Während in der Welt des runden Leders die Tage bis zur Enthüllung des offiziellen Logos und Slogans der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019™ – am 19. September in Paris - heruntergezählt werden, sprechen wir mit wichtigen Persönlichkeiten des Frauenfussballs über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft der Frauen-Weltmeisterschaft.

Spielerin oder Trainerin?
In welcher Funktion würden Sie an der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019™ teilnehmen, wenn Sie die Wahl hätten?

Sissi, Star der brasilianischen Frauen-Nationalmannschaft der 1990er Jahre, lacht und denkt nach. "Das ist schwer zu sagen", meint sie. Doch schließlich trifft sie doch eine Entscheidung. "Auf jeden Fall als Spielerin. Aber ich würde auch als Fan hinfahren! Hauptsache ich kann dabei sein!"

Die Brasilianerin, die die Fussballschuhe mittlerweile an den Nagel gehängt hat und in den USA als Trainerin arbeitet, hat hohe Erwartungen an das Turnier im Jahr 2019. "Ein hochklassiges Turnier mit vollen Stadien und einer fantastischen Atmosphäre", prognostiziert sie.

Ganz anders als die Turniere, die sie Ende der 1990er Jahre als Spielerin bestritt. "Jetzt spielen viel mehr Frauen Fussball, das Niveau ist ein anderes, das Spiel ist taktischer geworden und es gibt viel mehr Unterstützung und Möglichkeiten", erklärt sie.

Sissi im Kurzprofil

  • Sissi wurde am 2. Juni 1969 in Esplanada (Bahia/Brasilien) geboren
  • Position: Mittelfeld
  • Teilnahme an zwei FIFA Frauen-Weltmeisterschaften™: 1995 in Schweden und 1999 in den USA
  • Sie erzielte das erste Golden Goal in der Geschichte des Frauenfussballs
  • Zwei Teilnahmen am Olympischen Fussballturnier: 1996 in Atlanta und 2000 in Sydney
  • Wurde bei der WM 1999 in den USA gemeinsam mit Sun Wen mit dem Goldenen Schuh ausgezeichnet

Die enorme Steigerung des Spielniveaus trat bereits bei der Europameisterschaft 2017 überdeutlich zutage. "Österreich und die Niederlande haben mich beeindruckt. Diese beiden Teams gehören bei der WM 2019 zweifellos zu den Titelanwärtern, ebenso wie Frankreich, die USA, Deutschland und England. Außerdem glaube ich, dass auch Brasilien gut vorbereitet sein wird."

Dennoch ist Sissi bewusst, dass noch viel zu tun bleibt. Für sie haben zwei Aspekte Priorität, damit der Frauenfussball den nächsten Schritt tun kann: "Wir müssen dieselben Rechte und Chancen haben und überall auf der Welt Profis werden können."

Bei der Analyse der Situation in ihrem Heimatland, dessen Nationalmannschaft sie eines Tages gern trainieren würde, nennt sie die Soziokultur als größten Hemmschuh für die Entwicklung. "Wir haben bereits unter Beweis gestellt, wozu wir imstande sind und dass wir unsere eigene Identität haben. Uns bleibt nichts anderes übrig als weiterzukämpfen."

The Best
Sissi, die vor kurzem ihren 50. Geburtstag gefeiert hat, gehört der Experten-Jury an, die die Kandidatinnen in der Kategorie des Frauenfussballs ausgewählt hat. Da die Sportart ein rasantes Wachstum zu verzeichnen hat, steigt auch die Kompetenz und die Auswahl wird immer schwerer. "Das war gar nicht leicht. Es gab ausgesprochen viele hervorragende Spielerinnen mit ganz unterschiedlichen Talenten. Am Ende sind einige beeindruckende Spielerinnen außen vor geblieben, aber wir mussten uns für zehn entscheiden", meint sie bedauernd.