Die National Women's Soccer League (NWSL) in den USA hat sich zu einem Magneten für die besten Spielerinnen aus aller Herren Länder entwickelt. Spielerinnen aus mehr als 30 Ländern waren und sind seit 2013 in der Liga aktiv, wobei viele Nationen gleich mit mehreren Akteurinnen vertreten sind. Nun ist mit Island ein weiteres Land hinzugekommen und setzt diese bemerkenswerte Entwicklung fort. Die bislang kaum bekannte Dagny Brynjarsdottir will sich beim beliebtesten Klub der Liga einen Namen machen.

Seit Beginn ihrer Karriere leistet Brynjarsdottir Pionierarbeit. Schon der Umzug aus ihrem kleinen Heimatdorf Hella in die nicht eben große Landeshauptstadt Reykjavik bedeutete für sie eine enorme Umstellung, wie sie selbst lächelnd bestätigt. Nach ihrer Umsiedlung in die USA studierte sie an der Florida State University und spielte für deren Team. Auf dem Spielfeld machte sie unterdessen eine enorme Entwicklung durch und beeindruckte mit starken Leistungen.

Die große, vielseitige Mittelfeldspielerin präsentierte sich so stark, dass die Portland Thorns ihr einen Vertrag für die Saison 2016 anboten. Die 24-jährige stand in allen sechs bisherigen Partien seit Saisonbeginn in der Startformation und trug dazu bei, dass die Portland Thorns als einziges Team der neuen Saison noch unbesiegt sind.

Vom kleinen Dorf in eine Hochburg des Frauenfussballs
Die Heimspiele der Portland Thorns finden regelmäßig vor 15.000 und mehr Fans statt. Entsprechend lautstark, farbenfroh und leidenschaftlich geht es dabei zu. Der Kontrast zu Brynjarsdottirs ersten fussballerischen Erfahrungen in ihrem Heimatland könnte also kaum größer sein. Tatsächlich würden sämtliche Einwohner ihres Heimatdorfes –zigfach Platz im Providence Park finden, wo die Portland Thorns ihre Partien austragen. Auch insgesamt läuft das Leben in der Metropole an der nordwestlichen Pazifikküste ganz anders als in Brynjarsdottirs Heimat.

Doch die Isländerin hat bewiesen, dass sie sich auf dem Spielfeld ebenso wie abseits davon schnell anpassen kann. Ihre Freunde in der Heimat witzeln bereits, sie sei mittlerweile mehr Amerikanerin als Isländerin. "Mir gefällt hier in Portland bisher wirklich alles", so Brynjarsdottir gegenüber FIFA.com. "Es ist ein großartiges Erlebnis, vor so großen Zuschauerkulissen zu spielen. Die Fans schenken uns zusätzliche Energie. Sie sind für uns der sprichwörtliche zwölfte Mann. Hoffentlich werden solche Zuschauerzahlen im Frauenfussball in Zukunft ganz normal. Das Umfeld an der Florida State University war schon sehr professionell. Dort werden die Spielerinnen sehr gut auf eine spätere Profikarriere vorbereitet. Es ist mir daher auch gar nicht schwer gefallen, mich anzupassen. Doch der Spielrhythmus ist schneller und intensiver. Daran muss ich mich noch gewöhnen. Auf jeden Fall werden die Topstars mit den großen Namen dazu beitragen, dass ich mich als Spielerin weiter verbessern kann. Die kanadische Nationalstürmerin Christine Sinclair ist eine echte Legende. Ich freue mich sehr, dass ich vieles von ihr lernen kann."

Die Spitze des Eisbergs
Brynjarsdottir lässt als Pionierin für die stetig wachsende Anzahl isländischer Fussballerinnen jedoch nicht nur die Füße sprechen. Sie hat eine eigene Agentur gegründet, die jungen Spielerinnen aus europäischen Ländern dabei hilft, einen Platz an einem amerikanischen College zu bekommen.

Brynjarsdottir hofft, dass zahlreiche weitere Spielerinnen in ihre Fußstapfen treten und den Schritt in die USA wagen. "Es gefällt mir, ein Vorbild für isländische Spielerinnen und Akteurinnen aus anderen Ländern zu sein", sagt sie. "Ich hoffe wirklich, dass mehr Spielerinnen aus Island die Chance bekommen, hier zu spielen, denn das ist definitiv die beste Liga, in der ich gespielt habe", so die Mittelfeldspielerin, die auch ein halbes Jahr für Bayern München aktiv war. "Jede einzelne Partie ist hart umkämpft und in der NWSL sind zahlreiche große Spielerinnen aktiv."

Nun strebt Brynjarsdottir den nächsten Meilenstein in ihrer internationalen Karriere an. Obwohl Island nur gut 300.000 Einwohner hat, hält das Land fussballerisch mit weitaus stärkeren Nationen mit. So war Island bei den letzten zwei UEFA Europameisterschaften mit dabei und hat derzeit nach vier Spielen in der Qualifikation für die nächste Turnierauflage 2017 in den Niederlanden eine perfekte Bilanz vorzuweisen. Brynjarsdottir selbst erzielte vor drei Jahren den Treffer, der den Isländerinnen den erstmaligen Einzug in die K.o.-Runde der Kontinentalmeisterschaft bescherte. Sie ist überzeugt, dass nun auch die erstmalige Qualifikation für die FIFA Frauen-Weltmeisterschaft™ in Reichweite gerückt ist.

"Island hat sich in den vergangenen Jahren definitiv verbessert", sagt sie. "Wir haben Spiele gegen Teams gewonnen, die wir früher niemals geschlagen hätten. Wir haben eine gute Mischung in der Nationalmannschaft und ich bin sicher, dass wir uns noch weiter steigern werden. Ich glaube, dass wir gute Chancen haben, uns für die nächste Weltmeisterschaft zu qualifizieren, wenn es uns gelingt, uns auch weiterhin zu steigern. Das ist unser Ziel und unser Traum."

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