• Uruguay und Venezuela trafen schon bei der Südamerikameisterschaft zwei Mal aufeinander
  • Beide Teams erreichten ohne Gegentor das Viertelfinale
  • Fabián Coito, Sergio Córdova und Ronald Hernández sagen spektakuläres Halbfinale voraus

"Ist es das perfekte Halbfinale?" - "Aber natüüüürlich!"

Das Gesicht von Ronald Hernández beginnt zu strahlen, als FIFA.com ihm diese Frage stellt, und die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen. "Wir kennen uns gut und haben erst vor kurzem gegeneinander gespielt. Wir haben ihnen immer zugeschaut. Es wird typisch südamerikanisch. Ein besseres Szenario für ein WM-Halbfinale gibt es nicht."

Der venezolanische Rechtsverteidiger spricht mit aufrichtiger Begeisterung und macht mit seinen Worten die beste Werbung für ein Halbfinale, das ein großartiges Duell zu werden verspricht. Am Donnerstag in Daejeon wird zwischen Uruguay und Venezuela der erste Finalist der FIFA U-20-Weltmeisterschaft Republik Korea 2017 ermittelt.

"Es wird ein ganz schön schweres Spiel. Wir haben großen Respekt voreinander. Es ist ein südamerikanischer Klassiker", sagt Sergio Córdova. Nun mögen einige Puristen dagegenhalten, dass die wahren Klassiker des Kontinents zwischen anderen Ländern stattfinden. Aber der WM-Torschütze hat nicht wenige Argumente auf seiner Seite.

Da wären die Duelle zwischen den beiden Teams bei der letzten U-20-Südamerikameisterschaft. Die großen Auftritte der beiden Länder in der WM-Qualifikation der A-Nationalmannschaften. Der Parcours der beiden Teams ohne Gegentor bis ins Viertelfinale der laufenden U-20-WM. Auch der uruguayische Coach Fabián Coito sieht Gemeinsamkeiten, die ein Duell der Titanen erwarten lassen, bei dem die Funken sprühen werden.

"Der Spielryhthmus und die emotionale Komponente, die diese Partie für uns hat. Das individuelle Format der Spieler, die alle auf ihre eigene Weise einen großen Beitrag leisten werden. Manchmal trifft man auf Rivalen, deren kollektiver Ausdruck über jedem einzelnen Fussballer steht."

Dennoch liegt der Fall hier ein wenig anders. Beide Mannschaften sind von einer ganz eigenen Vergangenheit geprägt, die sie respektieren, der aber die Spieler ihren persönlichen Stempel aufdrücken. Seit den Aufeinandertreffen im Januar in Ecuador (0:0 in der ersten Runde, 3:0-Sieg Venezuelas in der Finalrunde) sind es vor allem zwei Fussballer, die das Spiel ihrer jeweiligen Teams einen Schritt nach vorne gebracht haben. Keiner von ihnen konnte bei der Südamerikameisterschaft dabei sein: Federico Valverde bei Uruguay und Adalberto Peñaranda bei Venezuela.

"Mit Valverde haben sie mehr Dynamik im Mittelfeld und [Rodrigo] Bentancur kann losgelöst weiter vorne agieren. Das ist ein Pluspunkt für sie", lobt Hernández, der aber auch für seinen Teamkameraden anerkennende Worte findet.

"Peñaranda ist ein sehr wichtiges Element. Er hat den Rang eines besonderen Spielers, der ganz andere Erfahrungen als wir gesammelt hat. Er hat schon in der WM-Qualifikation gegen Uruguay in Montevideo gespielt und in der spanischen Liga. Er ist ein Spieler mit großer Durchschlagskraft im Angriff." Peña ist vielleicht der entscheidende Faktor für die Tatsache, dass Venezuela bei diesem Turnier mit 13 Toren die meisten Tore erzielt hat - La Celeste hat sechs Treffer auf dem Konto. Eine Offensivstärke, die beim Qualifikationsturnier noch nicht so deutlich hervortrat. Aber auch ihre Defensivstärke ist den Teams gemeinsam.

"Sie kämpfen, rennen und geben nie auf", sagt Córdova anerkennend. "Wir haben in zwei Partien gegen sie kein Tor geschossen. Das will einiges heißen. Auch bei diesem Turnier behalten sie die Defensivstärke bei", sagt Coito, ergänzt aber sogleich, dass er "großes Vertrauen in seine Spieler" habe.

In diesem Duell auf Augenhöhe gibt es schließlich einen Faktor, der entscheidend sein könnte: Die Standardsituationen. Beide Teams erzielten in Republik Korea drei Tore nach ruhenden Bällen. "Das machen wir beide sehr gut", sagt Hernández. "Bei den Uruguayern ist das eine traditionelle Stärke. Aber auch wir haben viel daran gearbeitet und bei diesem Turnier hat sich das ausgezahlt. Es wird wichtig sein."

Nun bleibt nur, dass der 8. Juni kommt und um 17.00 Uhr in Korea der Anpfiff des Schiedsrichters ertönt. "Möge der Bessere gewinnen", wie alle drei versichern.