Wie heißt es so schön im Volksmund? Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist. Celia Sasic hat genau dies getan. Knapp zwei Wochen nach der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft 2015™, bei der die deutsche Stürmerin mit dem Goldenen Schuh von adidas als beste Torschützin des Turniers ausgezeichnet wurde, beendete sie für viele völlig überraschend ihre Karriere. Ein herber Verlust, nicht nur für die deutsche Nationalmannschaft, sondern auch für ihren Verein. Im Mai hatte Sasic mit dem 1.FFC Frankfurt die UEFA Women’s Champions League gewonnen und war zur Top-Torschützin in Europas Königsklasse avanciert. 

"Als ich meine Entscheidung ausgesprochen hatte, war sie auch schon gefallen. Es war nicht so, dass ich es mal angesprochen und die anderen Leute mit einbezogen habe in diese Entscheidung. Es war eine Entscheidung, die ich für mich getroffen, aber natürlich mit meinem engsten Umfeld besprochen habe", erklärt Sasic im exklusiven Interview mit FIFA.com.

"Das ist so eine Eigenart von mir. Wenn ich mich für etwas entschieden und mir in den Kopf gesetzt habe, dann ist das meistens auch so. Im Vorfeld wussten wirklich nur ganz wenige aus dem Fussball Bescheid. Keiner hat versucht mich zu überreden. Es war eher so: Okay, Du weißt was du hast und wie besonders das ist, aber ich kann es andererseits auch nachvollziehen."

Noch keine Zeit zur Reflektion
Sasic ist bewusst, dass sie als Leistungssportlerin Besonderes erleben durfte, beispielsweise durch die Welt zu reisen und an großen Turnieren teilzunehmen. "Ich war mein ganzes Leben lang von einem Team umgeben. Von Mitspielerinnen, Trainern und Ärzten. Man war immer Teil einer großen Mannschaft oder eines Vereins. Da denkt man dann manchmal schon: Mensch, es sind so wenig Leute um mich herum. Das ist doch irgendwie blöd, langweilig. Hier passiert nicht so viel. Wenn man es gewohnt ist, immer in dieser Gemeinschaft zu sein und diese dann nicht mehr in diesem Ausmaß und Regelmäßigkeit da ist. Das ist schon etwas anderes", erzählt die 27-Jährige, die ihre Entscheidung trotzdem nicht bereut.

Richtig Zeit ihre Karriere noch einmal Revue passieren zu lassen, hatte die 111-malige Nationalspielerin bisher noch nicht. Zuviel ist seit ihrem Rücktritt passiert. So wurde sie nach der Beendigung ihrer Laufbahn zu Europas Fussballerin des Jahres gewählt, war neben Carli Lloyd und Aya Miyama zur Weltfussballerin nominiert und wurde als einzige nicht aktive Spielerin in die Weltauswahl der Fussball-Frauen berufen.

"Das wird alles noch etwas dauern bis man es komplett realisiert. Es war eine lange, intensive Zeit und es ist sehr viel passiert." Während dieser Zeit wurde Sasic unter anderem zwei Mal Europameisterin (2009 & 2013), gewann den DFB-Pokal (2014) und holte bei Olympia die Bronzemedaille (2008). Was ihr besonders in Erinnerung bleiben wird?

Den "einen" Moment der Karriere? Gibt es nicht!
"Es sind natürlich die Titelgewinne. Wenn man auf dem Podest steht und den Pokal hochhalten darf. Es sind auch einzelne Spiele, einzelne Aktionen, einzelne Tore bei denen man einfach gedacht hat: Das werde ich nie vergessen", so die in Bonn geborenen Tochter einer Französin und eines Kameruners.

"Ich glaube, es war 2009 bei der EM. Da war ich gerade erst vom Pfeifferschen Drüsenfieber genesen und Einwechselspielerin. Wir haben im Halbfinale gegen Norwegen hinten gelegen, dann kommt man rein und macht das 2:1. Das sind solche Momente, die man nicht vergisst. Aber man erinnert sich auch an Dinge, die neben dem Platz passiert sind. Dinge, die man in dieser großen Gemeinschaft in all den Jahren erlebt hat. Da gibt es Geschichten, die man immer wieder auspacken wird."

In wenigen Monaten wird Sasic die wohl schönste Trophäe in Armen halten. Während der FIFA Ballon d’Or Gala verriet sie, dass sie ihr erstes Kind erwartet und sich jetzt einer völlig neuer Herausforderung stellen muss. Dem runden Leder will sie aber auf jeden Fall treu bleiben.

"Fussball ist einfach der schönste Sport der Welt und macht einfach auch am meisten Spaß. Nur weil ich ihn jetzt nicht mehr professionell betreibe heißt es nicht, dass ich dem Fussball 'Adieu' gesagt habe. Ich habe nur aufgegeben, Profi zu sein. Ich fände es schön, auch weiterhin im Fussball zu bleiben, weil es meine Leidenschaft ist."