
"Die wachsende Begeisterung für den Frauenfussball liegt daran, dass er ganz einfach schöner und angenehmer anzusehen ist", sagte Louisa Nécib voller Unschuld ins Mikrofon von FIFA.com. Widersprechen wird der begabten Spielmacherin der französischen Nationalmannschaft indes niemand. Denn der Aufschwung verdankt sich gerade Spielerinnen wie ihr – Louisa Nécib ist immer schon allein das Eintrittsgeld wert.
Es lohnt sich, einen genaueren Blick auf Ziza zu werfen, wie sie in Anspielung auf Zinedine Zidane genannt wird, mit dem Nécib die algerischen Wurzeln, eine Kindheit in Marseille, die Spielmacherrolle und offensichtlich auch die Qualitäten am Ball gemeinsam hat. Nicht etwa nur, weil die dunkelhaarige junge Frau eine attraktive Erscheinung ist, sondern vor allem, weil ihr Spiel eine wahre Augenweide ist.
Schönheit und Freude
"Ich liebe das schöne Spiel. Auf einem Fussballplatz bringt es Freude. Und ohne Freude ist es unmöglich, gut zu spielen", erklärte Nécib, bevor sie auf den unvermeidlichen Vergleich zu sprechen kam: "Zidane ist ein Vorbild für mich. Er war schon immer der Spieler, dem ich am liebsten zugesehen habe. Der Vergleich kam vor allem in meiner Anfangszeit auf. Heute, im Verlauf der Jahre, nicht mehr so häufig. Doch man kann nicht sagen, dass ich ihn lästig finde", räumte die Ballkünstlerin mit einem verschmitzten Lächeln ein.
Ihr Akzent verrät unverwechselbar ihre Herkunft: Die 25-jährige Spielerin wuchs im 14. Arrondissement der südfranzösischen Stadt Marseille auf. "Meine Freunde spielten unten auf der Straße Fussball, und ich wollte einfach dasselbe machen wie sie", sagte sie schlicht über die Anfänge ihrer Fussballleidenschaft. Als 16-Jährige verließ sie Celtic Marseille, um dieser Leidenschaft im nationalen Leistungszentrum in Clairefontaine voll und ganz nachzugeben. 2006 ging sie zu HSC Montpellier und 2007 zu Olympique Lyon. Dort wurde sie zu einem Star, was sie indes immer noch bescheiden von sich weist:
"Ich bin weit davon entfernt, einer zu sein. Aber es ist wahr, dass ich nach der Weltmeisterschaft und durch die stärkere Präsenz des Frauenfussballs in den Medien ein bisschen öfter erkannt werde als vor ein paar Jahren", gab sie gerade einmal zu. In Wahrheit hatte sie das weltweite Gipfeltreffen regelrecht überstrahlt und – wie wenige Wochen zuvor beim Gewinn der UEFA Champions League mit Olympique Lyon – wesentlich zum überraschenden Einzug der Bleues ins Halbfinale beigetragen.
"Louisa ist eine Spielerin, wie es nur wenige gibt. Sie macht Dinge, die im Handbuch für den perfekten Fussballer nicht enthalten sind - sie ist eine Künstlerin, ganz einfach!", sagte Nationaltrainer Bruno Bini während der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Deutschland 2011™ über seine Spielmacherin. "Nun, natürlich könnte man einwenden, dass sie den Ball gelegentlich zu lange hält. Doch wenn sie die Kugel berührt, ist es, als ob die Sonne aufgeht. Und da mir immer kalt ist, wärmt es mich, und es strahlt auch auf die Mannschaft ab. Also wird ihr mehr verziehen als anderen."
Schön und gut
Die mannschaftsdienliche Nécib indes spielt den Ball sogleich zurück: "Der Platz unter den besten drei Trainern des Jahres 2011 für unseren Coach ist verdient. Er hat bei der Weltmeisterschaft bewiesen, dass er zu großen Dingen fähig ist. Seine Nominierung ist für ihn wie für seine Spielerinnen ein großer Stolz", sagte Nécib, bevor sie ihre eigene Nominierung auf die Liste der zehn weltbesten Spielerinnen kommentierte: "Das verdanke ich meinen Teamkameradinnen, unseren Erfolgen bei der Weltmeisterschaft und in der Champions League mit Lyon. Ich sehe das sowohl als individuelle wie auch kollektive Auszeichnung."
Und sie ergänzte: "Insgesamt war es ein großartiges Jahr für den französischen Fussball. OL hat die Champions League gewonnen, einen der schönsten Klubwettbewerbe. Und die Weltmeisterschaft war meiner Ansicht nach ein Erfolg, auch wenn wir es nicht ganz bis zum Schluss geschafft haben. Die von den Betreuern und Spielerinnen geleistete Arbeit der letzten Jahre ist belohnt worden. Eine langfristige Arbeit, die sich heute auszahlt."
Und morgen? "Wir wünschen uns, auf Vereinsebene und mit der Nationalmannschaft so viele Titel wie möglich zu gewinnen", sagte sie zu Beginn eines Jahres 2012, das für den französischen Fussball ereignisreich zu werden verspricht. Nicht zuletzt wegen des Olympischen Fussballturniers der Frauen in London 2012: "Wenn man zu so einem Wettbewerb fährt, muss man sich den Gewinn einer Medaille als Ziel setzen."
Und dies wird mit Sicherheit erneut eine Augenweide.





