Kavlak: "Ein Meilenstein meiner Karriere"
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Der Fussball ist immer wieder für Überraschungen gut. Genau deshalb wird er auch nie langweilig. In Österreich war 2007 die Zeit für eine dieser unerwarteten Glücksmomente gekommen. Bei der FIFA U-20-WM in Kanada stürmte das Alpenland sensationell auf den vierten Platz. Einer der damaligen Schlüsselspieler hieß Veli Kavlak. "Für einen jungen Spieler ist diese Turnierserie die größte und wichtigste auf der ganzen Welt", sagt der Mittelfeldakteur mit türkischen Wurzeln im FIFA.com-Gespräch heute.

Für Kavlak hat eine ebenso spannende, wie emotionale Zeit begonnen. Der 24-Jährige, der mittlerweile 22 A-Länderspiele für Österreich bestritten hat und in Diensten von Beşiktaş Istanbul steht, schwelgt fünf Monate vor dem Auftakt der FIFA U-20-WM 2013 in der Türkei in süßen Erinnerungen an die Heldentaten vor fünfeinhalb Jahren. Und verspürt gleichzeitig großen Stolz, dass das Land seiner Vorfahren die nächste Auflage dieses prestigeträchtigen Wettbewerbs austragen wird.

Einzigartiges Erlebnis in den Stadien
"In der Türkei gibt es eine riesengroße Leidenschaft für den Fussball. Die Menschen dort schlafen in Gedanken mit ihm ein. Und sie wachen auch wieder in Gedanken mit ihm auf", beschreibt Kavlak mit funkelnden Augen. Dieser junge Mann, der in den Straßen der österreichischen Hauptstadt das Fussballspielen lernte und im Alter von 16 Jahren bei Rapid Wien anheuerte, um zum zweitjüngsten Profi-Debütanten in der Geschichte des Klubs nach Andreas Ivanschitz zu avancieren, lässt dabei erahnen, was es für ihn bedeutet, nun selbst am Bosporus zu spielen.

Kavlak ist sich sicher, dass der türkische Fussball von der bevorstehenden WM-Endrunde in den eigenen Stadien profitieren wird: "Meiner Meinung nach macht jedes Land organisatorisch und sportlich einen Schritt nach vorne, nachdem es ein internationales Turnier ausgetragen hat." Nur zu gut erinnert er sich an die wachsende Begeisterung für den Fussball bei den Kanadiern während der WM-Endrunde 2007.

"Kanada zählte nicht zu den ganz großen Fussball-Nationen. Zu Beginn waren die Zuschauerzahlen normal. Doch mit dem zunehmenden Turnierverlauf kamen immer mehr Leute in die Stadien, denn sie realisierten die wundervolle und magische Atmosphäre", so Kavlak. Deshalb weiß Beşiktaş' Mittelfeldjuwel nur zu gut, dass ein Stadionbesuch ein einzigartiges Erlebnis für jeden Fan sein wird. "Die Fussballstars der Zukunft kommen diesen Sommer in die Türkei. Ich bin mir sicher, dass sie das Turnier und die Atmosphäre total begeistern wird!"

Der erste große Meilenstein
Für ihn selbst war die U-20-WM der große Durchbruch. Noch heute denkt der 1,76 Meter große und laufstarke Mittelfeldarbeiter gerne an die mitreißenden Darbietungen der jungen Österreicher in Nordamerika zurück. "Ich habe die bisher schönsten Tage meiner Fussball-Karriere bei diesem Turnier 2007 verbracht", sagt er und fügt hinzu: "Spieler wie Alexandre Pato, Arturo Vidal, Sergio Agüero, Angel Di Maria, Juan Mata, Luis Suarez, Martin Fenin und Giovani Dos Santos waren dabei. Sie sind die heutigen Stars. Die Tatsache, dass ich am gleichen Turnier teilgenommen habe, war ein Privileg für mich."

Nach einem Sieg gegen Gastgeber Kanada (1:0) und zwei Unentschieden gegen Kongo (1:1) und Chile (0:0) setzte sich Österreich im Achtelfinale gegen Gambia (2:1) und im Viertelfinale gegen die USA (2:1 n.V.) durch, ehe man in der Runde der letzten Vier gegen die Tschechische Republik mit 0:2 verlor. Im Spiel um Platz drei musste man sich den Chilenen knapp mit 0:1 geschlagen geben. "In Österreich hatte dies einen großen Einfluss. Uns gehörten plötzlich die Schlagzeilen", erinnert er sich. "Diese Generation begann, zum Kern der heutigen A-Nationalmannschaft zu werden. Die meisten von uns spielen mittlerweile in Europas Top-Ligen."

Ein Turnier mit viel Kraft
Sebastian Prödl, Zlatko Junuzovic (beide Werder Bremen), Erwin Hoffer (Eintracht Frankfurt) und Martin Harnik (VfB Stuttgart) findet man beispielsweise in der deutschen Bundesliga wieder. Kavlak gehört zu den Publikumslieblingen bei einer der ganz großen Istanbuler Traditionsadressen. Die U-20-WM 2007 machte ihn zu einem besseren Spieler. Und ein Stück weit auch zu dem, was er heute ist.

"Ich wurde damals in Kanada bei sechs WM-Spielen eingesetzt. Die Leute begannen, meinen Stärken zu vertrauen. Ich realisierte dies. Und ich begann, mehr und mehr an mich zu glauben. Seit diesem Turnier stand ich viel mehr im Fokus der Öffentlichkeit. Es war ein Meilenstein in meiner Karriere", betont Kavlak. Nun will er selbst auf den Zuschauerrängen sitzen und die nächsten ungeschliffenen Diamanten beim ersten Betreten der ganz großen Bühne beobachten. Dass sich ihm diese Gelegenheit in der Türkei bietet, ist nicht nur für die Menschen dort, sondern auch für ihn ein in Erfüllung gehender Traum, den er so nah wie möglich genießen will.