• Vor 40 Jahren gewann Sergei Baltacha den U-20-WM-Titel
  • Der Verteidiger blickt zurück auf seine Karriere
  • In 40 Tagen beginnt die Turnierauflage 2017 in der Republik Korea

40 Tage sind es noch bis zum Anpfiff der 21. Auflage der FIFA U-20-Weltmeisterschaft. Aus diesem Anlass blicken wir 40 Jahre zurück in das Jahr 1977, als dieses Turnier erstmals stattfand. Den Titel sicherte sich damals in Tunesien die Sowjetunion. Für den damaligen sowjetischen Innenverteidiger Sergei Baltacha steht fest, dass diese Erfahrung maßgeblich zum Aufbau einer der stärksten sowjetischen Mannschaften aller Zeiten beigetragen hat.

"Wir hatten damals eine sehr gute Mannschaft. Wir wussten, dass wir gut zusammen spielten und dass wir etwas erreichen konnten", so Baltacha in einem Exklusiv-Interview mit FIFA.com.

Die Sowjets gewannen ihre Gruppe und setzten sich im folgenden Halbfinale und auch im Endspiel jeweils im Elfmeterschießen durch. Der Titelgewinn legte jedoch nicht nur die Grundlage für die Trophäensammlung des vielseitigen Verteidigers. "Das hat unser ganzes Leben beeinflusst", so Baltacha. "Ich habe bei einer Weltmeisterschaft und bei einer Europameisterschaft gespielt und die Olympischen Spiele gewonnen. Die U-20-WM war so eine Art Aufwärmtraining für die späteren Wettbewerbe [lacht]!"

Doch in der brütenden Hitze Tunesiens gingen die Sowjets mit dem gebotenen Ernst zur Sache. Zum Kader gehörten unter anderem Vagiz Khidiyatullin, Andrei Bal und Vladimir Bessonov, der in Tunesien den Goldenen Ball gewann. Die drei standen auch bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Spanien 1982™ gemeinsam im Team der Sowjetunion.

"Wir waren auf und abseits des Feldes Freunde und jeder hat alles für jeden gegeben", so Baltacha. "Um ein Turnier zu gewinnen, muss alles stimmen, insbesondere das Umfeld. Die Erfahrung in Tunesien war für mich das Vorbild, dem ich mein ganzes Leben lang gefolgt bin."

Doch das Gefühl der Zusammengehörigkeit allein reichte nicht für den Titelgewinn – dafür brauchte es auch große Entschlossenheit.

Nach Siegen gegen Irak und Paraguay und einem Unentschieden gegen Österreich standen die Sowjets im Halbfinale gegen Uruguay. "In diesem Alter hat man noch nicht oft gegen Mannschaften von so weit weg gespielt. Man kann also eine Menge lernen", so der heute 59-Jährige. "Uruguay war ein sehr schwerer Gegner. Die Uruguayer standen sehr solide, waren technisch stark und gut organisiert. Erst im Elfmeterschießen konnten wir uns schließlich durchsetzen."

Trainer Sergei Moysagin hatte seine Schützlinge seit der Ankunft im Mannschaftsquartier auf dem Studentencampus in Sfax Elfmeter üben lassen. Doch die Sowjets gewannen das Elfmeterschießen auch dank einer 'Geheimwaffe'.

Bei der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft Brasilien 2014™ machten es die Niederlande genau so wie die Sowjets mehr als drei Jahrzehnte zuvor. Sie wechselten damals für das Elfmeterschießen ihren Reservetorhüter ein – und das gleich zwei Mal. "Yuri Sivuha wurde erst in der letzten Minute mit Blick auf das Elfmeterschießen eingewechselt. Und er hat uns tatsächlich im Halbfinale und im Finale den Sieg gebracht", erinnert sich Baltacha.

Allerdings lief insbesondere im Endspiel keineswegs alles rund. Bessonov gelang kurz vor Schluss der Ausgleich zum 2:2. Im Elfmeterschießen trat Baltacha, der als bester Schütze des Teams galt, gleich zu Beginn an. "Der Torhüter hat meinen Schuss gehalten", so Baltacha.

"Ich dachte schon 'Oh mein Gott', doch er hatte sich zu früh bewegt und so bekam ich die Chance, noch einmal zu schießen. Nun war die Frage, was tun. Ich ging alle Möglichkeiten durch und schoss schließlich wieder in die gleiche Ecke – und dieses Mal fand der Ball den Weg ins Netz. Auch diese Episode hat dazu beigetragen, große mentale Stärke zu entwickeln."

Das nervenaufreibende Elfmeterschießen dauerte mehr als 20 Minuten. "Es stand 6:6, dann 7:7 und ich dachte bei mir 'Wann ist es endlich vorbei?' " Dann endlich gelang Viktor Kaplun der entscheidende Treffer zum 9:8.  "Als wir endlich gewonnen hatten, konnte ich es kaum glauben. Ich war überglücklich."

Baltacha hat noch eine Anekdote auf Lager. Die sowjetischen Spieler verließen das Stade Olympique El Menzah zwar mit der Goldmedaille um den Hals, doch die Sporttaschen waren auf dem Rückweg etwas leichter. "Wir mussten ohne unsere Fussballschuhe abreisen", erklärt er. "Viele Fans stürmten nach der Partie von den Tribünen auf den Rasen. Wir hatten unsere Schienbeinschützer und Schuhe einfach auf dem Rasen liegen lassen. Nachdem wir unseren Titelgewinn zehn, fünfzehn Minuten lang bejubelt hatten, bemerkten wir, dass sie mitgenommen worden waren [lacht]!"

In genau 40 Tagen machen sich nun 24 Mannschaften auf die Jagd nach dem Titel, der am 11. Juni in Suwon zum 21. Mal vergeben wird.