Powell: "Ein Privileg, die Erste zu sein"
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Nachdem sie mit 150 Einsätzen als englische Nationaltrainerin schon einen Rekord für ihr Land aufgestellt hat, wird Hope Powell nun das britische Team auf die zweitgrößte Bühne des Frauen-Weltfussballs führen. In Großbritannien wird sie ihr erstes Olympisches Frauenfussball-Turnier erleben. Bei der fünften Auflage des Turniers ist 2012 in London erstmals auch eine britische Frauen-Auswahl dabei.

Der Kern des englischen Teams, der bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011 gegen Frankreich im Viertelfinale erst im Elfmeterschießen ausschied, wird wieder dabei sein und hofft darauf, im eigenen Land noch weiter zu kommen. Die vier Spielerinnen aus Schottland und Nordirland, auf die Powell zusätzlich zählen kann, dürften ihrem Kader noch mehr Tiefe verleihen. Am Mittwoch beginnt das Turnier für ihr Team mit der Partie gegen Neuseeland.

In einem Exklusiv-Interview mit FIFA.com sprach Powell darüber, wie stolz sie ist, an so einem Ereignis teilzunehmen, den Schwung, den man aus der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft mitgenommen hat, und die Konzentration auf die bevorstehenden Aufgaben.

Es hat nicht nur mit Fussball zu tun, nicht nur mit Sport, sondern es geht um den Gedanken des ganzen Teams.
Hope Powell

Was für ein Gefühl ist es für Sie mit 150 Länderspielen als Coach, nun mit einem britischen Team kurz vor der Teilnahme bei Ihren ersten Olympischen Spielen zu stehen?
Natürlich fühle ich mich sehr geehrt. Es ist wirklich ein Privileg, die Erste zu sein. Noch nie hat eine Großbritannien-Auswahl an den Olympischen Spielen teilgenommen, es ist also eine große Ehre für mich. Es ist etwas ganz anderes, eine sehr schöne und auch erfrischende Erfahrung. Wir freuen uns sehr, dabei zu sein.

Hat es im Vorfeld dieses Turniers andere Ansätze gegeben?
Ich glaube ja. Es geht nun auch um die gesamte Auswahl Großbritanniens. Es hat nicht nur mit Fussball zu tun, nicht nur mit Sport, sondern es geht um den Gedanken des ganzen Teams. Schon die Erfahrung der Ausrüstung des Teams war etwas ganz Anderes, wir haben einen anderen Kader, der Umstand, dass wir alles als Team unternehmen, zusammen mit den Männern. Das alles macht großen Spaß. Es ist etwas ganz Besonderes und bislang genießen wir jeden Augenblick.

Es gibt also eine ganz besondere olympische Atmosphäre?
In der Tat ist alles ganz anders. Bei einer Weltmeisterschaft ist man doch sehr isoliert und für sich und eigentlich abgeriegelt von den anderen. Aber im Olympischen Dorf ist alles ganz offen, jeder ist gleich, und dort herrscht eine wirklich wundervolle Atmosphäre. Das war für die Mädchen und die Betreuer eine tolle Erfahrung. Wir sind sehr glücklich, hier dabei sein zu können.

Es ist gerade einmal zwölf Monate her, dass England das Viertelfinale der WM in Deutschland erreicht hat. Haben Sie seitdem eine wachsende Unterstützung verspüren können?
Das ist immer so nach einem großen Turnier, vor allem, wenn man gut abschneidet. Dann erfahren wir mehr Unterstützung, haben mehr Anhänger, und danach wird alles wieder etwas schwächer und nimmt erst im Vorfeld des nächsten Turniers wieder Fahrt auf. Wir hoffen, dass die Olympischen Spielen in Großbritannien dazu beitragen, den Frauenfussball weiter zu fördern und uns eine große Chance bieten, unseren Sport zu präsentieren. Ich weiß, dass das alles ein Klischee ist - ein Vermächtnis zu hinterlassen, mehr Mädchen für den Sport zu gewinnen und so weiter -, aber es trifft dennoch zu. Ich glaube, dass die Welt hier die besten Spielerinnen sehen wird, und ich hoffe, dass dies in Zukunft für mehr Unterstützung sorgen wird.

Wie haben sich Kim Little und Ifeoma Dieke akklimatisiert, nachdem sie den Sprung in einen starken Kader geschafft haben?
Wir sollten nicht die Ersatzspielerinnen Emma Higgins und Jane Ross vergessen! Ich glaube, dass sie sich problemlos eingefügt haben. Das Gute ist ja, dass sich die Mädchen kennen, manche spielen auch im selben Verein, andere wiederum kennen sich als Gegenspielerinnen und so respektieren sie sich. Die Mädchen hier sind sehr offen und wenn man irgendeine der vier Spielerinnen fragt, würden sie alle sagen, dass es großen Spaß macht und dass sie mit offenen Armen aufgenommen wurden.

Haben die neuen Spielerinnen ein neues Element ins Team gebracht, etwas, das vielleicht zuvor gefehlt hat?
Kim und Ife sind äußerst talentierte Spielerinnen. Wer sich im Frauenfussball auskennt, kennt Kim Little - sie ist ein großes Talent. Natürlich ist das ein zusätzlicher Vorteil für uns und verleiht uns auch mehr Tiefe. Ife ist eine hervorragende, besonders zweikampfstarke Abwehrspielerin. Am liebsten spielt sie wohl in einer zentralen Abwehrposition, aber eigentlich ich sie hinten überall einsetzen. Das verleiht uns mehr Tiefe, stärkt den Kader. Es ist schließlich eine britische Mannschaft. Das bedeutet auch, dass es natürlich eine ganz schwierige Entscheidung ist, eine Starformation zu finden, aber da tut die Konkurrenz gut.

Da acht der zwölf teilnehmenden Mannschaften den Sprung ins Viertelfinale schaffen, bedeutet dies eine gute Gelegenheit, über die Gruppenphase Fahrt aufzunehmen?
Ich glaube, dass wir gleich einen guten Start hinlegen müssen. Alle Teams in einer Gruppe wollen weiterkommen, es wäre also gefährlich zu glauben, dass wir von vornherein beste Chancen auf das Erreichen der nächsten Runde haben. In diesem Sport weiß man nie. Jedes Spiel ist schwierig, weswegen wir gut starten müssen. Wir wollen erfolgreich sein und die nächste Runde erreichen. Wer weiß, was dann kommt?

Ist das Erreichen des Halbfinales das nächste Ziel, nachdem Sie es in Deutschland bis ins Viertelfinale geschafft haben?
Unser vorrangiges Ziel ist es, die nächste Runde zu erreichen. Das hat oberste Priorität. Wenn uns das nicht gelingt, ist das Turnier vorbei. Wir müssen am Boden bleiben und uns zunächst mit unseren nächsten Gegnern befassen. Ich hoffe schon, dass wir weiterkommen.

Vor der Weltmeisterschaft hatten Sie uns gesagt, dass Sie aus England das nächste Deutschland machen möchten. Wie sieht es mit diesen Plan aus?
Ich glaube, dass wir da Fortschritte machen. Natürlich möchten wir die Besten werden. Jeder weiß, dass Deutschland das sicherlich beste Team in Europa ist, was auch die Bilanz zeigt. Wir haben uns also ein hohes Ziel gesetzt. Wir möchten das 'nächste Deutschland' sein, aber da bleibt noch Einiges zu tun. Als englisches Team haben wir noch kein Turnier gewonnen. Aber dies hier ist eine andere Sache, hier geht es um Großbritannien, und wir werden sicherlich alles geben, um so gut wie möglich abzuschneiden.