• Video-Schiedsrichterassistenten bei der FIFA U-20-WM im Einsatz
  • Erstes Nachwuchsturnier mit VSA-System
  • Bjorn Kuipers: "Es ist sehr wichtig, dass jemand Fehlentscheidungen korrigieren kann"

Die Fans bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft können sich über wunderschöne Tore und starken Fussball freuen. Doch auch der Einsatz von Video-Schiedsrichterassistenten (VSA) sorgt für Aufmerksamkeit.

Das noch in der Experimentalphase befindliche VSA-System war erstmals bei der FIFA Klub-Weltmeisterschaft Japan 2016 zum Einsatz gekommen und erlebt nun bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft seinen bislang umfangreichsten Test.

"Das VSA-System ist nicht nur wichtig, sondern wirklich sehr wichtig", betont Schiedsrichter Bjorn Kuipers im Gespräch mit FIFA.com. "Wir müssen uns an den Umgang damit gewöhnen. Es muss Teil des Fussballs werden und wir müssen diesem System Vertrauen schenken."

Kuipers hat schon ein Finale beim FIFA Konföderationen-Pokal und eines in der UEFA Champions League gepfiffen. Zudem war er bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ im Einsatz. Er war bereits am ersten Test des VSA-Systems vor neun Monaten noch unter Experimentalbedingungen beteiligt und hat die Entwicklung bis zum heutigen Stand miterlebt. "Ich sehe die Fortschritte und bin damit wirklich sehr zufrieden", sagt er.

"Ich bin kein Schiedsrichter, der auf dem Feld die absolute Autorität anstrebt. Sollte ich eine schwere Fehlentscheidung treffen, bin ich froh, wenn ein Video-Schiedsrichter aus dem Übertragungswagen mir sagt: "Hör zu, Björn, in dieser Situation liegst du ganz falsch." Es ist sehr wichtig, dass jemand da ist, der mich bei Fehlentscheidungen korrigieren kann."

VSA können in folgenden Situationen eingreifen

  • bei Toren
  • bei Elfmeterentscheidungen
  • bei Roten Karten
  • bei Verwechslungen von Spielern

Da die Nutzung des Systems einen enormen Einfluss auf das Schiedsrichterwesen hat, bereiteten sich die insgesamt 88 Offiziellen (Feldschiedsrichter und Video-Schiedsrichterassistenten) vor dem Turnier eine ganze Woche lang intensiv darauf vor und übten Situationen ein, in denen das System eingesetzt wird, und solche, in denen dies nicht geschieht.

"Das ist nicht ganz leicht. Man muss es lernen", erläutert der Schiedsrichter. "Ebenso wie man Fahrradfahren oder Fussballspielen lernen muss, muss man auch den Einsatz des VSA-Systems lernen."

 "Normalerweise zeigen die Schiedsrichter gute Leistungen, mit denen wir alle zufrieden sind", so Video-Schiedsrichterassistent Nawaf Shukralla gegenüber FIFA TV. "Die VSA sind zur Unterstützung der Schiedsrichter und der Spieler da. Wir sind keineswegs gegen die Spieler eingestellt. Wir wollen den Schiedsrichtern helfen, den Spielern helfen, dem Fussball helfen."

Die Schiedsrichter werden mit dem System immer besser vertraut und die Spieler und Trainer fühlen sich damit immer wohler. "Man erkennt, dass sie Vertrauen zum Schiedsrichterteam und den VSA haben", so Kuipers. Er hält es für sehr wichtig, die Fans darüber aufzuklären, in welchen Situationen das System zum Einsatz kommt und in welchen nicht. "Das gilt nicht nur im Stadion sondern überall auf der Welt", so der Niederländer.

"Das alles ist noch ein Experiment. Wenn wir also auf die VSA zurückgreifen, müssen wir allen klar machen, wie es funktioniert. Noch wissen viele nicht, wie das Verfahren abläuft und wie der Einsatz aussieht.

"Alle müssen wissen, wann wir das VSA-System nutzen und wann nicht. Das müssen wir klar machen. Denn Fussball muss Fussball bleiben, und der Schiedsrichter muss der Schiedsrichter bleiben."