• Der Torhüter brilliert in der Verlängerung und wehrt zwei Elfmeter ab
  • In der ausgelassenen Stimmung in der Kabine bleibt er ruhig
  • "Wenn wir nicht daran glauben, das Finale zu gewinnen, wird es ein Reinfall"

Die Kabine Venezuelas ist ein Tollhaus - umherhüpfende Menschen, es wird gesungen, getanzt, Handtücher werden geschwungen und die weinroten Trikots, in denen Uruguay bezwungen wurde. Eigentlich hat kaum noch jemand Energie nach drei Spielen hintereinander, die in die Verlängerung gingen. Dennoch platzen alle Spieler vor Stolz, erstmals in der Geschichte des Landes das Finale eines FIFA-Turniers erreicht zu haben. Fast alle, denn einer scheint im Ruhezustand zu sein. Er hüpft nicht, er tanzt nicht, er johlt nicht. Aber so ist Wuilker Fariñez.

"Als wir alle zusammen waren und zu Gott gebetet haben. Das war der emotionalste Moment", antwortet der Held Venezuelas auf die Frage von FIFA.com, welches der schönste Augenblick der Feierlichkeiten in der Kabine war. In einem kleinen Raum mit einem solchen Überschuss an Adrenalin behielt er das in Erinnerung, was typisch für ihn ist.

Diese Verschlossenheit und dieser Ernst, die beeindruckend sind für einen kaum 19 Jahre alten jungen Mann, ist ein Teil des Geheimnisses eines Torhüters, der ohne Aufhebens das wichtigste Spiel in der Geschichte seines Landes prägte. Er wehrte nicht nur zwei Versuche im Elfmeterschießen ab. Er hielt sein Team in der Verlängerung mit mindestens vier entscheidenden Paraden, drei davon überragend, im Spiel.

"Die schwerste war die beim Freistoß von [Federico] Valverde. Ich wusste, dass er in die Mitte oder nah an den Pfosten schießen konnte, aber ich habe mehr auf die Mitte geachtet. Zum Glück bin ich trotzdem rangekommen", berichtet er. Im entscheidenden Elfmeterschießen wehrte er zunächst den Versuch von J.L. Rodriguez und schließlich den von Nicolás de la Cruz ab, der den Sieg brachte. Der Spieler mit der Nummer elf hatte per Strafstoß zum 1:0 getroffen, nachdem Fariñez bei der Südamerikameisterschaft noch einen Panenka-Heber von ihm abgewehrt hatte. Aber der Torhüter misst dem keine Bedeutung bei.

"Es ist kein persönliches Duell. In diesem Moment dachte ich an mein Land. Es ging darum, das Finale einer WM zu erreichen. Ich entschied mich schon vorher für eine Ecke. Wir studieren unsere Gegner und mit dem, was man als Torwart weiß, ist es gutgegangen."

Abgesehen davon, dass Fariñez bis zur 118. Minute des Viertelfinales ohne Gegentreffer geblieben war, avancierte er gegen Vanuatu zum ersten Keeper, der bei einer U-20-WM ein Tor erzielte. "Ich möchte mich beim Trainer dafür bedanken, dass er mir dabei half, Geschichte zu schreiben", wehrt er ab. Er spricht lieber über das, was diese Mannschaft mit Demut, aber einem eisernen Willen erreicht hat.

"Wir dürfen nicht vergessen, dass wir Venezuela sind. Wir sind ein Team und ein Land im Wachstum. In einem WM-Finale zu stehen ist eine Veränderung, die wir schon lange anstreben. Seit zweieinhalb Jahren arbeiten wir auf diesen Moment hin, machen uns bewusst, dass wir die Besten sein können und dass wir an uns glauben müssen. Dass wir heute im Finale stehen, macht uns sehr stolz."

Sein Ehrgeiz ist so groß, dass für ihn nur der WM-Titel zählt. "Das ist unsere Einstellung. Wenn wir nicht daran denken, wird es ein Reinfall." Das erste Finale in der Geschichte des Landes zu verlieren - ein Scheitern? "Ich persönlich würde das ein bisschen so sehen, denn wir stehen vor einer Gelegenheit, die wir uns nicht entgehen lassen dürfen."

Was seine Teamkameraden über ihn sagen
"Ich zweifle nicht daran, dass er der beste Torwart der Welt ist."
Ronald Hernández (Verteidiger)

"Ich habe ihm in die Augen gesehen und wusste, dass wir gewinnen würden."
Ronaldo Lucena (Mittelfeldspieler)

"Er gibt dem ganzen Team Sicherheit und Ruhe."
Sergio Córdova (Stürmer)