Die eindrucksvollen Leistungen der brasilianischen Elf bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft China 2007, die das Team bis ins Finale führten, lassen sich auf den ersten Blick einer Reihe von Faktoren zuschreiben - neben dem geschickten Coaching von Jorge Barcellos denkt man dabei vor allem an die mannschaftliche Geschlossenheit des Teams und natürlich an die atemberaubenden Leistungen von Marta und Cristiane, die zurecht nach dem Turnier mit dem Goldenen bzw. Bronzenen Ball von adidas ausgezeichnet wurden.

Doch wer etwas genauer hinschaut, der entdeckt schnell, dass die Erfolge der Seleção in Fernost auch einer der größten Spielerinnen zuzuschreiben sind, die der Frauenfussball je gekannt hat: Sisleide Lima do Amor.

"Sissi" begann schon als Siebenjährige mit dem Fussballspielen. "Wir haben damals alles zum Ball umfunktioniert", erinnert sie sich, "Orangen, aufgerollte Socken und sogar die Köpfe, die ich meinen Puppen abriss, um damit Fussball zu spielen." All das tat sie heimlich und gegen den Willen ihres Vaters - der übrigens nicht der Einzige war, der die Stirn runzelte beim Gedanken daran, dass seine Tochter einen "Männersport" betrieb. Doch Sissi gewöhnte sich schnell an Sprüche wie "Fussball ist nur für Jungs", die sie von Kind an zu hören bekam, und ließ sich nicht davon abbringen, aus ihrer Leidenschaft eine Bestimmung zu machen. Das führte dazu, dass sie schon im zarten Alter von 14 Jahren von zu Hause auszog und im Wohnheim eines Profi-Fussballvereins ein neues Heim fand.

Im Laufe der nächsten zweieinhalb Jahrzehnte bestach Sissi durch großartige Leistungen auf dem Platz und sorgte so dafür, dass der Frauenfussball in ihrem Heimatland viele kulturelle Grenzen überwand. Unter anderem führte sie Brasilien bei der FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft USA 1999 auf den dritten Platz (wo sie für ihre Leistungen nach dem Turnier - zusammen mit Sun Wen - mit dem Goldenen Schuh von adidas ausgezeichnet wurde) und bis ins Halbfinale des Olympischen Frauenfussballturniers in Sydney 2000.

Während dieser Jahre entwickelte sie sich zudem zum Vorbild für eine neue Generation aufstrebender junger Fussballerinnen - eine Generation, die mit der Seleção sowohl bei den Olympischen Spielen 2004 als auch bei der FIFA Frauen-Weltmeisterschaft China 2007 bis ins Finale vordrang.

"Sissi war für viele Mädchen in Brasilien eine Inspiration", erklärte Rene Simoes während seiner Zeit als Nationaltrainer des brasilianischen Frauenfussballteams. Einer seiner Vorgänger, Wilson Oliveira Rica, äußerte sich ähnlich: "Sissi hat in vielen Mädchen den Wunsch geweckt, Fussball zu spielen, und hat zudem bewiesen, dass Frauen in diesem Sport ein sehr hohes Niveau erreichen können. Für uns Brasilianer ist sie die Königin des Fussballs", sagte er nach der FIFA Frauenfussball-Weltmeisterschaft USA 1999.

Auch für die Zeit nach dem Ende ihrer Profikarriere war sich die magische Nummer 10 sicher, dass der Fussball weiterhin eine bestimmende Rolle in ihrem Leben spielen würde: "Fussball ist mein Leben. Ich bin verrückt nach diesem Sport und kann mir nicht vorstellen, einmal etwas anderes zu tun", sagte sie 2005.

"Der Fussball hat mir so viel gegeben, dass ich nach dem Ende meiner aktiven Karriere etwas davon zurückgeben will. Natürlich habe ich meine eigenen Ziele, wie zum Beispiel das brasilianische Team eines Tages bei einer Weltmeisterschaft zu betreuen, aber vor allem möchte ich so viel für die Zukunft dieses Sports tun wie ich kann. Ich möchte den Kindern helfen, sie trainieren und ihnen die Möglichkeit geben, sich zu verbessern und ihre Träume zu verwirklichen."

Und Sissi ist ihren Worten treu geblieben: Die heute 40-Jährige, die immer noch für California Storm in der amerikanischen Women's Premier Soccer League spielt, trainiert inzwischen die U-13-Mädchenmannschaft des Las Positas College und inspiriert mit ihrem Vorbild ein weiteres Mal eine neue Generation aufstrebender Fussballerinnen.

Zweifellos hat der Frauenfussball in den letzten Jahren großartige Fortschritte gemacht - und dank des nie nachlassenden Einsatzes solcher Botschafterinnen wie Sissi, die sowohl im Organisationskomitee der FIFA U-17-Frauenweltmeisterschaft Neuseeland 2008 als auch der FIFA U-20-Frauenweltmeisterschaft Chile 2008 vertreten ist, kann man ihm eine rosige Zukunft voraussagen.