In den letzten Jahren hat der ozeanische Fussball zahlreiche Meilensteine erreicht, und in den letzten beiden Wochen konnte Vanuatu noch einen weiteren hinzufügen. Die Auswahl des Landes sicherte sich in der Qualifikation für die FIFA U-20-Weltmeisterschaft Korea Republik 2017 den Einzug ins Finale und wird damit zum ersten Mal an einem FIFA-Turnier teilnehmen. Neuseeland, der Gewinner des zweiten Halbfinales der OFC U-20-Meisterschaft, wird nächstes Jahr in der Republik Korea ebenfalls dabei sein.

Die Tatsache, dass zwei Länder der ozeanischen Fussballkonföderation (OFC) Tickets für das 24 Teilnehmer umfassende Weltturnier erhalten haben, ist ebenfalls bemerkenswert. Bei der U-20-WM im letzten Jahr, an der Neuseeland als Gastgeber teilnahm und Fidschi als Qualifikant, erzielten beide Teams gute Ergebnisse. Daher wurden dem Kontinent in dieser Altersklasse zum ersten Mal zwei Startplätze zuerkannt.

Grund zum Feiern
Die zweiwöchige OFC U-20-Meisterschaft wird außerdem als eine der denkwürdigsten Sportveranstaltungen in Erinnerung bleiben, die in dem melanesischen Land stattgefunden haben. Der Sieg Vanuatus gegen die Salomon-Inseln in der Nachspielzeit wurde in der sonst eher verschlafenen Landeshauptstadt Port Vila wild und farbenfroh gefeiert. Die Partie war an Spannung kaum zu überbieten. In der 94. Minute erzielte Frederick Massing den Siegtreffer zum 2:1 gegen das Team der Salomon-Inseln, die sich ebenfalls zum ersten Mal für ein FIFA-Turnier der Rasenvariante des Fussballs qualifizieren wollten.

Zuvor hatte Neuseeland sich mit einem 3:1-Sieg gegen Neukaledonien bereits das andere Ticket gesichert. Die Kiwis qualifizierten sich bereits zum vierten Mal in Folge für die U-20-WM, hatten jedoch gegen Les Cagous keineswegs leichtes Spiel. Die Neukaledonier waren mit einem Treffer von Cyril Nyipe Mitte der ersten Halbzeit zunächst sogar in Führung gegangen. Moses Dyer erzielte jedoch bald darauf einen Doppelpack für Neuseeland und Reese Cox machte den Sack in der zweiten Halbzeit endgültig zu.

Kiwis im Rampenlicht
Am Samstag war das Stadion in Port Vila dann anlässlich des Finales bis zum Bersten gefüllt. Die historische Errungenschaft Vanuatus wurde vor dem Spiel mit einem Umzug gefeiert, doch auf dem Platz schien das Heimteam nicht mehr die nötige Konzentration aufzubringen. Neuseeland führte zur Pause bereits mit zwei Toren Vorsprung, und nachdem der Halbfinalheld Massing einen Platzverweis kassiert hatte, legten die Kiwis noch drei späte Tore nach. Zwei dieser Treffer gingen auf das Konto von Lucas Imrie. Am Ende setzten die Neuseeländer sich klar mit 5:0 durch und sicherten sich zum sechsten Mal den OFC-Titel.

"Es hat einfach alles gepasst [im Finale], und das war wahrscheinlich unsere beste Leistung in diesem Turnier", sagt Neuseelands Trainer Darren Bazeley, der nun bereits im fünften Jahr für das Team verantwortlich ist.

Neuseeland strich auch alle individuellen Auszeichnungen ein. Torschützenkönig Myer Bevan wurde gleichzeitig zum besten Spieler des Turniers gekürt und Torhüter Michael Woud als bester Torwart ausgezeichnet.

Vanuatu gewann auf dem Weg ins Finale alle fünf Spiele und kassierte lediglich zwei Gegentreffer. Die Errungenschaften des Teams waren sicherlich zum Teil einem weiteren Neuseeländer geschuldet, und zwar dem ehemaligen Nationalspieler Declan Edge, der als technischer Berater fungierte. "Natürlich waren wir zufrieden mit der Leistung in den ersten vier Spielen, in denen wir sehr diszipliniert aufgetreten sind", so Edge. "Aus irgendeinem Grund ist uns diese Disziplin [im Finale] etwas abhandengekommen."

Doch die wirklichen Schlagzeilen gab es am Tag des Halbfinales. Nach Vanuatus Sieg kam es zu leidenschaftlichen Gefühlsausbrüchen. "Vielleicht begreife ich gerade erst, was das für die Mannschaft bedeutet", so Edge nach dem Halbfinale. "Erwachsene Männer, mit denen ich einen Monat lang zusammengearbeitet habe, sind in Tränen ausgebrochen. Das ist also offensichtlich eine sehr emotionale Angelegenheit."

Auffällig war auch, wie eng der Wettbewerb war. Das bekam insbesondere Fidschi zu spüren, das nicht an das Fussballmärchen von 2015 anknüpfen konnte. Nach einer 0:1-Niederlage gegen Vanuatu und 1:1-Unentschieden gegen Neukaledonien und Papua-Neuguinea mussten die Fidschianer ihre Hoffnungen nach einem fantastischen Jahr begraben. Ebenfalls beachtlich war die Leistung der Cook-Inseln, dem Sieger der Vorrunde, der viel besser mithalten konnte als erwartet.

Nach dem beeindruckenden Auftritt seiner Schützlinge will Bazeley laut eigener Aussage einen gesunden Konkurrenzkampf um die Plätze im WM-Kader fördern. Der Wettbewerb findet Mitte nächsten Jahres in der Republik Korea statt. "Es gibt eine ganze Reihe guter Spieler, die nicht hier sind, und jeder kann jetzt wieder Berücksichtigung finden", sagt er. "Sie haben ein Jahr lang Zeit, sich zu empfehlen. Der Fussball steht nie still, und jeder muss sich weiterentwickeln und spielerisch so gut wie irgend möglich sein."