
Die meisten Menschen denken, dass die Olympischen Spiele mit der Eröffnungszeremonie beginnen. Doch das stimmt nicht ganz. Das erste Ereignis in London 2012 ist das Duell in Gruppe E zwischen Großbritannien und Neuseeland in Cardiff am 25. Juli, zwei Tage vor der Auftaktshow in der englischen Hauptstadt. Eine Tatsache, die Mittelfeldspielerin Jill Scott vom Team Großbritannien sehr wohl bewusst ist.
"Wir müssen das ausnutzen und sicherstellen, dass wir so viel Unterstützung erhalten wie möglich", sagte sie gegenüber FIFA.com. "Wir haben die einmalige Gelegenheit, ein wichtiges Erbe zu hinterlassen. Nicht nur in Großbritannien, sondern auch weltweit. Das Turnier kommt so schnell nach der WM in Deutschland, die fantastisch war, so dass der Frauenfussball innerhalb einer relativ kurzen Zeitspanne erneut einen großen Schub erhalten könnte. Wir [Team GB] müssen einfach gute Leistungen zeigen, denn nur das weckt das Interesse der Medien – und auch das Interesse junger Mädchen, die sich dadurch vielleicht inspirieren lassen, ebenfalls mit diesem Sport anzufangen."
Der Blick nach vorne gerichtet
Wie in der englischen Nationalmannschaft bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011™, bei der sie von der Technischen Studiengruppe der FIFA in das All-Star-Team gewählt wurde, wird Scott auch im Team Großbritannien die Trikotnummer vier tragen. Doch der Stolz auf die persönliche Leistung konnte die Enttäuschung der 25-Jährigen über das Ausscheiden ihres Teams nach Elfmeterschießen nicht lindern.
"Ich bin keine Person, die in der Vergangenheit lebt, ich blicke lieber nach vorne", sagte sie lächelnd. "Verstehen Sie mich nicht falsch: Natürlich nutze ich die Erfahrungen, die ich mache, um mich als Spielerin und Mensch weiterzuentwickeln, doch ich hatte nicht viel Zeit, um über die Weltmeisterschaft nachzudenken. Doch es ist klar, dass ein Ausscheiden nach Elfmeterschießen schwer zu verdauen war."
"Die Menschen könnten argumentieren, dass Frankreich im Verlauf der 120 Minuten eher den Sieg verdient gehabt hätte. Doch auch wir haben alles gegeben und wollten unbedingt dieses Quäntchen Glück, um durchzukommen. Doch positiv war, dass wir gegen Japan eine brillante Leistung zeigten. Es war fantastisch, den späteren Weltmeister mit 2:0 zu schlagen. Wir müssen einfach nur konstanter werden, insbesondere bei Turnieren. K.o.-Runden sind gnadenlos."
Eine herausragende Partie gegen Brasilien
Das Olympische Fussballturnier könnte das Ereignis sein, bei dem die Mittelfeldspielerin vom FC Everton erneut in den "Genuss" von unbarmherzigen K.o.-Runden kommen könnte – doch zunächst muss Großbritannien eine knifflige Gruppenphase überstehen, in der es die britische Auswahl neben Neuseeland mit Brasilien und Kamerun zu tun bekommt. Verständlicherweise ist für Scott das Aufeinandertreffen mit den Südamerikanerinnen am 31. Juli im Wembley-Stadion das herausragende Ereignis.
"Wenn ich die anderen elf Teams betrachte, die sich qualifiziert haben, muss ich sagen, dass jedes davon ein schwerer Gegner gewesen wäre", sagte sie. "Jeder unserer möglichen Kontrahenten musste eine schwere Qualifikationsphase überstehen und würde versuchen, dem Gastgeber eins auszuwischen. Aber die Partie, die natürlich herausragt, ist die gegen Brasilien in Wembley."
"Es wird eine fantastische Gelegenheit. Ich glaube nicht, dass dort jemals zuvor ein Frauen-Länderspiel stattgefunden hat. England hat dort jedenfalls noch nicht gespielt. Ein Aufeinandertreffen mit Brasilien, einem der besten und berühmtesten Teams der Welt, bei den Olympischen Spielen ist also mit Sicherheit etwas Besonderes. Sie treten mit Marta an, die eine der besten Spielerinnen unseres Sports ist. Bei diesem Spiel dabei zu sein, wäre wirklich fantastisch."
Olympia war immer im Hinterkopf
Unter der Leitung von Hope Powell absolviert Großbritannien zurzeit ein hartes Vorbereitungsprogramm, und am Freitag, 20. Juli, bestreitet die Mannschaft im Riverside-Stadion in Middlesbrough ein Testspiel gegen Schweden. Für Scott wird dies die letzte Gelegenheit sein, dem Team und Powell ihren Wert zu beweisen. Ihre Motivation könnte jedenfalls nicht größer sein.
"Ich habe bei einer Weltmeisterschaft und einer Europameisterschaft teilgenommen, aber Olympionikin zu sein, wäre fantastisch", sagte sie lachend. "Es war ein langer Weg bis hierher, nicht nur hinsichtlich meiner Karriere, auch die Auswahl des Kaders war ein langer Prozess. Ich glaube, Hope hatte um die 200 Spielerinnen zur Auswahl, deren Anzahl dann auf etwa 50 reduziert wurde. Doch es war fantastisch, es in die letzten 18 geschafft zu haben."
"Ich hatte in dieser Zeit wichtige Spiele mit Everton und England, denn darauf lag schließlich mein Fokus. Doch Olympia war immer in meinem Hinterkopf. Nun arbeiten wir alle hart dafür, in der Partie gegen Neuseeland in der Startelf zu stehen."













