen und habe bei diesen Olympischen Spielen einiges vor."
Dass sie ausgerechnet in London 2012 einmal mehr explodiert ist, kann nicht nur Zufall sein. Tancredi spielte sich bereits in Peking 2008 mit Top-Leistungen in die Herzen der Fans. "Es scheint mir zu liegen, im Kampf um Olympisches Gold gut drauf zu sein", sagt die mit jeder Menge Humor versehene und nicht selten für die gute Stimmung im Team zuständige 30-Jährige. Gleichwohl will sie ihren Beitrag dazu leisten, dass die Kanadierinnen jetzt den Grundstein legen, um bei der FIFA Frauen-WM 2015 im eigenen Land bärenstark zu sein.
"Als Duo etwas Besonderes"
Tancredi ist ein wichtiger Faktor in der Erfolgsformel des Ensembles von John Herdman. Ein zweiter heißt Sinclair. Die eineinhalb Jahre jüngere Mannschaftskollegin erzielte gegen die aufopferungsvoll kämpfenden Südafrikanerinnen ihre Treffer 138 und 139 im kanadischen Nationaldress. Damit konnte sie in der Allzeit-Weltbestenliste bis auf einen Treffer an Abby Wambach (140) heranrücken. Die U.S.-Amerikanerin liegt auf Platz zwei hinter Landsfrau Mia Hamm (158).
"Christine ist eine der besten Stürmerinnen des Globus. Ich denke, dass ich sie unterstützen kann, indem ich ihr entweder Vorlagen liefere oder eben auch mal selbst treffe. Wir spielen schon so lange zusammen und kennen uns in- und auswendig. Als Duo sind wir etwas Besonderes", so Tancredi zu FIFA.com.
Ein Geben und Nehmen
Herdman ist glücklich, beide im Team zu haben. "Christine ist an manchen Tagen nicht zu stoppen", so der Coach. "Doch dass Melissa trifft, nimmt ein wenig Gewicht von Christines Schultern. Es zeigt, dass bei uns mehr ist als nur Christine. Wir haben zu lange nur von ihr gelebt." Und auch Sinclair selbst ist nicht nur ihr eigener Torrekord wichtig. Im exklusiven FIFA.com-Interview lässt sie wissen: "Ich denke nicht daran, ob ich nun mit Abby [Wambach] gleichziehe oder sie gar überhole. Auf den Rekord verzichte ich gerne, solange ich mit meinem Team eine Olympische Medaille, vielleicht sogar Gold, gewinnen kann."
Allerdings kann auch Tancredi eine Bestmarke erreichen, und zwar eine momentan von Sinclair gehaltene. Bei Olympischen Fussballturnieren hält der Topstar momentan den kanadischen Rekord von vier Treffern, ihre Sturmpartnerin hat drei auf dem Konto. "Wenn es darum geht, dass wir beide Tor um Tor schießen, um bei diesem Rekord zu konkurrieren, soll es mir recht sein", sagt Tancredi und beginnt mit einem lauten, sympathischen Lachen. "Das heißt nämlich, dass wir Erfolg haben, und das ist gut für uns alle." Im dritten und entscheidenden Gruppenspiel am Dienstag in Newcastle sollte Gegner Schweden auf diese beiden in Laune gekommenen Kanadierinnen besonders aufpassen.




