
Australien brauchte im letzten Gruppenspiel der Gruppe E bei der FIFA U-20-Weltmeisterschaft Malaysia 1997 nur noch ein Unentschieden, um in die K.o.-Runde einzuziehen. Dennoch war man gemeinhin davon überzeugt, dass die Schützlinge von Les Scheinflug praktisch schon ausgeschieden waren.
Denn der Gegner, mit dem die Australier am Samstag vor 15 Jahren in Kangar konfrontiert waren, war eine argentinische Mannschaft, die fast noch stärker war als das siegreiche Team der vorherigen Auflage des Wettbewerbs. In diesem Team waren unter anderem spätere A-Nationalspieler wie Leo Franco, Walter Samuel, Diego Placente, Lionel Scaloni, Esteban Cambiasso, Juan Román Riquelme und Bernardo Romeo vertreten.
Nach nur neun Minuten verdichteten sich die Anzeichen dafür, dass der Nachwuchs der Socceroos zum Ausscheiden verdammt war und Kanada gemeinsam mit der Albiceleste ins Achtelfinale einziehen würde. Riquelme legte für Romeo auf, und der brachte die Argentinier in Führung. Nach einer halben Stunde hatten die Außenseiter Glück, dass sie nur mit einem Tor im Hintertreffen waren, denn Argentinien dominierte die Partie.
Aufbäumen gegen die Niederlage
Danach begann David dann jedoch, Goliath zu attackieren. Ivan Zelic, Vince Grella und Brett Emerton strahlten viel Gefahr vor dem gegnerischen Tor aus und wurden in der 39. Minute für ihre Bemühungen belohnt. Kosta Salapasidis setzte sich mit Lichtgeschwindigkeit in Bewegung, kam vor Diego Markic an den Ball und jagte das Leder dann mit dem Außenrist in die Maschen. Zur allgemeinen Überraschung erzielte derselbe Spieler innerhalb von 90 Sekunden das 2:1. Bill Damianos hatte Markic frech getunnelt, und Salapasidis staubte ab.
Nach der Halbzeit warfen die Argentinier sofort alles nach vorn, aber obwohl sie in puncto Ballbesitz deutlich überlegen waren, mussten sie nach nur zehn Minuten nach einem Konter einen weiteren Gegentreffer hinnehmen. Zum dritten Mal wurde ihnen Salapasidis zum Verhängnis. Dieses Mal leistete Emerton auf der rechten Flanke eine hervorragende Vorarbeit und Salapasidis hatte innerhalb von elf Minuten einen Hattrick erzielt.
Danach spielte nur noch Argentinien. Die Angriffe der Südamerikaner wurden jedoch von den Verteidigern Hayden Foxe, Con Blatsis und Lucas Neill sowie von Torhüter Danny Milosevic ein ums andere Mal abgewehrt. Der australische Schlussmann setzte sich drei Mal in Eins-gegen-Eins-Situationen gegen Diego Quintana durch. Nach einer gefühlten Ewigkeit des Anrennens auf das gegnerische Tor, die aber in Wirklichkeit nur 15 Minuten dauerte, konnten die Schützlinge von José Pekerman den Rückstand verkürzen, als Placente aus einem Abpraller Kapital schlug.
Spannende Schlussphase
Die Australier mussten ihren Vorsprung noch 20 Minuten verteidigen, um hier einen Sieg mitzunehmen, der ihnen im Achtelfinale Japan als Gegner beschert hätte. Argentinien hätte dann die kniffligere Partie gegen England bevorgestanden. Die Socceroos verteidigten weiter mit Mann und Maus und es sah ganz danach aus, als sollten sie es tatsächlich schaffen. Aber dann leistete Foxe sich in der 88. Minute ein Handspiel im eigenen Strafraum und die Argentinier bekamen einen Elfmeter zugesprochen. Riquelme verwandelte eiskalt zum 3:3-Ausgleich. Damit wollten sich die Argentinier jedoch keinesfalls zufriedengeben und starteten einen wahren Sturmlauf auf das australische Tor.
In der Nachspielzeit nahm Neill dem eingewechselten Pablo Aimar dann jedoch gekonnt den Ball ab und startete einen Konter. Salapasidis hatte sich wieder mit Überschallgeschwindigkeit in Bewegung gesetzt, und am Ende wusste Scaloni sich nur mit einer Notbremse zu helfen. Der Spieler mit der Rückennummer zwölf führte den Strafstoß selbst aus, traf und hatte damit seinen vierten Treffer in dieser Partie erzielt. Am Ende stand ein 4:3 für Australien auf der Anzeigetafel, was die ganze Fussballwelt in Erstaunen versetzte.
Scheinflug war vor der Partie dafür kritisiert worden, dass er Salapasidis in der Startelf belassen hatte und Danny Allsopp auf der Bank Platz nehmen musste. Ersterer hatte zuvor nämlich in den 173 Minuten, die er während der beiden ersten Gruppenspiele Australiens auf dem Platz stand, keinen einzigen Treffer erzielt. Letzterer war hingegen nur sieben Minuten zum Einsatz gekommen und hatte in dieser Zeit das bis dato einzige Tor seines Landes erzielt.
"Habe ich mich damit ausreichend gerechtfertigt?", witzelte der Trainer nach dem Spiel. "Argentinien hat eine hervorragende Mannschaft voller Spieler, die später auf höchstem Niveau spielen werden. Aber auf Salapasidis hatten sie einfach keine Antwort. Sie sind mit seinem Tempo nicht klargekommen und sein Abschluss war erste Sahne."
Am Ende sollte die Albiceleste als Sieger aus der elften Auflage des Turniers hervorgehen, aber der Nachwuchs der Socceroos und insbesondere Salapasidis hatten der Auswahl einen rabenschwarzen Tag beschert.
