Überraschungen in Südamerika
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Über die U-20-Südamerikameisterschaft 2013 in Argentinien wird man in dieser Region noch lange sprechen – und dies aus gutem Grund. Einerseits sicherte sich Kolumbien zum dritten Mal den Titel und qualifizierte sich somit ebenso wie Paraguay, Uruguay und Chile für die FIFA U-20-Weltmeisterschaft 2013 in der Türkei.

Andererseits wird dieses Turnier auch deshalb in die Geschichte eingehen, weil weder der sechsmalige Champion Argentinien noch der fünfmalige Sieger Brasilien über die Gruppenphase hinauskam. Somit kann die Seleção den vor zwei Jahren in Kolumbien gewonnenen Titel nicht verteidigen.

FIFA.com berichtet über das Turnier, das in den Städten Mendoza und San Juan ausgetragen wurde.

Die WM-Teilnehmer
Nach einem durchwachsenen Auftakt in der Vorrundengruppe A, in der man mit sechs Punkten Rückstand auf Chile nur Rang zwei belegt hatte, schien Kolumbien sich das Beste für die sechs Mannschaften umfassende Finalrunde aufzuheben. Denn dort gab es plötzlich drei Siege in Folge, die die vorzeitige Qualifikation für die WM-Endrunde in der Türkei und die achte WM-Teilnahme insgesamt bedeuteten. Obwohl das primäre Ziel bereits erreicht war, gaben sich die Schützlinge von Carlos Restrepo nicht damit zufrieden und sicherten sich mit einem Sieg über Paraguay am letzten Spieltag zum dritten Mal nach 1987 und 2005 die Südamerikameisterschaft.

"Die Südamerikameisterschaft zu gewinnen, ist etwas Einzigartiges. Nun müssen wir den Fokus schon bald auf die Weltmeisterschaft richten, sollten aber mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben. Aber jetzt genießen wir erst einmal diesen Augenblick", so Spielmacher Juan Quintero, der bei Pescara Calcio in der italienischen Serie A unter Vertrag steht und bei der Südamerikameisterschaft mit fünf Treffern der erfolgreichste Torschütze seiner Mannschaft war. Von den sechs Teilnehmern der Finalrunde konnten die Cafeteros die beste Abwehr (nur acht Gegentreffer in neun Spielen) und eine der beiden besten Offensivreihen (16 Treffer – ebenso viele wie Paraguay) vorweisen.

Paraguay, das seine Gruppe in der ersten Runde nur auf Platz drei beendet hatte, vor dem letzten Spieltag des Turniers jedoch Tabellenführer war, spekulierte bereits mit dem ersten Titelgewinn seit 1971. Stattdessen reichte es wie im Jahr 2009 nur zum zweiten Platz, der jedoch die Qualifikation für die Weltmeisterschaft bedeutete, die man zuletzt verpasst hatte. "Ich bin etwas traurig, denn wir hätten auch den Pokal holen können, aber wir dürfen diesem Titel nicht mehr nachweinen. Nun müssen wir mit den Vorbereitungen für die Weltmeisterschaft beginnen", meinte Trainer Víctor Genés, der die Guaraní zu ihrer neunten WM-Teilnahme geführt hatte.

Uruguay konnte sich als einziges Team aus Gruppe B für die WM qualifizieren. Die Celeste hatte hinter Peru den zweiten Platz belegt. Uruguay fuhr von allen Teilnehmern der Finalrunde die wenigsten Siege ein (vier) und musste auch die meisten Gegentreffer hinnehmen (zwölf). Die Mannschaft von Juan Verzeri konnte jedoch in den entscheidenden Momenten zuschlagen und qualifizierte sich dank eines Sieges über Ecuador am letzten Spieltag zum zwölften Mal für die Endrunde einer Weltmeisterschaft. "Eine ernsthafte Herangehensweise und taktische Disziplin haben es diesem recht dünn besiedelten Land mit spärlicher Infrastruktur ermöglicht, etwas so Großes zu erreichen", betonte Verzeri, der die Charrúa bereits zur U-20-WM 2011 in Kolumbien geführt hatte. Die Mannschaft wurde nicht nur mit dem Fairplay-Preis ausgezeichnet, sondern stellte mit Nicolás López auch den Torschützenkönig des Turniers (sechs Treffer).

Chile hatte die erste Runde ungeschlagen mit dem Punktemaximum beendet. Obwohl diese Serie in der Finalrunde nicht fortgesetzt werden konnte, stellte die Mannschaft ihre Klasse unter Beweis und brachte die Qualifikation am letzten Spieltag dank eines Unentschiedens gegen Peru, das ebenfalls noch Chancen auf das letzte WM-Ticket gehabt hatte, unter Dach und Fach. "Ich bin etwas enttäuscht, denn ich hätte uns gerne weiter vorne gesehen. Doch immerhin haben wir unser Ziel erreicht", sagte Trainer Mario Salas, nachdem er die Rojita zur ersten U-20-WM-Teilnahme seit dem Turnier 2007 in Kanada geführt hatte.

Die anderen Teams
Zu den großen Überraschungen des Turniers zählt zweifelsohne Peru, das nicht nur seine Vorrundengruppe gewinnen konnte, sondern auch die erstmalige Qualifikation für eine WM-Endrunde durch die Niederlage gegen Chile am letzten Spieltag nur denkbar knapp verpasste. Die Inkas warfen außerdem Brasilien aus dem Turnier, das bislang nur die Endrunde 1979 in Japan verpasst hatte.

Ebenfalls überraschend kam die Qualifikation Ecuadors für die Finalrunde, auch wenn in dieser alle Partien verloren gingen. Ein weiterer Paukenschlag war das frühzeitige Ausscheiden von Argentinien, das erst zum sechsten Mal in der Geschichte, jedoch bereits zum zweiten Mal in den vergangenen drei Qualifikationsturnieren den Einzug in die WM-Endrunde verpasst. Auch Venezuela und Bolivien konnten nicht an ihre Leistungen bei der letzten Südamerikameisterschaft anknüpfen.

Spieler im Fokus
Abgesehen vom bereits genannten Quintero, konnten beim Titelträger Kolumbien auch Torhüter Cristian Bonilla sowie die Stürmer Mauricio Cuero und John Córdoba (vier Treffer) überzeugen. Bei Paraguay ragte mit Diego Morel ebenfalls der Torhüter heraus, aber auch Mittelfeldspieler Matías Pérez und Stürmer Derlis González (vier Tore) sorgten für Furore.

Abgesehen von den starken Leistungen von López konnten sich bei Uruguay auch Abwehrspieler Fabricio Formiliano und Flügelspieler Diego Rolán (vier Treffer) in den Vordergrund spielen. Die herausragenden Spieler der chilenischen Mannschaft waren Verteidiger Valber Huerta, Spielmacher Bryan Rabello und Mittelstürmer Nicolás Castillo (fünf Tore). 

Die Endtabelle der U-20-Südamerikameisterschaft

1. Kolumbien 12*
2. Paraguay 10*
3. Uruguay 9*
4. Chile 7*
5. Peru 5
6. Ecuador 0

*für die FIFA U-20-WM 2013 qualifiziert

Die besten Torschützen

6 Tore: Nicolás López (Uruguay)
5 Tore: Juan Quintero (Kolumbien), Nicolás Castillo (Chile), José Reyna (Peru)
4 Tore: Derlis González (Paraguay), John Córdoba (Kolumbien), Diego Rolán (Uruguay)

Fairplay-Preis

Uruguay