• Ronaldo Lucena gehörte im Finale zu den besten Venezolanern
  • Der unermüdliche Kämpfer im Mittelfeld scheiterte per Freistoß am Pfosten
  • Er blickt stolz nach vorne: "Kann ein Sprungbrett für Katar 2022 sein"

Ronaldo Lucena hat diesen Blick eines grimmigen Kämpfers, der zu Tode betrübt ist, aber gleichzeitig weiß, dass er alles gegeben hat. Dass es keinen Grund gibt, den Kopf hängen zu lassen, auch wenn in der Ferne der Jubel der Engländer zu hören ist und sich der Traum der Venezolaner vom WM-Pokal in Luft aufgelöst hat. An seinem Hals baumelt immer noch die glitzernde Silbermedaille des Vize-Weltmeisters bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft Republik Korea 2017.

"Ich gehe mit Stolz, deshalb nehme ich sie nicht ab", sagt er in den Katakomben im Stadion von Suwon zu FIFA.com. "Ich habe hart gearbeitet, um das zu erreichen. Niemand hat mir etwas geschenkt, damit ich dort bin, wo ich stehe. Ich habe es durch viel Arbeit und Demut erreicht. In Venezuela werde ich sie als schöne Erinnerung aufbewahren."

Lucena und seine Mitspieler werden eine Partie in Erinnerung behalten, in der alle Venezolaner den Anforderungen gerecht geworden sind. Vor allem er selbst, der wohl beste Spieler seines Teams auf dem Platz. Schnörkellos und intelligent verteilte er die Bälle, sorgte aber gleichzeitig für defensive Ordnung, als die Räume größer wurden beim Versuch, noch den Sieg zu erzielen.

"Wir gehen mit einem bitteren Beigeschmack, aber so ist der Fussball. Es war kein Pech, das sind Dinge, die in einem Spiel passieren. Gott hat uns mit dem Erreichen dieses Finales belohnt und wir haben hart gearbeitet, um es zu erreichen. Wir haben auf dem Platz alles gegeben, alle Teamkameraden haben bis zum Ende gekämpft. Es hat nicht gereicht, aber wir haben in Venezuela Geschichte geschrieben. Nicht nur wegen dem, was im Netz geredet wird, sondern weil wir auch Videos gesehen und mitbekommen haben, was wir ausgelöst haben."

Er ist sich dessen bewusst, dass sein Team zu Beginn der Partie Mühe hatte, dem Rhythmus des schnellen Spiels der Engländer zu folgen. Aber dann war es Lucena, der mit einem ebenso überraschenden wie brillanten Freistoß aus 35 Metern die beste Torchance hatte, bei dem er mit seiner Beobachtungsgabe, Frechheit und exzellenten Schusstechnik verblüffte.

"Der Trainer sagte zu mir, dass ich darauf achten soll, wenn der Torhüter zu weit rauskommt. Und als ich schaue, stand er wirklich sehr weit draußen. Dann machte ich kurze Schritte, als ob ich flanken würde, aber ich wollte aufs Tor schießen." Als Freddie Woodman merkte, wie ihm geschah, war es trotz seiner Flugeinlage schon zu spät. Doch der Ball prallte an den Pfosten und von dort ins Aus.

Es wäre das 1:0 gewesen, denn Dominic Calvert-Lewin hatte noch nicht getroffen. In der zweiten Hälfte konnte sich Venezuela deutlich steigern. "Wir hatten mehr Ballbesitz und haben Torchancen herausgespielt, doch leider ging er nicht rein. Insgesamt haben wir unsere Sache gut gemacht, deshalb sind wir in dieser Hinsicht zufrieden."

Rafael Dudamel war es in der Halbzeitpause gelungen, seine Schützlinge noch einmal zu motivieren: "Er hat jeden von uns gefragt, wie wir uns fühlen und ob wir uns schon geschlagen gegeben haben. Er sagte, dass es erst eine Halbzeit ist und nur ein Tor. Dass wir merken sollten, dass das hier ein Finale ist, das wir nicht jeden Tag erleben. Und dass es unser letztes Jahr in der U-20 ist. Das motivierte uns sehr für die zweite Halbzeit."

Venezuela reist als Vize-Weltmeister nach Hause und als Team mit den meisten Toren (14). Eine Leistung, die Lucena optimistisch stimmt: "Mit Blick auf die Zukunft ist das exzellent. Jeder Mannschaftsteil hat auf dem Platz einen guten Eindruck hinterlassen." Und diese Zukunft hält vielleicht die Möglichkeit bereit, dass Venezuela in Katar 2022 erstmals bei einer FIFA WM dabei ist.

"Jedes Mal, wenn wir mit unserem Coach sprechen, sagt er zu uns, dass dies hier erst der Anfang ist. Das hier kann ein Sprungbrett sein, um diese WM zu erreichen."