• Veljko Paunovic führte Serbien 2015 zum Titelgewinn bei der FIFA U-20-WM
  • Der heutige Trainer von Chicago Fire verrät die entscheidenden Faktoren für den Finalsieg gegen Brasilien
  • Paunovic: "Wenn ich das sehe, bekomme ich immer noch Gänsehaut"

Auf die Frage nach dem entscheidenden Moment auf dem Weg zum sensationellen Titelgewinn Serbiens bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft vor zwei Jahren dürften die meisten wohl den Siegtreffer durch Nemanja Maksimovic in der 118. Minute des Endspiels gegen Brasilien nennen.

Nicht so jedoch Trainer Veljko Paunovic. Der heutige Coach von Chicago Fire, der Serbien damals zu dem historischen Titelgewinn führte, denkt an einen anderen Moment. Und der fand nicht etwa im Finale am 20. Juni 2015 statt, sondern bereits zwei Tage zuvor in den frühen Morgenstunden.

"Nach unserem Sieg im Halbfinale haben wir natürlich zuerst einmal ordentlich gefeiert", so der Trainer. "Aber gegen drei Uhr früh habe ich dann Schluss gemacht und meinen Jungs und dem Stab gesagt: 'Okay, das war's, die Party ist vorbei. Jetzt heißt es zurück an die Arbeit!'

Mir war klar, dass sich alle mit dem bereits Erreichten zufrieden geben wollten. Dass wir es ins Finale gegen Brasilien geschafft hatten, wurde als unglaublicher Erfolg gesehen, natürlich auch in der Heimat.

Ich aber wollte mich nicht damit zufrieden geben und auch nicht, dass meine Spieler zufrieden waren, denn ich hatte das Gefühl, dass wir sogar den Titel holen könnten. Von diesem Moment an ging es also nur noch um das eine, das ganz große Ziel: Brasilien besiegen!"

Kaum jemand gab den Serben eine realistische Chance. Zum einen war das Team von Paunovic gegen den fünfmaligen Weltmeister ohnehin der absolute Außenseiter, und zudem hatten die Serben

auf dem Weg ins Finale in allen drei K.o.-Spielen eine Verlängerung durchstehen müssen. Nun blieben ihnen nur 48 Stunden, um sich von ihrem letzten Duell über lange 120 Minuten zu erholen. Brasilien hingegen war gewissermaßen im Schongang mit einem 5:0-Sieg durch das Halbfinale spaziert.

Paunovic hatte zudem die Sorge, seine Spieler könnten angesichts der berühmten kanariengelben Trikots des Gegners vor Ehrfurcht erstarren. Daher lockerte er die Stimmung im Team erfolgreich auf.

Er erzählt: "Ich bin eigentlich überhaupt nicht auf das Spiel selbst eingegangen. Ich habe den Jungs einfach gesagt: 'Geht raus und spielt und genießt es. Zeigt einfach euer ganzes Talent.'

Außerdem habe ich dafür gesorgt, dass sie sich nicht von vornherein unterlegen fühlten. Dazu habe ich ihnen ein paar Videos von mir selbst gezeigt, denn ich hatte als Spieler mal gegen Brasilien gewonnen. Ich sagte ihnen: 'Hey, wenn ich das kann, dann könnt ihr das auch. Man kann sogar Brasilianer mit einem Tunnel düpieren!'

"Und nun schauen Sie sich mal die Vorarbeit zu unserem zweiten Tor an. Wenn sie genau hinschauen sehen Sie, dass tatsächlich ein Brasilianer getunnelt wird... einfach fantastisch!"

Das sehr späte Tor, mit dem Serbien zum dritten Mal ein Spiel in der Verlängerung gewann (im dritten K.o.-Spiel war die Entscheidung sogar erst im Elfmeterschießen gefallen) sprach Bände über ein Team mit dem Motto: 'Ein Team mit einem Herz.' Der leidenschaftliche und begeisterungsfähige Paunovic liebte seine Spieler über alles, die dieses Gefühl auch ihrerseits empfanden, wie Marko Grujic gegenüber FIFA.com bestätigte. Der Trainer war somit eine der Schlüsselfiguren für Serbiens Erfolg.

"Der Gewinn dieser WM gehört zu den schönsten Dingen, die mir im Leben passiert sind", so Paunovic, der früher für Atlético Madrid und kurz auch für die Nationalmannschaft seines Landes spielte. "Und das meine nicht nur aus professionellem Blickwinkel. Ich empfinde es auch auf persönlicher Ebene so, denn ich habe mit einer Gruppe von Spielern gearbeitet, denen ich mich wirklich nahe fühlte und die ich wie meine Familie behandelt habe.

"Ich habe mir seitdem oft die Höhepunkte des Turniers angeschaut und bekomme bei den besonders emotionalen Szenen im Finale gegen Brasilien noch heute Gänsehaut. Das war eine unglaubliche und sehr bedeutsame Leistung für unser Land. Den Erfolg haben wir dieser ganz besonderen Gruppe junger Spieler zu verdanken.

"Die Spieler und ich tauschen uns immer noch darüber aus und wir sind bis heute alle in Kontakt miteinander. Unser Chatgruppe von damals besteht immer noch. Wir feiern Geburtstage und freuen uns über die Erfolge der Jungs, solche Sachen. Und wenn der Jahrestag unseres Triumphs bei der Weltmeisterschaft ansteht, feiern wir alle gemeinsam und schwelgen in unseren schönen Erinnerungen."