Jahrelang haben sie ihrer Nation auf internationalem Parkett alle Ehre gemacht. Nun ist der Moment gekommen, zu Prophetinnen im eigenen Land zu werden. Am 18. Februar fällt in Kolumbien endlich der lang ersehnte Startschuss für eine Profiliga der Frauen.

Für Las Superpoderosas und ihre Nachfolgerinnen erfüllt sich damit ein Traum: Die Einführung eines nationalen Wettbewerbs mitzuerleben, der auf den finanziellen und strukturellen Rückhalt des FIFA-Forward-Programms, auf die Unterstützung der CONMEBOL und das Engagement der DIMAYOR zählen kann.

"Es ist der Lohn für die Arbeit der Spielerinnen und vieler Menschen, die seit Jahren den Frauenfussball in Kolumbien verteidigen. Es ist eine Riesenfreude, eine Profiliga zu haben, und ein historisches Ereignis für das Land. Wir sind natürlich überglücklich und voller Vorfreude", bestätigt im Gespräch mit FIFA.com Daniela Montoya. Die Nationalspielerin, die bei zwei Frauen-Weltmeisterschaften und einem Olympischen Fussballturnier für die Cafeteras aufgelaufen ist, kann den Moment ihres Profidebüts in der Heimat kaum erwarten.

Die 18 gemeldeten Teams wurden in drei Gruppen zu sechs Mannschaften aufgeteilt, die bis zum 7. Mai jeweils eine Hexagonal-Phase mit Hin- und Rückrunde bestreiten. Die zwei Besten jeder Gruppe sowie die zwei besten Drittplatzierten qualifizieren sich für das Viertelfinale, das ebenfalls mit Hin- und Rückspiel ausgetragen wird. In diesem Modus geht es bis zum Finale weiter, in dem im Juni der erste Meister der Liga Femenina Águila ermittelt wird.

Der Champion wird Kolumbien in der nächsten Auflage der Copa Libertadores de América vertreten. Ferner wurde eine Übereinkunft mit der Liga Iberdrola unterzeichnet, um ein Duell mit Hin- und Rückspiel gegen den spanischen Meister zu bestreiten.

Die kolumbianischen Teams dürfen jeweils bis zu acht Ausländerinnen einsetzen, und es wird mit der Teilnahme von zahlreichen Nationalspielerinnen aus Venezuela, Paraguay, Costa Rica, Panama sowie Trinidad und Tobago gerechnet.

Das Niveau steigern
Besonders aufregend aber wird es sein, Akteurinnen wie Yoreli Rincón, Lady Andrade, Catalina Usme oder Daniela Montoya live in Aktion sehen zu können, nachdem sie im Nationaltrikot bei Welt- und Kontinentalmeisterschaften sowie Olympischen Spielen so sehr dafür gekämpft haben, dieser Disziplin zum Durchbruch zu verhelfen.

"Dieser Wettbewerb wird dazu beitragen, dass das Niveau der Nationalmannschaft steigt. Bisher haben wir alle sechs Monate oder einmal im Jahr trainiert, ab jetzt trainieren wir zweimal täglich und absolvieren alle acht Tage ein Pflichtspiel. Das Niveau aller Spielerinnen wird sich steigern und dadurch auch die Nationalmannschaft verbessern. Außerdem werden sich sehr viel mehr Mädchen präsentieren, die sich eine solche Chance gewünscht haben und nun berücksichtigt werden können", sagt die Nationalspielerin Yoreli Rincón zu FIFA.com. Sie wird für die Patriotas Boyacá auf Torejagd gehen.

Im Bestreben, der Meisterschaft zu größerer Aufmerksamkeit zu verhelfen, werden die Partien im Vorfeld der Spiele der Profiliga der Männer angesetzt. Auf diese Weise können die Kosten verringert und gleichzeitig die Synergien einer bereits bestehenden Sport- und Medieninfrastruktur genutzt werden. Außerdem wird eine Frauenpartie pro Spieltag im Fernsehen übertragen.

"In dieses Projekt wird sehr viel investiert. Die TV-Übertragungen sind ein enormer Fortschritt, den noch nicht einmal Länder vorweisen können, die seit Jahren eine Profiliga haben. Ich bin hocherfreut und stolz auf das, was Kolumbien für diesen Sport und für die Frauen allgemein macht. Es zeigt, dass die Gleichberechtigung kommt und wir mehr Respekt und Unterstützung verdienen. Und dass wir Frauen in der Lage sind, alles zu erreichen, was wir uns vornehmen", ergänzt Rincón.

Es wird sich um eine Profiliga handeln, in der die meisten Spielerinnen einen Arbeitsvertrag erhalten werden. Die Klubs sind verantwortlich für die Finanzierung der Gehälter und des Unterhalts für die Spielerinnen sowie für die Organisation der Spiele. Auf der anderen Seite übernimmt DIMAYOR alle Kosten für Fahrten und Flüge, Unterkunft, Schiedsrichter und Uniformen. Die Finanzierung wird durch TV-Rechte, Sponsoren, das Ministerium für Sport und das FIFA-Forward-Programm sichergestellt.

"Ein Arbeitsvertrag ist ein Riesenfortschritt, denn er gibt uns Sicherheit. Der Fussball ernährt dich, was dafür sorgt, dass sich die Spielerinnen viel stärker auf den Fussball konzentrieren und weiter trainieren können. Früher hatten wir andere Prioritäten und andere Jobs, um die Familien und die Kinder durchzubringen. Jetzt gibt es diese dringende Notwendigkeit nicht mehr", argumentiert Rincón.

Jetzt wird erst einmal gefeiert, es ist an der Zeit, dies alles zu genießen. Doch Montoya warnt davor, aus den Augen zu verlieren, wie viel Arbeit noch vor ihnen liegt. Denn die Profiliga ist nicht das Ende, sondern erst der Anfang des Weges: "Wir haben eine große Verantwortung. Es ist unsere Verpflichtung, dass sich diese Liga weiterentwickelt. Dass sie nicht nur drei Jahre, sondern für immer hält. Wir müssen in großem Maßstab denken, damit sich mehr Unternehmen diesem Projekt anschließen. Diese Saison wird den Beweis erbringen, dass ein gutes Niveau vorhanden ist und es sich lohnt."

Die Gruppen
Gruppe A: Real Cartagena, Petrolera, Real Santander, Unión Magdalena, Bucaramanga, Envigado.
Gruppe B: Equidad, Santa Fe, Patriotas, Atlético Huila, Cúcuta, Fortaleza.
Gruppe C: Pasto, Cortuluá, Pereira, Quindío, Orsomarso, América.