• Belgien mit Sara Yüceil nimmt erstmals an der UEFA Women's EURO teil
  • Mit FIFA.com spricht die Spielerin über die Parallelen zwischen Klub und Nationalelf
  • Der belgische Frauenfussball macht große Fortschritte. Sie erklärt die Gründe

Sara Yüceil liebt Herausforderungen. Vor allem die besonders schweren. Die belgische Meisterschaft wurde mit Standard Lüttich zur Formalität? Also wechselt sie nach Frankreich, um mit Olympique Marseille den Klassenerhalt zu schaffen - und wird Vierte! Belgien hat noch nie an einem großen internationalen Turnier teilgenommen? Also leistet sie einen Beitrag zur historischen Qualifikation für die UEFA Women's EURO 2017!

Kein Wunder, dass eine glückliche Sara Yüceil zum Gespräch erscheint. FIFA.com traf die Spielerin im Anschluss an ihre erste Saison in der höchsten französischen Spielklasse. Freudestrahlend, aber erschöpft. "Es war eine recht lange Saison, deshalb wird es allen gut tun, ein wenig zu verschnaufen und sich auszuruhen", gibt sie zu.

Die Saison von Yüceil bei "OM"
- Das 2011 gegründete Frauenteam von OM bestritt die erste Saison in der höchsten Spielklasse
- Das Ziel? Der Klassenerhalt. Die Bilanz? Vierter hinter Lyon, Montpellier und Paris Saint-Germain
- Zwölf Spiele, ein Tor (gegen PSG zu einem historischen 2:0-Sieg)

Der Weg von Yüceil mit den "Red Flames"
- Länderspieldebüt am 11. Februar 2015 (Spanien - Belgien 2:1)
- 21 Länderspiele, zwei Tore

Ist nun die Zeit für einen wohlverdienten Urlaub gekommen? Noch nicht. Denn gleichzeitig hat sie an der erfolgreichen Qualifikation der Belgierinnen für die EURO 2017 mitgewirkt. Im Juli, wenige Tage nach ihrem 29. Geburtstag, wird sie also in den Niederlanden sein. Dort erwartet sie die nächste große Herausforderung: Sie wird gegen das Gastgeberland sowie die Frauenfussball-Großmächte Norwegen und Dänemark spielen.

Die Schlüssel des Erfolgs
"Das sind große Teams, es ist eine der schwersten Gruppen", sagt die Mittelfeldspielerin. "Andererseits haben wir schon Freundschaftsspiele gegen sie bestritten und sie schlagen können. Sicher, es waren nur Freundschaftsspiele, aber innerlich starten wir mit dem Wissen, dass wir sie wieder schlagen können."

Ist dies nicht etwas zu übermütig für ein Team, das sein erstes internationales Turnier bestreitet? Nicht, wenn man die Fortschritte der Auswahl in einem Land betrachtet, in dem der Frauenfussball einen schweren Stand hatte im Schatten der erfolgsverwöhnten Roten Teufel.

"Die Tatsache, dass die gleiche Truppe seit vier oder fünf Jahren zusammenspielt, ist ein Grund für unsere Verbesserung. Die Nationalauswahl ist ein bisschen wie ein Vereinsteam geworden", erklärt die Akteurin, die im Februar 2015 zu den Red Flames stieß. "Außerdem hat die BeNe League (gemeinsame Meisterschaft in Belgien und der Niederlande zwischen 2012 und 2015) dazu beigetragen, das Spielniveau zu steigern. Daraufhin hat der Wechsel von vielen Spielerinnen ins Ausland für noch mehr Dynamik in unserer Entwicklung gesorgt."

Verwandte Schicksale
Kurioserweise haben die beiden Teams, in denen Yüceil spielt, das gleiche Profil. "Wenn ich darüber nachdenke, haben OM und die belgische Auswahl viele Gemeinsamkeiten", sagt sie. "Es ist die Geschichte eines kleinen Teams, das einerseits noch alles beweisen muss, andererseits von den anderen Teams schon erwartet wird - wegen seines Namens im Fussball.  Wir sind zwischen diesen Polen, mitten in der Entwicklung und auf der Suche nach Bestätigung."

Für ihren Klub, der 2011 gegründet wurde und 2016 in die erste Liga aufstieg, besteht die Aufgabe darin, langfristig gegen die etablierten Kräfte zu bestehen. Das Nationalteam wiederum, das sich erstmals für den kontinentalen Wettbewerb qualifizierte, visiert bereits die Qualifikation für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft Frankreich 2019™ an. In der Hoffnung, erneut ein historisches Kapitel zu schreiben. "Ich mag diese Rolle des Kleinen, der sich einen Namen machen und größer werden will", sagt Yüceil zum Abschluss und fasst damit auch den Verlauf ihrer eigenen Karriere zusammen.

Sara Yüceil außerhalb des Platzes
die Anfänge: "Ich habe mit fünf angefangen zu spielen, mit meinem Bruder. Wir sind eine Sportlerfamilie. Mein Vater war Basketballspieler und -trainer. Wir haben Fussball und Basketball gespielt, doch dann entschied sich mein Bruder für den Fussball. Und ich bin ihm gefolgt!"

die Vorbilder: "Mein Vater ist Türke und unser Team war Galatasaray. Deshalb steht für mich Gheorghe Hagi über allem! Heute gibt es keine Spielerin oder keinen Spieler mehr, die mich zum Träumen bringen - außer meiner Teamkameradin Janice Cayman!"

außer dem Fussball? "Es ist das erste Mal, dass ich vom Fussball leben kann. Früher kam zuerst die Arbeit und dann der Fussball. Ich habe eine Ausbildung im Sozialbereich gemacht. Ich habe in einem Frauenzentrum gearbeitet und später als Koordinatorin für Aktivitäten im Kindergarten. Die Arbeit fehlt mir manchmal, aber es ist super, ein solches Leben kennenzulernen."