"Ich habe in sechs Fächern eine Eins, in zweien eine Zwei und in einem eine Drei. Am besten bin ich in Physik. Später will ich mal meinen Abschluss in Maschinenbau machen."

So etwas liest man auf einer Fussball-Website sicher nicht oft, aber Nigerias Taiwo Awoniyi ist ja auch kein gewöhnlicher junger Spieler. Das Klischee will es, dass Fussballer in der Regel nicht nach akademischen Weihen streben, sondern eher ihrem sportlichem Traum nachjagen als Universitätsabschlüssen. Awoniyi jedoch will nach Möglichkeit beides, auch wenn es im Moment so aussieht, als müsste ein eventuelles Studium zunächst einmal hintangestellt werden.

Denn Awoniyi wird zwar erst in ein paar Monaten 18, aber er darf sich schon jetzt Weltmeister nennen, hat er doch mit Nigeria 2013 die FIFA U-17-Weltmeisterschaft gewonnen und dabei alle sieben Spiele absolviert. Außerdem ist er seit diesem Jahr U-20-Afrikameister. Nun steht er im Kader der nigerianischen Auswahl, die Ende des Monats in Neuseeland erstmals den U-20-Weltmeistertitel nach Westafrika holen will.

Persönlich haben ihn gute Leistungen während der gesamten Qualifikation ins Blickfeld diverser großer Klubs in Europa und Nordafrika gerückt, doch davon will er im Moment nichts wissen. "Ich konzentriere mich auf das, was vor mir liegt. Noch stehe ich nirgendwo unter Vertrag, aber ich hoffe, dass das noch vor der Weltmeisterschaft geregelt ist."

Awoniyi begann in der Schule mit dem Fussballspielen und wechselte dann in die United Academy im Bundesstaat Kwara. Später zog es ihn weiter in die Imperial Soccer Academy und von dort schaffte er den Sprung in die nigerianische U-15-, die U-17- und schließlich die U-20-Auswahl, mit der er nun die WM bestreitet. "Nach dem Aufwand, den wir in der Vorbereitung betrieben haben, wollen wir in Neuseeland auch tunlichst Weltmeister werden. Wir werden jedes Spiel wie ein Endspiel angehen", verspricht Awoniyi.

Die Nigerianer wurden in eine schwierige Vorrundengruppe mit dem fünfmaligen Weltmeister Brasilien, Ungarn und der DVR Korea gelost. Awoniyi räumt ein, dass er und seine Mitspieler bislang nicht viel über diese Gegner wissen. "Die Videoanalyse unserer Gegner steht noch aus, aber unsere Trainer haben sich alle Mühe gegeben, uns auf sämtliche Eventualitäten vorzubereiten", meint Awoniyi. "Wir sind bereit."

Überraschend ist, dass der Stürmer, dem ein ausgeprägter Torinstinkt nachgesagt wird, die größte Stärke der Mannschaft nicht auf dem Platz sieht. "Unsere größte Stärke liegt außerhalb. Es ist die Geschlossenheit unter den Spielern. Wir sind eine große, glückliche Familie. Was mich persönlich betrifft, liegt mir das Toreschießen einfach im Blut. Aber ich kann den Ball auch gut halten und meine Mannschaftskameraden in Szene setzen. Ich spiele für die Mannschaft."

Nigeria hat die FIFA U-17-Weltmeisterschaft öfter gewonnen als jedes andere Land (nämlich vier Mal), die U-20-Weltmeisterschaft hingegen noch nie. Zwei Mal verlor die Mannschaft im Finale, einmal erreichte sie den dritten Platz. "Ich denke, das liegt daran, dass wir Kontinuität in den verschiedenen Nationalmannschaften brauchen", sagt Awoniyi. Ich bin überzeugt, wenn wir eine Kontinuität zwischen der U-17 und der U-20 haben, wie es bei uns der Fall ist, kann sich alles ändern. Und das hoffentlich schon dieses Jahr."

Der Gewinn der U-17-Weltmeisterschaft war der Höhepunkt von Awoniyis bisheriger Karriere. "Das hat unser aller Leben verändert", sagt Awoniyi. "Viele von uns kamen bei Klubs im Ausland unter und das wiederum hat auch das Leben unserer Familien verändert. Ich konnte mir ein eigenes Haus bauen, genau wie die meisten meiner Teamkameraden."

Awoniyi hofft auf weitere einschneidende Erlebnisse in Neuseeland, über ein mögliches Scheitern macht er sich noch keine großen Gedanken: "Fussball ist unvorhersehbar. Wir sind Afrikameister und wir wollen uns auch bei der Weltmeisterschaft beweisen. An ein Scheitern in Neuseeland will ich nicht denken, da ich an diese Mannschaft glaube."